So geht "Stadt" heute

Bild Geschrieben am 16.06.2021 von Dr. Birgit Anderegg
Team: Offenes Team - Idstein
Kommune: Idstein

Schade, daß der Artikel der IZ übers Stadtradeln am heutigen 16.6. hervorgehoben hat, welches Team wieviele km geradelt ist.

Darum geht es - in meinem Verständnis der Aktion - maximal nachrangig.

Als Rennradlerin verstehe ich, daß das Storck-Team seinen Ehrgeiz (erfolgreich) darein setzt, möglichst viele Kilometer als Team zu erradeln. Aber das sind Freizeitkilometer als sportliches Team-Event.

Stadtradeln jedoch bedeutet: Strecken, die man ohne große Überlegung ganz selbstverständlich mit dem Pkw oder zumindest nicht mit dem Rad zurücklegt, aufs Zweirad zu bringen. Und zu schauen, wie weit man damit - im Wortsinne - kommt.

Dabei kommen naturgemäß deutlich weniger Kilometer heraus. Dafür aber vielleicht auch eine Änderung der eigenen Einstellung hinsichtlich der (vermeintlichen) Selbstverständlichkeit, das Auto zu nehmen. Und darauf kommt es (mir) an.

Da ich seit August 2020 gar kein Auto mehr besitze (ist zugunsten des Lastenrades abgeschafft worden), erledige ich meine Wiesbaden-Termine normalerweise mit dem ÖPNV. Aber während des Stadtradelns ist es Ehrensache, Termine wie den gestrigen ebenfalls per Zweirad anzusteuern.

Direkter Weg über Niedernhausen - Naurod - Rambach: gerade mal eine Stunde bei schönstem Wetter. Wenn ich das mit der ÖPNV-Zeit inkl. Puffer, womöglicher Verspätungen etc. vergleiche, sind das maximal 15min mehr, die ich radelnd benötigt habe. Dafür war die Laune viel besser.

Denn in Wiesbaden hat sich in den letzten Jahren einiges getan, was die Radinfrastruktur angeht. Das wird super angenommen. Kaum kommt man in die Stadt, ist man auf einmal eine von vielen. Auf allen möglichen Gefährten. Oder zu Fuß. Echter Modalsplit also.

Und an einem Sommertag wie gestern merkt der radelnde Mensch aus Idstein:
"So geht Stadt: Inmitten von entspannten Menschen, die die Zeit draußen genießen anstatt in einer Blechkiste zu sitzen."

Städte wie Hamburg oder Berlin haben das schon lange begriffen und sogar große Einkaufsmeilen wie den altehrwürdigen Jungfernstieg komplett umgestaltet. Autos bleiben seit einiger Zeit draußen - die Lebensfreude steigt, "Sommer in der Stadt" ist jetzt Genuß put.

Städte wie Wiesbaden haben begonnen, nachzuziehen.

Hoffentlich kommt dieses (gar nicht mehr so) neue Selbstverständnis von Stadt als einem Lebensraum für unmotorisierte Menschen statt für parkende, rollende, stauende Blechkisten bald auch in Kleinstädten wie der unseren an.

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