STADTRADELN-Star Blog: Solingen


Woche 3 - Motivation

Bild Geschrieben am 24.09.2021 von Sven Heuermann
Team: Dynamo Radhaus
Kommune: Solingen

Diese Woche kam ich dem Titel der Aktion nach und bin bewusst durch die Stadt geradelt.
Hier ist es genau wie zuletzt berichtet – es ist viel zu wenig Platz für´s Rad!
Viele Straßen sind trotz Markierungen (falls überhaupt vorhanden) zu eng, man fühlt sich durch den Autoverkehr durch die Straßen getrieben. Dass viele Radfahrer:innen, die gerne häufiger unterwegs wären, aus Angst im Straßenverkehr dann doch lieber mit dem Auto fahren, kann ich zumindest nachvollziehen, insbesondere auch bei Schüler:innen und deren Eltern.

Diese Angst würde sicherlich etwas reduziert werden, wenn Tempo 30 Zonen (oder ganze Ortskerne / ? Oder gar autofreie Ortskerne?) stärker ausgebaut würden.
So kann auch ein Blick in Fahrradstadtplan bei der richtigen Wahl der Route helfen (Klingenstadt Solingen - Fahrradstadtplan) ? Dieses Netz könnte auch durch die „Umwidmung“ von kleinen, wenig befahrenen Seiten- oder Nebenstraßen zu einer Fahrradstraße ausgebaut werden, einige erfüllen auch sicherlich die strengen rechtlichen Voraussetzungen. Auch erste Versuche mit Pop-Up-Radwegen zeigen erste Erfolge, ein Ausbau ist wünschenswert, soweit die Bedingungen es zulassen. Jedenfalls sind mehr gekennzeichnete Radfahrflächen wünschenswert.

Auch das Thema Einkaufen mit dem Rad ist für mich inzwischen kein Mythos mehr. Durch den Kinderanhänger ist genug Platz für alle möglichen Waren, auch Getränke sind hier gut zu transportieren. Und für alle, die nicht im Besitz eines solchen Anhängers sind, gibt es auch einfache, sehr preiswerte (und/oder gebrauchte) Lastenanhänger. Die Stadt will auch sukzessive Ausleihstationen für Lastenräder installieren. Einige wenige gibt es bereits, so stellt der ADFC Lastenräder sogar kostenlos am Südpark und die Wohnungsbaugenossenschaft Eigenheim in ihrer Siedlung zur Verfügung.

Mein Fazit des diesjährigen Stadtradelns:
Ein Leben ohne Auto ist durchaus möglich und in vielen Lebensbereichen sogar besser umzusetzen als ursprünglich erwartet. Die (weite?) Fahrt zur Arbeit und das Einkaufen mit dem Rad sind keine Mythen mehr. Ich bin mit den mir verfügbaren Kombinationen der unterschiedlichen Verkehrsmittel bestens ausgestattet, auch wenn es ein wenig mehr Planung erfordert. Natürlich ist das eine sehr subjektive Sicht und es gibt genug andere Bürger:innen, deren Anbindungen nicht so vorteilhaft sind wie meine.

Aber einmal eine ganz ehrliche Frage: fühlen Sie sich eigentlich mit dem Auto im Straßenverkehr noch glücklich? Der ständige Blick auf steigende Benzinpreise? Die ständige Suche nach einem Parkplatz (in Köln z.B. werden immer mehr Parkplätze in Leihstationen umgewandelt)? Kurzstrecken, für die man plötzlich eine halbe Stunde und mehr Zeit benötigt und man ständig vom selben Radfahrer überholt wird? Wieviel Geld stecken wir in unser prestigeträchtiges Auto (Anschaffung, Reparatur, Sprit), obwohl es statistisch gesehen 23 von 24 Stunden nur in der Ecke rumsteht? Macht das noch Spaß?
Ich bin selbst immer gerne Auto gefahren, aber mittlerweile fahre ich auch wirklich gerne mit dem Umweltverbund. Und gehe auch immer lieber einfach zu Fuß – natürlich in Abhängigkeit von der Strecke. Bereits heute zeigen Untersuchungen in deutschen Großstädten, dass bis zu 60 % der Autofahrten eine Strecke von weniger als 5 Kilometer Länge zurücklegen. Sie liegen damit in einem Entfernungsbereich, in dem das Fahrrad das schnellste Verkehrsmittel ist.

