STADTRADELN-Star Blog: Jessica Woell


Autofahrer vs Radfahrer .... warum?

Bild Geschrieben am 26.06.2021 von Jessica Woell
Team: Stadtverwaltung Bingen
Kommune: Bingen am Rhein im Landkreis Mainz-Bingen

Autofahrer vs Radfahrer… muss das sein?
Auch in dieser zweiten Wochen als Stadtradel-Star habe ich wieder etwas über 100 km erreicht. Wieder waren die Fahrten voller toller Momente. Ob bei strömendem Regen oder Sonnenschein mit Wind – es war wunderbar komplett ohne Auto unterwegs zu sein. Jedoch hat mich ein negatives Erlebnis mit einer Autofahrerin beschäftigt und ich möchte es gern mit Euch teilen:
Ich fuhr von Ingelheim zurück nach Bingen. Links vom Fahrradweg war ein Feld, rechts wurde der Fahrradweg durch einen großzügigen Grünstreifen von der Straße (Tempo 50) getrennt. Ich sah ein mächtiges schwarzes Auto (SUV-Kaliber) ohne zu blinken zuerst über den Grünstreifen und dann auf den Fahrradweg fahren. Es stellte sich mittig auf den Fahrradweg, sodass weder links noch rechts Jemand hätte vorbeifahren können. Ich bremste und holperte über das Feld um nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen oder das Auto zu streifen. Ich sah in das Auto hinein: Eine Frau in meinem Alter saß lachend und telefonierend am Steuer. Boah, war ich sauer! Der Grünstreifen (über den sie ja eh schon gefahren war) war frei, sie hätte sich trotz der Masse des Fahrzeuges auch nur zur Hälfte auf den Radweg stellen können und es wären alle Radfahrer ohne Probleme an ihr vorbei gekommen... So oft erlebe ich leider, dass Autofahrer den Radweg als Kurzparkplatz nutzen. Ich fand es SO rücksichtslos da habe ich ihr den Mittelfinger gezeigt während ich über das Feld holperte…

Etwa 5 Minuten später / anderer Fahrradweg, ähnliche Ausgangssituation: Links ein Feld, rechts die Straße (Tempo 70), dazwischen ein Grünstreifen, diesmal jedoch als circa 4 Meter breiter Hügel, über den man nicht fahren kann und der auch für Sichtschutz zur Straße sorgt:
Ich fahre singend daher, habe den SUV wieder vergessen und genieße die Sonne. Dann sehe ich einen Wagen auf mich zufahren - AUF dem Fahrradweg..???
Mein erster Gedanke: „Wie ist der denn hier auf den Fahrradweg drauf gekommen?“
Zweiter Gedanke: „Ist bestimmt ein Winzer oder Bauer der zu dem Feld will.“
Dritter Gedanke: „ Eeeeehm.. der wird gar nicht langsamer, sieht der mich überhaupt..???“
Vierter Gedanke: „Scheiße! Der sieht mich nicht! Der hat sich verfahren und denkt er wäre auf einer Straße, der geht gar nicht vom Gas und fährt auch nicht zur Seite, ich kann hier nicht ausweichen! MIST!“
Ja – dieser SUV hat tatsächlich den gesamten Fahrradweg eingenommen, wieder unmöglich links oder rechts daran vorbei zu kommen, geschweige denn aneinander vorbei zu fahren. Erst als der Wagen kurz vor mir scharf bremst und die Tür aufgeht realisiere ich, dass es derselbe Wagen ist und die Frau von eben steigt aus. Ganz offensichtlich mit der Intention, mir jetzt aufs Maul zu hauen. Das ich nicht weiterfahren kann – dies hat ja ihr sehr üppiges Auto für sie erledigt – das ich Angst bekommen soll, dafür hat sie mit ihrem Fahrverhalten gesorgt und jetzt mit ihrer Körpersprache. Sie reißt die Tür auf, bevor der Wagen ganz steht, steigt aus und geht mit breiten Schultern aufgebaut schnellen Schrittes auf mich zu.
Frau: "Was zeigst du mir den Mittelfinger, was willst du?“
Ich bleibe ruhig und freundlich. Damit hat sie nicht gerechnet glaube ich. Dachte sie, ich werde jetzt auch aggressiv und wir prügeln uns hier? Ich merke, dass sie auf ein Wort von mir wartet, was eine Eskalation entzünden würde. Dieses Verhalten biete ich ihr aber nicht an.
Ich erkläre ruhig, dass sie sich vorhin ja nun mal mittig auf den Fahrradweg gestellt hat, sodass Niemand mehr vorbei konnte und ich sauer war.
Frau: „Ja und, was ist wenn ich einen Notfall hatte, dann muss ich von der Straße!“
Ich: „War das denn ein Notfall vorhin?“
Frau: „Ja das war ein wichtiger Anruf VIELLEICHT?“
Ich: „Du hättest in einem Notfall deinen Warnblinker anmachen und an den Rand fahren können zum Telefonieren, nicht auf den Radweg.“
Frau: „ Ja genau und wenn mir dann einer reinfährt wenn ich da am Rand stehe?“
Ich: „Naja, ich musste über das Feld fahren und Jemand Anders wäre auch nicht an deinem Auto vorbei gekommen.“
Frau: „Na und, ich stand ja nur eine Minute da.“
Ich: „Das macht ja für die Leute die da langfahren wollen keinen Unterschied ob du da eine Minute oder eine halbe Stunde stehst.“
Frau: „Und was zeigst du mir den Mittelfinger? Ich mag sowas gar nicht.“ (sehr drohende Körpersprache)
Ich: „Naja, was soll ich machen?“
Frau: „Kannst ja absteigen und drum herum schieben oder?“
Ich: „Und jetzt stehst und fährst du hier wieder auf dem Fahrradweg?“
Frau: „Ja und? Ist mir doch scheißegal! Ruf doch die Polizei! Ist mir scheißegal! Pass auf, ich mag sowas gar nicht und ich merke mir sowas, das kannst du mir glauben JA?“ Frau steigt schimpfend in ihr Auto während ich mein Rad an ihrem Auto vorbei übers Feld schiebe, um die Situation zu beenden…

