STADTRADELN-Star Blog: Peter Laffin


Mit 400 Menschen durch die Stadt radeln

Bild Geschrieben am 23.09.2021 von Peter Laffin
Team: Critical Mass Bonn
Kommune: Bonn

Am vergangenen Wochenende fanden in mehr als 130 Städten Fahrrad-Demonstrationen als "Kidical Mass" statt. Hier fahren Kinder und Erwachsene mit Polizeischutz durch die Stadt und erleben, wie es wäre, wenn man richtig viel Platz zum Fahrradfahren hätte. Mit der Veranstaltung wollen die Teilnehmenden für kinderfreundliche Innenstädte werben udn gleichzeitig Lust aufs Radeln machen.

In Bonn hatten wir schon vor mehreren Monaten mit den Vorbereitungen begonnen. Unterstützt durch das Team in Köln (1000 Dank euch für die Orga!) und inspiriert durch zahlreiche Telkos mit anderen Veranstaltern kamen schnell viele gute Ideen zusammen: abwaschbare Tattoos für die Kids, Urkunden am Ende der Tour, Musik an den Rädern, Luftballons und selbstgebastelte Plakate und einiges mehr. Am Ende waren wir bei bestem Wetter mit gut 400 Radelnden etwas mehr als eine Stunde in Bonn unterwegs und konnten die abwechselungsreiche Route sicher fahren.

Wir sind immer wieder gern bei Fahrrad-Demos dabei. Sie geben einen Vorgeschmack darauf, wie angenehm und entspannt innerstädtische Mobilität eigentlich sein könnte. Bei so vielen Personen, die in einer Gruppe fahren, kommt es kaum zu Zusammenstößen, Staus oder Beschimpfungen. Auf einer Spur, wo sonst nur ein Auto hinter dem anderen fahren könnte, schlängeln sich Radelnde aneinandervorbei, manchmal vier nebeneinander und es bleibt trotzdem sicher. Die radelnde Masse ist insofern flexibler und kann dem Individuum mehr persönliche Freiheit in Sachen Tempo und Fahrbahnnutzung geben. Wenn ich mir 400 Autofahrer in einer langsamen Kolonne vorstelle, wirkt das weniger freundlich und gewiss auch weniger harmonisch.

Das ist ein Hauptgrund, öfters vom Auto aufs Rad umzusteigen: der Umgang untereinander ist harmonischer. Vielleicht liegt es daran, dass man den Gegenüber tatsächlich ins Gesicht schauen kann. Oder auch weil man mit geringerem Tempo als ein Auto unterwegs und somit weniger angespannt ist. Möglicherweise liegt es aber auch an der frischen Luft und körperlichen Bewegung, die so friedlich stimmt.

Ich hoffe sehr, dass wir beim nächsten Stadtradeln noch mehr Teilnehmende erreichen, so dass sich die Infrastruktur in Bonn weiter den Bedürfnissen Radelnder entsprechend anpasst. Mit dem Radentscheid wurde der politische Rahmen beschlossen und die Umsetzung läuft jetzt an.

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Einkaufen per Fahrrad

Bild Geschrieben am 12.09.2021 von Peter Laffin
Team: Critical Mass Bonn
Kommune: Bonn

Viele werden sich fragen, wenn es ums Leben ohne Auto geht, wie man denn überhaupt für eine ganze Familie einkaufen soll. Ich bin schon mit vier Einkaufstüten durch viel zu enge Gassen geradelt. Mir sind die Beutel auch schon unterwegs gerissen, ein Joghurt dank Wildwuchs der Sträucher am Radweg ausgelaufen oder auch einiges vom Gepäckträger gefallen.

Mit ein paar Spanngurten oder abnehmbaren Körben vorn und hinten lässt sich vorausschauend viel Platz auch auf normalen Fahrrädern organisieren. Mit meinem Trekkingrad für die Stadt kann ich im Rucksack, mit zwei Beuteln am Lenker, bzw. in Körben (eher leichtes Zeug rein!) und ggf. dem Stauraum auf dem Gepäckträger auch schon einiges mitbringen. Der bisherige Rekord im Lastenrad liegt allerdings bei zwei Bierkästen und vier Beuteln inklusive Rucksack sowie Windelkarton hinten. Dann aber ohne Kids.

Mit etwas weniger Beladung lassen sich übrigens auch zwei Kinder unterbringen. Im Supermarkt gibt es ja manchmal auch etwas für die beiden, was dann während der Rückfahrt für Ruhe vorn sorgt. Das alles funktioniert sehr gut, bis der Faktor Auto im Straßenverkehr hinzukommt. Bundesstraßen mit aufgemalten Radstreifen sind ebenso zu meiden wie gemischte Rad- und Fußwege. Hier entstehen leider immer wieder Situationen, wo mit soviel Zuladung das Manövrieren echt schwierig wird.

Wenn ich mit dem Lastenrad einkaufen will, muss ich beim Kauf neben der Kindertauglichkeit auch darauf achten, dass ausreichend Zuladung möglich ist (bei uns sind es 100kg). Mit dem restlichen Rad und Fahrer*in kommen da schnell knapp 190kg zusammen. Das zu Manövrieren ist in oben genannten Situationen nicht immer leicht.