Vielleicht sind beides, die Probleme des Radverkehrs als auch die des motorisierten Individualverkehrs (MIV) aktuell die unbequeme Phase einer beginnenden Verkehrswende, durch die wir nun einfach durchmüssen, bevor es dann endlich besser wird.

Denn bei Einem sind wir uns hoffentlich alle einig: so wie bisher kann es nicht weitergehen – weder in Bezug auf die verstopften Straßen noch auf den Klimawandel. Also lassen Sie uns dieses Thema gemeinsam angehen und diesen Wandel aktiv vorantreiben!

Machen Sie den Verkehr zum Genuss für (fast) allen Sinne: frische, sauberer Luft in der Nase, tolle Landschaften, Vogelgezwitscher und den Fahrtwind auf der Haut.

Viel Spaß beim Genießen!

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Lastenrad im Alltag und Ausleihemöglichkeiten

Geschrieben am 24.09.2021 von Christian Hoppe-Löhndorf
Team: Dynamo Radhaus
Kommune: Solingen

Seit etwas mehr als einem Jahr habe ich ein Lastenrad und es gibt kaum noch Dinge ich nicht transportieren kann. Bei den beigefügten Bildern sieht man eine meiner typischen Besorgungsfahrten. Zunächst geht es an einem Altpapiercontainer vorbei, anschließend zum Kindergarten den Sohnemann abholen, dann mit ihm zum Obst und Gemüsehändler und zum Schluss noch zum Getränkemarkt. Alles in allem kommen dann knapp 10 KM zusammen welche sich aber recht entspannt fahren lassen. Auch die normalen Wocheneinkäufe lassen sich hiermit problemlos realisieren ohne das man sich Gedanken machen muss – bekomme ich alles nach Hause transportiert!? Ich kann eigentlich allen nur empfehlen mal ein Lastenrad zu testen und die neuen Möglichkeiten zu entdecken.

Die Firma sigo hat in Solingen an der Friedenstraße 124 einen Standort eröffnet an dem die kostenpflichtigen Lastenräder ausgeliehen werden können (1.50€ für die Ausleihe und 1€ je angefangene Stunde).
https://sigo.green/

Ein kostengünstigere Alternative wäre Fienchen in Wuppertal. Fienchen ist ein gemeinsames Projekt von IG Fahrradstadt Wuppertal, Talradler.de und UtopiastadtRad. Hier kann man sich aus einer großen Auswahl an unterschiedlichsten Lastenrädern ein für sich geeignetes Rad ausleihen. Die Ausleihe an sich ist kostenlos. Da aber auch hier ab und Reparaturen anfallen, die natürlich auch finanziert werden müssen, freuen sich die Organisatoren über eine freiwillige Geldspende in beliebiger Höhe. Bis zu maximal drei Tagen am Stück dürfen die Räder hier geliehen werden.
https://fienchen-wuppertal.de/

Also, testen und überraschen lassen ; )

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Woche 2 - Erdung

Geschrieben am 23.09.2021 von Sven Heuermann
Team: Dynamo Radhaus
Kommune: Solingen

Die zweite Woche ist durch eine hohe Termindichte geprägt, so dass ich das Rad in erster Linie nur mit Unterstützung der Öffentlichen Verkehrsmittel nutzen kann. Also erstelle ich mir meinen eigenen Verkehrsmittelmix. Laut der letzten Erhebung nutzen in Solingen nur 15 Prozent aller Verkehrsteilnehmer:innen die öffentlichen Verkehrsmittel, warum eigentlich? Insbesondere, weil dem ÖPNV eine zentrale Rolle für die Mobilitätswende zukommt.

Einen Grund hierfür lerne ich schnell kennen: das Ticket für eine Fahrrad-Mitnahme kostet fast mehr als mein eigentliches! Dafür habe ich dann auch noch kaum Platz für mein Bike. Glücklicherweise bin ich nicht zu den Stoßzeiten unterwegs, ansonsten wäre dieser mit Sicherheit auch noch hart umkämpft. Die Fahrradmitnahme im Bus hatte ich nach einem ersten Versuch sofort wieder aufgegeben, im Wettbewerb mit Kinderwagen kann man als Radfahrer nur verlieren.

Ein weiterer Grund sind sicherlich auch die Anbindungen: auf der Hinfahrt erreiche ich soeben den Anschluss – Pünktlichkeit vorausgesetzt! Das gleicht sich dann wieder bei der Rücktour aus, hier darf ich dafür 15 Minuten warten. Umsteigen macht den ÖPNV leider etwas weniger spannend. Zugegeben: mit dem Auto im Stau stehen ist auch nicht besser….