Als ich weiter fuhr war ich froh. Warum:
1. Sie hat mich nicht angefahren, ich habe wirklich kurz Angst davor gehabt – und genau diese Angst bei mir auszulösen war offensichtlich ihre Absicht.
2. Sie hat mir nicht aufs Maul gehauen. Ich kann mich wehren. Verabscheue aber Gewalt und auch Aggressionen solcher Art.

Nachdem ich froh war, habe ich nachgedacht. Worüber:
1. Welche Alternativen meinen Unmut zu äußern habe ich als Radfahrer, außer meinen Mittelfinger zu zeigen? Ich kann nicht hupen. Ich kann nicht nah auffahren ohne mich in Gefahr zu begeben..
2. Wie würden Sie als Autofahrer reagieren, wenn ich mich mitten auf eine Straße stelle, sodass Sie stehen bleiben müssen und wenn ich dort telefoniere? Würden Sie hupen? Mich beschimpfen? Mir den Mittelfinger zeigen? Wie hätte speziell diese Frau reagiert?
3. Verdammte Scheiße, wofür mache ich das überhaupt..? Ich fahre Fahrrad. Jeden Tag. Ich verzichte komplett auf ein Auto jeden Tag. Egal bei welchem Wetter ich zur Arbeit fahre. Egal zu welcher Fortbildung ich fahre. Egal wo ich meine Familie besuchen fahre… Ich verzichte auf ein Auto. Für wen denn? FÜR UNS ALLE! Ich mache das für uns alle! Klimaschutz ist doch keine private persönliche Sache, die nur mich etwas angeht. Ich verzichte FÜR UNS ALLE auf ein Auto. Auch im Winter. Auch im Regen, auch im Schnee. Und dann sowas??? Das ist nicht fair… Autofahrer sollten Radfahrer genau aus dem Grund mit Respekt behandeln und ihnen dankbar sein. Ich versuche mit meinem Autoverzicht deinen SUV auszugleichen. Für UNSER Klima. Dann wäre der mindeste Respekt doch, sich nicht auf die Fahrradwege zu stellen oder?

Wie hättet Ihr an meiner Stelle reagiert? Was kann ich in solchen Situationen tun außer den Mittelfinger zu zeigen? Habt ihr ähnliche Erlebnisse gehabt?