In jedem Fall sollte man einen ausreichend starken Elektromotor auswählen, damit man das Schlachtschiff auch gut in Gang bekommt, wenn man z.B. an der Ampel losfährt und einige leistungsstarke Autos hinter einem warten. Entsprechende Beratung gibt es in den Radläden eures Vertrauens.

Mit den richten Wegen, die ich meist abseits der Hauptstraßen finde, bringt das Einkaufen auch viel Spaß mit sich. Wenn wir mit dem Lastenrad voll Einkauf und Kids unterwegs sind, erhalten wir immer wieder ein freundliches Lächeln bei Passanten.

Auch der Baumarkt wurde von unserem Lastenrad bereits öfters besucht. Ob nun mehrere Säcke Erde, Blumen, Spielsand oder auch Bretter und kleine Kommoden: all das passt leicht ins Lastenrad.

Ebenfalls wichtig ist der Innenraum. Hier kann ich Ecken für z.B. Kisten nutzen. Auf der anderen Seite ist er rund. Die Sitzbänke sind bei unserem Babboe City nicht leicht demontierbar. Das stellt aber kein grüßeres Problem dar. Wenn es mal regnet, ist das Dach echt hilfreich beim Einkaufen. Wenn aber mal wieder eine Kommode von 80cm Länge transportiert wird, kommen beide beim nächsten Mal bestimmt raus.

Besonders leicht ist übrigens das Parken beim Einkaufen. Ich finde eigentlich auf jedem Parkplatz eine Lücke für das Rad. Bei den normalen Radständern sollte man aufgrund der Länge des Rades allerdings darauf achten, nicht andere Radler*innen oder Fußgänger zu blockieren. Ich habe übrigens keine Skrupel, auf einem "normalen Parkplatz" meine Lastenkutsche abzustellen. Von der Länge kann ich mit einem Kleinwagen mithalten und im Zweifel haben die benachbarten SUVs endlich mehr Platz zum Aussteigen. In jedem Fall besser, als auf engem Gehweg auch noch das Rad als Behinderung aufzustellen. Und sind wir wieder daheim, fahre ich mit dem Rad durch den Garten bis an die Haustür, was das Ausladen sehr erleichtert.

Alles in allem also ein klares Votum dafür, den Schritt zu wagen. Klar ist das Auto bequemer. Aber in einer Zeit, in der die Städte von zuviel Autos verstopft sind, ist es eine Alternative für viele junge Familien. Glücklicherweise sehe ich immer mehr Lastenräder in der Stadt und hoffe, dass auch bald die Infrastruktur sich entsprechend entwickelt. Deshalb freuen wir uns schon auf die nächste Kidical Mass am 18.9.. Mehr dazu nächstes Mal.

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Urlaub ohne Auto

Bild Geschrieben am 05.09.2021 von Peter Laffin
Team: Critical Mass Bonn
Kommune: Bonn

Aktuell hält mich die Quarantäne der Kids vom ausgebiegen Radeln ab, deshalb mal ein Rückblick auf unseren Urlaub.

Vor ein paar Wochen waren wir zum Familienbesuch in Braunschweig. Als passionierte Lastenrad-Fahrer, die damit gern auch die Kids transportieren, überlegten wir also, wie wir in Braunschweig die vielen unterschiedlichen Familienmitglieder besuchen können. ÖPNV wäre eine Möglichkeit - ein geliehenes Lastenrad aber eine viel verlockendere!

Vom ADFC Braunschweig (DANKE nochmal!) gibt es das Angebot, kostenlos für drei Tage Lastenräder auszuleihen. Insofern waren wir mit "Heinrich dem Lastenlöwen" unterwegs und hatten großen Spaß. Deshalb hier ein paar Tipps für den autofreien Urlaub:

  • Sucht vor Ort nach Leihmöglichkeiten für Lastenräder oder insgesamt Fahrräder für Kids und euch (Händler, gemeinnützige Einrichtungen, direkt durch die Stadt)! Sowohl an der Nordsee als auch in Großstädten gibt es da meist einige Möglichkeiten. Hier lohnt sich das Vergleichen per Telefonat.
  • Sendet Gepäck per Post voraus und später wieder zurück. Das macht die Reise mit der Bahn viel entspannter. So ein Umzugskarton kann schnell mal zwei Koffer ersetzen. Mehr als 20kg solltet ihr allerdings nicht hineinpacken. Dann direkt an die Ferienwohnung, das Hotel oder so liefern lassen und vorher dort anlündigen.
  • Verreist mit Kindern mit der Bahn! Hier können diese laufen, es gibt (meist gutes) WLAN und Medienangebot, die Toilette ist im ICE sauber und mit etwas Planung und vorausschauender Buchung auch günstig. Mindestens 15 MInuten Umsteigezeit sollte man allerdings schon bei der Planung der Reise einberechnen.
  • Orte mit Kurtaxen bieten oftmals die Möglichkeit, vor Ort mit Bus&Bahn kostenlos zu fahren. Bei unserem letzten Aufenthalt im Harz fuhr der Bus halbstündig durch den Ort.

  • Viel Spaß beim Radeln und den Planungen für den nächsten Urlaub!
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