Mein Resümee nach 3 Wochen Stadtradeln...

Bild Geschrieben am 06.06.2021 von Lutz Beckröge
Team: Klima AG
Kommune: Landkreis Oldenburg

... und 40 Jahren intensiven Radelns mit insgesamt ca. 350.000 Kilometern:

Das Stadtradeln im Team hat, wie in den vergangenen Jahren Spaß gemacht. Leider war es auch in diesem Jahr aufgrund der Pandemie nicht möglich ein wirkliches Gruppenerlebnis-Radfahren zu haben. Für mich gab es wieder ein paar neue und in der Regel landschaftlich sehr schöne Strecken zu entdecken. Erfreulich für mich war auch die große Zahl von über 1.800 Teilnehmer (Vorjahr: 750) aus dem Landkreis. Auf der Haben-Seite des Radelns ist eine Zunahme von Freizeit- und "Berufs"radlern zu verbuchen. Dies ist sicherlich auf der einen Seite der Kontaktreduzierung während der Pandemie geschuldet, anderseits der Entwicklung von eBikes, die jetzt und künftig eine deutliche Zunahme des Radfahrens verzeichnen. Auch ist es sehr schön, dass die Medien sehr positiv über das Radfahren und über verschiedene Initiativen dazu berichten.

Für mich, der gesundheitlich keine Probleme hat und seit vielen Jahren sehr intensiv das Rad als Fortbewegungs-. Transport- und Sportgerät nutzt, war es eigentlich kein Problem diese drei Wochen ohne Auto auszukommen. Aber so ganz ohne Auto geht es eben auf dem Lande dann doch nicht. Wenn ich z.B. an den Transport von Rindenmulch für meine Beete denke - ja, ich weiß... ich könnte es mir auch anliefern lassen. Oder an Nachbarn und Freunde die einen weiteren Anfahrtsweg zu ihrer Arbeitsstelle haben.

Wenn die Menschen künftig mehr auf das Auto verzichten sollen, dann ist das "Stadtradeln" sicherlich eine gute Initiative, Interesse dafür zu wecken. Allerdings wird allein diese Initiative nicht reichen um eine Verkehrswende erfolgreich umzusetzen.

Es gibt rund 60 Millionen PKWs in Deutschland, hierfür werden von Gemeinden, Bundesländern und dem Bund ca. € 500,00 pro Jahr in die Straßeninfrakstruktur investiert. Also rd. 30 Mrd Euro, wobei dieser Wert eher noch sehr niedrig ist, da die Nebenkosten wie z.B. Verwaltung, Schäden (auch gesundheitliche) durch den Autoverkehr usw. noch nicht eingerechnet sind.

Für die Radinfrastruktur werden pro Einwohner (83 Mio.) in Deutschland durchschnittlich 2 bis 5 € ausgegeben. In Summe somit max. rd. 400 Mio. Euro (Pro Einwohner investieren Kopenhagen 35 €, Oslo 70 € und Utrecht 132 € )

Sinnvoll ist es doch gerade auf dem Land, erst einmal die Voraussetzungen für eine zukunftsoriente ÖPNV- und Radwegeinfrastruktur zu schaffen, bevor von den Bürger*innen erwartet wird auf Autofahrten zu verzichten.

Deshalb müssen u.a folgende zukunftsorientierte Radförder- und ÖPNV-Maßnahmen kurzfristig umgesetzt werden:

  • Schnelle Umsetzung des Regionalen Mobilitätskonzeptes ‚Radverkehr‘ vom Kommunalverbund Bremen-Niedersachsen u.a mit Radschnellwegen
  • Innerorts grundsätzlich Tempo 30 (statt der heutigen Regelung grundsätzlich Tempo 50)
  • Trennung von Rad-und Fußwegen, wo das nicht möglich ist: Verlagerung des Radverkehrs auf die Straße
  • dauerhafte Pflege und Instandhaltung der Radwege, ebenso ein funktionierender Winterdienst
  • Erhöhung der Taktfrequenz bei Bus- und Zugverbindungen einfache Mitnahmemöglichkeiten für Räder im ÖPNV sowie verbesserte Fahrradabstellmöglichkeiten an den Haltestellen
  • verstärkter Einsatz von Bürgerbussen bzw. Bürgerautos
  • Car-Sharing-Angebote auch in ländlichen Gemeinden

  • Natürlich sind begleitende Maßnahmen wie z.B. das Stadtradeln unbedingt erforderlich, um das Interesse und die Auseinandersetzung zu den Alternativen zum Autofahren. An dieser Stelle an Kevin Haupt (Projektmanager Klimaschutz) und Manuela Schöne (Klimaschutzmanagerin des Landkreises) herzlichen Dank für die Organisation des Stadtradelns in unserem Landkreis.

    Mein Appell an die Bürger*innen,die handelnden Personen in Verwaltung und Politik: Es muss ein Umdenken stattfinden!

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