Der Ausbau des ÖPNV als zentrales Verkehrsmittel ist eine Grundvoraussetzung für die Verkehrswende in Solingen. Doch das muss auch attraktiv gestaltet werden. So können - im Kampf um Platz in Bus und Zug und gegen hohe Ticketpreise- Mobilstationen eine Lösung sein. Sollte hier dann auch noch ein Sharing-Angebot verfügbar sein, können Reisende auch unabhängig von Anschlusszeiten das Verkehrsmittel ihrer Wahl buchen. Sharing is caring, Teilen statt Besitzen! Aber auch hier arbeitet die Stadt Solingen dran.

Alles ist ein Prozess, auch die Verkehrswende. Insbesondere Änderungsprozesse brauchen Zeit. Leider haben wir davon in Anbetracht des Klimawandels eigentlich gar keine mehr.

Und solange ein Verkehrsticket immer noch teurer ist als ein Parkplatz in der Innenstadt, wird sich das auch sicherlich nur langsam ändern….

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Kidical Mass Wuppertal

Geschrieben am 21.09.2021 von Christian Hoppe-Löhndorf
Team: Dynamo Radhaus
Kommune: Solingen

Damit sich Kinder auf ihren Fahrrädern im Straßenverkehr sicher bewegen können und um auf die alternative Mobilitätsform aufmerksam zu machen, startete am vergangen Sonntag die 2. Auflage der Kidical Mass in Wuppertal. Die Initiatoren, unter anderem der Verein Fahrradstadt Wuppertal und der ADFC Wuppertal / Solingen, riefen alle Kinder, Jugendliche und Familien dazu auf, an einer gemeinsamen Radtour entlang der Talachse (B7) bis hin zu einem großen Spielplatz am Gutenbergplatz teilzunehmen. Die Streckenführung und Geschwindigkeit war speziell an die Kinder angepasst, so dass auch die kleinsten Teilnehmer*innen mit ihren Tretrollern, Laufrädern oder Fahrrädern mühelos mitfahren konnten.
Dem Aufruf folgten bei sehr angenehmen trockenem Wetter rund 300 Radfahrinnen und Radfahrer aller Altersgruppen. Anhand des großen Erfolgs der Veranstaltung sollte nun seitens der Kommunalpolitik über die Haltung zu verkehrspolitische Themen nachgedacht werde – denn auch Kinder haben das Recht, sich in der Stadt sicher fortbewegen zu dürfen! Wenn sie sich schon jetzt mit ihren Rädern in einem sicheren Umfeld bewegen können, mindert dieses auch unmittelbar den individuellen Kraftverkehr!

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Woche 1 - Aktivierung

Bild Geschrieben am 13.09.2021 von Sven Heuermann
Team: Dynamo Radhaus
Kommune: Solingen

Nach meiner ersten Tour zu „Leben braucht Vielfalt“ im Walder Stadtpark bin ich positiv überrascht: abgesehen davon, dass der Muskelkater nur sehr gering ausfiel, ist mir die Route trotz fehlender Fitness recht leichtgefallen. Zwar steht mir morgens früh mein persönlicher Schweinehund im Weg, dafür genieße ich jedoch schon nach kurzer Zeit die angenehme Stille auf den Nebenrouten und in der Natur.

