Fazit

Bild Geschrieben am 18.06.2021 von Nicole Wittig
Team: tellermeer_feiermaker
Kommune: Gießen

Nachdem ich letztes Jahr im März notgedrungener Weise mein altes, staubiges und eindeutig verrostetes Stadtrad aus dem Schuppen holte, um den Stadtbussen und der potentiellen Ansteckungsgefahr im ÖPNV durch Corona entfloh und darüber nachdachte, mir ein Auto zu kaufen, hätte ich nie gedacht, dass ich am Ende des Stadtradelns über 1500 km auf meinem Kilometer - Konto stehen haben könnten. Nun ist es Mitte Juni, mehr als ein Jahr später, mein Stadtrad ist zwar immer noch rostig, aber es hat mittlerweile einige Teile ersetzt bekommen. Und es gab Zuwachs - das Radfahren brachte mir immer mehr Spaß, sodass ich mich für ein Gravelbike entschied und mit sehr viel Glück auch eines fand. Die Idee des Autokaufs ist verflogen. Seit Ende Februar 2021 drehe ich meine Runden, am Anfang kleinere, mittlerweile auch ganz Große - und das zudem auch noch als Stadtradeln-Star!

Nun sind drei Wochen Stadtradeln vorbei und ich habe dank des guten Wetters eine Menge erleben können. Außerdem kam ich nicht in die Verlegenheit, ein Auto benutzen zu wollen - oder mich gar danach sehnte, mir eines anzuschaffen. Ich konnte manche meiner Kolleginnen und Kollegen motivieren, einige Kilometer mit dem Fahrrad zu absolvieren. Sei es in der Gruppe des Regierungspräsidium Gießens oder aber für mein Team, das Tellermeer.

Herausforderung Arbeit
Leider war während der gesamten drei Wochen kein Außendienst dringend notwendig, sodass ich die Herausforderung nicht annehmen konnte. Jedoch habe ich mir trotzdem viele Gedanken gemacht, wie ein Außendienst hätte aussehen können, wo die Probleme liegen könnten.
Der Aufwand ist sehr hoch, vor allem, wenn der Außendienst die Stadtgrenzens Gießens verlässt. Ist das Ziel überhaupt mit dem Fahrrad erreichbar? Gibt es Bahnlinien, die man nutzen kann? Welche Buslinien gibt es? Wie weit ist es dann noch mit dem Rad?
Weitergehend besteht natürlich auch die Frage, ob der Außendienst allein stattfindet oder ob es sich um einen Termin handelt. Verschwitzt und wohlmöglich mit Radkleidung zu einem Termin mit anderen Personen erscheinen, das ist eher unangenehm.
Außerdem ist zu klären, ob Unterlagen vor Ort benötigt werden, diese dauerhaft in einem Rucksack dabei zu haben, kann sehr unangenehm für Rücken, Schultern und die Ausdauer sein.
Gesamt betrachtet glaube ich, dass alles innerhalb der Gießener Stadtgrenzen super mit dem Rad erledigt werden kann, aber das, was darüber hinaus geht, wird eher schwierig und vor allem viel zu zeitintensiv.

Erlebnisse der drei Wochen
In den drei Wochen habe ich eine Tour auf den Knoten gemacht, ich war in Wetzlar und Naunheim Eis essen mit einer Kollegin, ich habe den Lahnradweg nach Limburg erkundet, habe Weilburg entdeckt, ich bin von Kassel nach Gießen gefahren, ich war in Marburg, in Grünberg, in Butzbach und an vielen Orten mehr. Ich bin zu Geburtstagskuchen mit dem Rad gefahren und konnte im Anschluss das Solmstal erkunden. Ich kam in der Zeit immer wieder ins Gespräch mit anderen Radelnden - etwas, was man mit dem Auto definitiv nicht erleben kann. Ich habe Ecken entdeckt, an denen man mit dem Auto nur sehr schwierig hinkommt. Allen in allem hat mich die Stadtradeln - Zeit dazu motiviert, noch mehr erleben zu wollen - und vielleicht hat der Ein oder Andere das ja genauso erlebt.

Bei meinen Erlebnissen habe ich viele bekannte aber auch neue Radwege genutzt. Der Radroutenplaner Hessen hat mich immer wieder inspiriert. Unter anderem waren folgende Radwege dabei: Eder-Radweg, Fuldaradweg, Hessischer Fernradweg R2, R4, R6, R7und R8, Kallenbachradweg, Kleebachtalradweg, Lahn-Limes-Radweg, Lahnradweg, Lange-Hessen-Radweg, Lumda-Wieseck-Radweg, Radweg Deutsche Einheit, Salzböderadweg, Schwalm-Radweg, Traumstern-Route, Ulmtalradweg

Erlebnisse mit anderen Verkehrsteilnehmern
Ich glaube, ich habe in den vergangenen drei Wochen fast alles erlebt, was mich hat am Anfang der Stadtradeln-Zeit über Respekt sprechen lassen (die Reihenfolge ist beliebig gewählt und nur nach Kategorie sortiert):
- hupende Autofahrer
- Autofahrer, die abbiegen, ohne auf Radfahrer zu achten
- extrem enges Vorbeifahren (1,50 m wäre wirklich schön)
- Fahrradfahrer, die ohne Schauen einfach irgendwo langfahren
- Fahrradfahrer, die anscheinend nicht wissen, dass rote Ampeln auch für sie gelten
- m.E. viel zu viele Radfahrer ohne Helm
- Fahrradfahrer, die mit Musik auf den Ohren fahren und nichts hören
- Fußgänger, die meinen, der Rad und Fußweg gehört ihnen allein
- pöbelnde Fußgänger, weil man klingelt - oder weil man einfach an ihnen vorbei fährt (mit genug Platz)
- Fußgänger, die einfach Fahrradwege kreuzen, ohne zu schauen
- Scherben auf Radwegen

Schlussendlich werde ich weiterhin alles mit dem Fahrrad erledigen, das einzige, bei dem ich wirklich überlege, die Mitfahrgelegenheit im Auto zu nutzen, das ist das Handballtraining zu später Abendstunde. Ich bin nun zwar mit dem Rad ins Training gefahren, konnte mit einer kleinen Tasche auch alles notwendige einpacken, aber ob ich dabei bleibe, ist aber ehrlich gesagt fraglich. Aber den Rest meines Alltags und auch viele meiner Ausflüge werde ich weiterhin mit dem Rad machen.

Ich hoffe, alle Teilnehmenden hatten genauso viel Spaß am Radeln wie ich und werden in der Zukunft das ein oder andere Mal mehr das Auto stehen lassen.

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