26.05.2021 Wetter macht Packt mit dem Gegenwind und versucht den STADTRADELN Star zu bremsen

==Der Wetterbericht lässt nichts Gutes erahnen== Winterhausen, ein jähes Erwachen hatte ich heute Morgen als ich den Blick auf die Wettervorhersage geworfen habe. Das Wetter und der Wind wollte mir wohl diesmal einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen. Offensichtlich hatte jemand Petrus gepetzt, dass ich mich heute von Winterhausen in Bayern in Richtung Süd-West nach Rheinzabern in Rheinland-Pfalz aufmachen wollte um meinen Cousin einen Besuch abzustatten. ==Der Start der Etappe beginnt im Dauergrau== Genau das hat der Wettergott zum Anlass genommen dem STADTRADELN Star die widrige Seite des Wetters zu zeigen: Schon beim Start war die Sonne nicht mehr zu sehen und die Wolken hingen tief bis über die Berge. Als ich auf der ersten Anhöhe angekommen war, gab es bei den Wolken kein halten mehr und die Tropfen prasselten wie Nadelstiche auf die Straße. Zum Schutz streifte ich mir meine Regenjacke über, die ich dann den ganzen Tag nicht mehr ausgezogen habe. Ein Dauergrau vor mir, neben mir und um mich herum und auf den Höhen des Odenwaldes piff ein orkanartiger Gegenwind mir direkt ins Gesicht als wollte er mir die Absurdität des STADTRADELNS hier und heute beweisen. Ein von Mensch und Motoren unabhängiger Radler, den Wetterkapriolen fast schutzlos ausgeliefert, kurbelt er allein auf weiter Flur auf sich alleine gestellt gegen die widrigen Lauen der Natur. Die Gesamtstrecke von weit über 200 km? Immer wieder mache ich mir Mut und rede mir ein: es kann nur klappen quer durch Baden-Würtemberg über den Rhein bis ins Ziel zu kommen, wenn denn der Wind nur etwas nachlassen wolle. Das motiviert mich die Pedale monoton mit unbändigem Wille weiter zu bewegen. Bleischwer sind sie geworden und das liegt nicht nur an den nassen Socken und Schuhen, nein das liegt vor allem an dem nicht nachlassenden Gegenwind. ==Die Wattzahl passt einfach nicht zum Tempo== Mein Wattmesser zeigt permanent mehr als 220 Watt und trotzdem pendelt die Tachonadel nur um die 25 km/h. Sogar eine E-Bike Radlerin kann mit mir auf einem Abschnitt eines Radweges mithalten. Wundert mich das? Da die zugelassen Höchstgeschwindigkeit bei E-Bikes in Deutschland vorgegeben ist, wird ihr Motor bei 25 km/h elektronisch abgeregelt. Ein Tempo welches mir unter normalen Umständen nur ein müdes Lächeln abringt. Doch an diesem Tag zucken meine Mundwinkel unwillkürlich nach unten, die Gesichtszüge entgleiten mir und ein Lächeln huscht mir schon lange nicht mehr über mein Gesicht. ==im Hinterhalt der Bauarbeiter== Auf der Abfahrt zum Neckar gerate ich in einen Hinterhalt der Bauarbeiter. Ein Bagger und eine Grube versperren mir den Weg. Auf einem kleinen Ziegenpfad trage ich schließlich mein Rad meilenweit durch den knöcheltiefen Morast und umkurve erfolgreich den Bagger. Doch so richtig Fahrt kann ich immer noch nicht aufnehmen, im folgenden Abschnitt durch einen Buchenwald versinken die schmalen Reifen in dem vom Regen aufgeweichten Boden und nur mit Geschick und viel Glück kann ich mich auf meinem Zweirad halten und umfahre dabei die Zweige und Äste, die der Sturm unmittelbar vor mir in den Weg geworfen hat. ==Keine Zeit für Pausen== Abgekämpft und müde erreiche ich in Mosbach die Hälfte der heutigen Etappe, doch für eine Pause bleibt keine Zeit. Ich liege unter der langsamsten Zeit der kalkulierten Marschtabelle und da ich mein Ziel heute noch vor Sonnenuntergang erreichen möchte, entschließe ich mich mein Vesper beim Fahren einzunehmen. Der folgende Streckenabschnitt verändert die Situation nicht zum Guten. Der Wind ist zwar durch die hohen Berge endlich gebrochen, doch die Streckenführung entlang des Neckars setzt die Monotonie des Dauergraus fort. Kein Sonnenstrahl verirrt sich in die tiefen Schluchten, wolkenverhangen sind die waldreichen Berghänge und ohne scheinbares Ende schlängelt sich Kurve um Kurve der Fluss in Richtung Heidelberg vorbei an Hirschhorn, der "Perle des Neckartals", die aber an diesem Tage nichts von ihrer Anziehungskraft besitzt. Kurz vor Neckarsteinach ist es soweit und ich beschließe eine kurzen 3 Minuten Stop um mir ein heißes Getränk an einer Tankstelle zu holen. ==Sturzregen auf der Passhöhe== Wenig später verlasse ich den Neckar und strample weiter, diesmal bergan in Richtung Wiesloch. Über den Bergen haben sich schwere Regenwolken vom Rheintal angestaut und Petrus wartet mit dem Öffnen der Schleusen kurz bevor ich die Passhöhe bei Schatthausen überquere. Es gibt von oben kein Halten mehr: dicke Regentropfen prasseln auf mich nieder und wollen meinen Willen den Berg zu erklimmen und die Tour fortzusetzen brechen. Doch die Regenjacke gibt mir Schutz vor Wind und Wetter und so kann ich auf der Abfahrt endlich Fahrt aufnehmen und werde nur noch vom Feierabendverkehr aufgehalten. ==Der Packt des Wetters mit dem Gegenwind== Nachdem ich wieder aus der Stadt bin, navigiert mich mein Tacho weiter in Richtung Süd-West, genau in die Richtung aus der auch wieder der Wind weht und mir wird klar dass das kein Zufall sein kann. Das Wetter muss einen Pakt mit dem Gegenwind abgeschlossen haben und versucht den STADTRADELN Star zu bremsen. Mir wird klar, dass es keine Alternative zum Weiterkommen als mit dem Zweirad gibt. der STADTRADELN Star darf in den 21 Tagen kein Auto fahren, geschweige denn ein Auto von innen sehen. Trotz der Möglichkeit meine Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr fortzusetzen, widerstehe ich diesem Verlangen und mache das was ich auch schon den ganzen Tag gemacht habe: ich tretet und trete und erreiche nach über 222 km Gegenwind und mit letzter Kraft kurz vor Sonnenuntergang mein Tagesziel in Rheinzabern. ==Fazit== Ich kann mich nicht erinnern einmal eine Etappe mit einer solch perfiden Abstimmung zwischen meinem Ziel und dem Gegenwind gefahren zu sein. Den ganzen Tag lag bläst mir der Wind frech wie Oskar immer von vorne entgegen, auch das permanente Dauergrau, der Nieselregen und die Regenschauer tun ihr übriges um mir diesen Tag noch lange in Erinnerung zu halten. ==Verfolgen sie meine Aktivität auf Relive.cc== https://www.relive.cc/view/vMv8QZp8dNO ==und Strava== https://www.strava.com/activities/5362249300