Tage 9-15

Geschrieben am 12.06.2021 von Dr. Volker Zywietz
Team: Offenes Team - Ennigerloh
Kommune: Ennigerloh im Kreis Warendorf

Betriebsblind nennt man jemanden, der routinemäßig Dinge tut oder geschehen lässt, ohne darüber nachzudenken oder Änderungen des Verhaltens in Betracht zu ziehen.
Seit ca. 30 Jahren überquere ich auf meinem Weg zur Arbeit den Bürgermeister-Hischmann-Ring von der Oelder Straße kommend in Richtung Bahnhofstraße. Die Ampelschaltung kenne ich mittlerweile auswendig. So weit alles Routine. Was die Routine allerdings stört, sind die regelmäßig wiederkehrenden unschönen Begegnungen zwischen motorisiertem Verkehr und Fußgängern. Die Fußgängerampeln geben 12 bzw.13 Sekunden Zeit, den Hischmannring zu überqueren, während die Ampeln für die Kfz 30 Sekungen grün sind. 12 Sekunden reichen für einen normalgesunden Erwachsenen gerade aus, um bei grün die andere Straßenseite zu erreichen. Schulkinder, ältere Personen mit Gehhilfe oder Rollator, sowie Personen mit Kindern oder Kinderwagen sehen schon im 3. Drittel der Fahrbahnüberquerung die rote Ampel und werden von abbiegenden Autofahrern angehupt. Die Unfälle, die sich bereits ereignet haben sollten den Verkehrsplanern bekannt sein und Anlass geben, hier etwas zu ändern. Diese Kreuzung wird regelmäßig, besonders in den Morgenstunden an Schultagen von Polizeibeamten beobachtet, was sehr zu begrüßen ist. Vielleicht teilt der eine oder andere Beamte meine Beobachtung und weist in seinem Bericht auf die Problematik hin.
Ob das jetzt unbedingt etwas mit Stadtradeln zu tun hatte, mag jeder für sich beurteilen. Für mich war es ein Augenöffner, nicht jahrelang Mängel zu beobachten, ohne darüber zu schreiben.

In der vergangenen Woche gab es natürlich auch wieder Radtouren rund um Ennigerloh und da ist mir an einem Abend wieder etwas klar geworden: Ich befand mich auf dem schönen, neuen Radweg zwischen Beckum und Stromberg, als dieser in Stromberg abrupt endete. Man musste stehenbleiben, die Beckumer Straße an einer Verkehrsinsel überqueren, um auf der anderen Straßenseite weiterfahren zu können. Ich hab mir das ganze noch einmal angeschaut und musste feststellen, dass einige Meter zuvor tatsächlich ein Hinweisschild auf den endenden Radweg aufmerksam machte. Wie konnte ich das übersehen? Als Radfahrer tut man gut daran, die 10-20 Meter Fahrbahn, die vor einem liegen nicht lange aus den Augen zu lassen. Ein Bordstein, ein Schlagloch oder ein Gegenstand auf der Fahrbahen können zu Stürzen führen. Will man die Aufmerksamkeit des Radfahrers für Gefahrenpunkte haben, sollte man die Möglichkeit der Fahrbahnbeschriftung mehr nutzen. Ein Beispiel aus Ennigerloh? Wer mit dem Fahrrad von der Ostenfelder Straße aus den Hischmannring überqueren will, ist orientierungslos, da der gepflasterte Radweg irgendwo verlassen werden muss, aber man weiß nicht genau, wo. Gleichzeitig startet der motorisierte Verkehr häufig mit Rechtsabbiegern, die die Fahrspur des geradeausfahrenden Radfahrers nicht einschätzen können. Hier ist eine eindeutige Fahrspurmarkierung notwendig. (Im RADar gibt es bereits einen Eintrag zu diesem Thema) In anderen Städten sehe ich schon regelmäßig gekennzeichnete Zonen, in denen sich der Radverkehr vor der Haltelinie einer Ampelanlage aufstellen kann.

Ich erinnere mich noch gerne an eine Gelegenheit, bei der wir anlässlich einer internationalen Fachtagung mit unseren amerikanischen Kolleginnen und Kollegen Radtouren in Münster organisierten. Sie kamen aus dem Staunen nicht heraus, als sie sahen, was in Münster für den Radverkehr getan wird. Wir haben also Beispiele für bewährte Lösungen direkt in unserer Nachbarschaft. Die Stadt Münster ist sicher nicht böse, wenn wir Ennigerloher uns an ihren Erfahrungen bereichern.

Starten wir also in die dritte Stadtradeln-Woche und freuen wir uns auf jede Menge schöne und sichere Kilometer bei einem Wetter, das es uns wirklich leicht macht, aufs Auto zu verzichten.

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