So auch auf meiner ersten Tour zur Arbeit von Langenfeld zum Rathaus Solingen:
Die „normale“, kürzeste und schnellste Route hätte mich an vielen Bundes- und vielbefahrenen Landstraßen entlanggeführt. Abgesehen davon, dass diese Route nicht besonders attraktiv gewesen wäre, das Gefühl von Sicherheit wäre bei dem Verkehr ebenfalls „auf der Strecke geblieben“, und somit auch die Freude am Radfahren. Allerdings hat mir eine App eine wirklich sehr schöne Strecke ausgesucht. Und so war ich absolut überwältigt, dass ich bis auf wenige Ausnahmen die gesamte Strecke nur auf Wald- und Feldwegen unterwegs war. Erst 1,5km vor Ankunft am Rathaus war so etwas wie engere Besiedelung zu registrieren. So macht das Spaß!!  Zugegeben: Voraussetzung hierfür ist ein gewisses Maß an Geländetauglichkeit. Aber es ist absolut idyllisch, früh morgens durch den Wald zu fahren. So eine tolle Atmosphäre und so viel Schönheit, wie auf dem Foto zu sehen ist, sieht man im Bus und Auto nicht. Auch die Achtsamkeit für Details des Umfeldes und der Natur ist viel weiter und zentrierter. Ein Graureiher, der an einem kleinen Bachlauf auf sein Frühstück lauert, wäre mir so nie aufgefallen. Leider stand er nur wenige Augenblicke später nicht mehr für ein Foto zur Verfügung.
Es sind auch nach wie vor die Auswirkungen des Hochwassers auf den Wald- und Feldwegen zu sehen. Einige plötzlich auftauchende Spurrillen auf abschüssiger Strecke haben mich nicht nur einmal in Bedrängnis gebracht. Diese Folgen des Klimawandels erinnern mich aber daran, wie wichtig es ist, noch häufiger auf das Rad umzusteigen. Und: ich muss mir angewöhnen, endlich einen Helm aufzuziehen….

Im Rathaus angekommen fühle ich mich frisch, sogar ein wenig stolz, wach und bereit für den Tag, leider aber auch verschwitzt. Aktuell gibt es noch keine Möglichkeiten für Mitarbeitende im Rathaus zu duschen, was mit Sicherheit auch ein Hemmnis für viele Arbeitnehmer:innen ist, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren – wer mag schon so den ganzen Tag im Büro sitzen mit vielen Lagen Deo am Leib… Und eine weitere Erkenntnis: ich habe für den Hin- und Rückweg im Schnitt eine Stunde pro Tour benötigt. Das sind gerade einmal 10 Minuten länger als meine sonstige „multimodale“ Anfahrt, also auch kein wirklicher Zeitverlust…

Die heutige Route hat mir nochmal gezeigt, wie entscheidend die richtige Wahl der Tour für die Motivation ist, das Auto stehen zu lassen. Wer mag schon gerne Radeln, wenn man Angst im Straßenverkehr haben muss? Dann doch lieber schöne, grüne Wege…. Insbesondere für mich als Nicht-Solinger ist es auch eine tolle Gelegenheit, die Stadt richtig kennenzulernen. So bin ich ohne es geplant zu haben in dieser Woche bereits an vielen Sehenswürdigkeiten Solingens vorbeigeradelt – „Ach, hier ist das also“….Für alle Menschen, die nach Solingen ziehen: wenn Ihr Eure neue Stadt schnell und gut kennenlernen mögt – fahrt Rad!

Was es mir noch weiter gezeigt hat: nicht hadern, sondern machen!!! Einfach mal ausprobieren! Plane doch einfach mal die SCHÖNSTE (nicht die schnellste oder kürzeste) Route zur Arbeit und probiere sie einfach mal aus. Ist die Route zu lang oder schwierig, kann man auch für Teilstrecken die öffentlichen Verkehrsmittel zu Hilfe nehmen. Auch kann die Anschaffung eines E-Bikes eine Möglichkeit sein. Für beides bieten viele Arbeitgeber, so auch die Stadtverwaltung als Arbeitgeber, verschiedene Optionen an, sei es das preisreduzierte Firmenticket oder das Darlehen für E-Bikes. Es muss auch nicht unbedingt das eigene E-Bike sein, an vielen Bahnhöfen und zentralen Punkten gibt es inzwischen Sharing-Angebote.
Hier kann ich auch jedem nochmal die Fahrradkarte der Stadt Solingen empfehlen.

Machen wir doch eine Challenge daraus: schickt mir Eure schönsten Strecken, die Ihr in Solingen erlebt habt, zu. Im Idealfall bekommen wir so viele Strecken für ein Netzwerk zusammen, die dann mit der Fahrradkarte der Stadt Solingen zu einem digitalen Routenplaner zusammengeführt werden kann?!?! Schickt mir einfach eine Beschreibung der Route oder noch besser die GPX-Datei an klimaschutz sr-encml solingen.de.

Ich freue mich auf Eure Strecken und auf neue Herausforderungen in der kommenden Woche, in der ich bewusst mal die hochfrequentierten Routen ausprobieren werde.

Allen eine erfolg- und kilometerreiche Woche!

Weitere Notiz an mich: Gangschaltung neu einstellen! Selbst Radfahren macht nur Spaß, wenn das Equipment vernünftig funktioniert ;-)….

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