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100 km in Woche 1

Bild Geschrieben am 22.06.2021 von Jessica Woell
Team: Stadtverwaltung Bingen
Kommune: Bingen am Rhein im Landkreis Mainz-Bingen

Geschrieben am: 20.06.2021 Von: Jessica Woell
Team: Stadtverwaltung Bingen
Kommune: Bingen am Rhein im Landkreis Mainz-Bingen
Nun ist die erste Woche Stadtradeln herum. Ich habe täglich die Stadtradeln-App genutzt um meine gefahrenen Kilometer zu tracken und sie werden dann ganz einfach in mein Stadtradeln-Konto eingefügt. Dies war für mich sehr spannend, denn ich habe vorher nie so genau darauf geachtet, wie viele Kilometer ich überhaupt in einer Woche fahre. Nach Woche eins habe ich nun also 113,7 km gesammelt. Ich bin sehr zufrieden damit! Die App sagt mir sogar wieviel CO2 ich somit eingespart habe: Ganze 16 Kg! Das macht Freude!
Abgesehen davon, dass ich somit täglich etwas zum Klimaschutz beitrage, erfüllt mich das Fahrradfahren durch und durch mit purer Lebensfreude! Ja – die Woche war verdammt heiß, teilweise weit über 30° c im Schatten. Ja – es war teilweise sehr anstrengend durch die Sonne zu fahren. Aber: Die wundervollen Momente unterwegs, die endlosen Blumenwiesen, der blühende Mohn in den Weinbergen, der Fahrtwind und die wohltuende Morgensonne auf der Haut zaubern mir täglich folgende Gedanken in den Kopf: „Das Leben ist schön!“
Wirklich! Diese Gedanken habe ich täglich beim Fahrradfahren. Wenn ich hingegen an meine Zeit zurückdenke, in der ich so gut wie alle Strecken mit dem Auto zurück gelegt habe… Da kommt mir keine Harmonie und Lebensfreude in den Sinn. Eher Stress und Aggressionen…
Ich liebe dieses Fahrrad! DANKE

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Motiviert für den Start

Bild Geschrieben am 22.06.2021 von Jessica Woell
Team: Stadtverwaltung Bingen
Kommune: Bingen am Rhein im Landkreis Mainz-Bingen

Als ich von der Aktion „Stadtradeln“ gelesen habe, war ich sofort begeistert. Ich freue mich fast täglich darüber, wie verschiedene Themen zum Umweltschutz immer mehr in das Bewusstsein der gesamten Öffentlichkeit treten. Natürlich möchte ich also beim „Stadtradeln“ mitmachen. Natürlich möchte ich, dass so viele Menschen wie möglich so oft wie möglich auf das Autofahren verzichten. Und natürlich möchte ich mit gutem Beispiel vorangehen. So nehme ich nun als „Stadtradel-Star“ für die Stadt Bingen teil und werde bis zum 04.07. komplett auf das Autofahren verzichten. Um ehrlich zu sein, mache ich das ohnehin seit acht Monaten – seit ich mein Auto verkauft habe und meinen gesamten Alltag mit einem Lastenfahrrad bewältige. Bis zum 04.07. möchte einen Schritt weitergehen und als „Stadtradel-Star“ ebenfalls darauf verzichten, als Beifahrerin in ein Auto einzusteigen oder mir eines zu leihen.
Was mich dazu motiviert hat, autofrei zu leben und bei „Stadtradeln“ mitzumachen?
In zwei Worten zusammengefasst: Waldschutz + Kinder!
Diese zwei Themen sind nicht nur meine privaten Interessen, sondern auch zentrale Schwerpunkte meiner beruflichen Welt. Als leitende Erzieherin eines Waldkindergartens darf ich den Waldschutz, die Naturpädagogik und die Arbeit mit Kindern täglich praktizieren. Eine Arbeit, die ich aus vollem Herzen mit aller Leidenschaft mache! So kann ich die Welt ein wenig besser machen. Denn die Kinder von heute gestalten die Welt von morgen. Und es ist unsere Aufgabe, diese Kinder naturverbunden und achtsam für den Klimaschutz zu erziehen: Fahrradfahren ist gut für das Klima und Klimaschutz geht mit Waldschutz Hand in Hand.
Ich gebe beruflich und privat täglich mein Bestes, um dies anderen Menschen vorzuleben.
Jede kleine Veränderung an uns selbst hat Auswirkungen auf die Menschen um uns herum und somit Auswirkungen auf die gesamte Welt.
Ich freue mich über jeden Menschen, der sich für ein möglichst autofreies Leben interessiert und trage liebend gern dazu bei, dieses Denken mehr in die Öffentlichkeit zu tragen.
Ich freue mich auf die kommenden Wochen und werde Euch über Blockbeiträge und Fotos mitnehmen.
Auf dem Foto sehr Ihr das EBike und meinen 4-beinigen Kollegen Manfred (im Hänger), der mich stets zur Arbeit begleitet.

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