"Frauen sollten weniger Cola trinken..."

Bild Geschrieben am 20.06.2021 von Christine Böckmann
Team: Radeln gegen Rassismus
Kommune: Magdeburg

"... Dann werden sie auch nicht so dick." Das meinte gestern ein anderer Radler zu mir, als ich an der Trogbrücke mit meiner Trinkflasche in der Hand Pause machte.
"Finden Sie mich zu dick?", fragte ich ihn. Da stieg er schnell auf´s Rad und verschwand.

Auf den Kilometern danach am Kanal entlang fielen mir viele solcher Begegnungen ein, was Frau so zu hören bekommt, wenn ich alleine mit dem Fahrrad unterwegs bin.
Und als mir vorhin der Rennradfahrer an der roten Ampel zuraunte "Wennn Sie sich ein ordentliches Trikot anziehen würden, würden Sie auch nicht so schwitzen.", dachte ich, diese Kommentare beim Radfahren könnten auch mal ein Thema hier im Stadtradel-Blog werden.

Häufig hört Mensch mit Fahrrad ja von Autofahrer*innen einen Kommentar, der mehr oder weniger freundlich das Bedürfnis ausdrückt, das Fahrrad möge von der Straße verschwinden. Da beschwert man sich gern, dass das Fahrrad nicht auf dem "Radweg" fährt, der dann meist ein Fußweg oder nicht benutzungspflichtig ist.
Oder es wird darauf hingewiesen, dass ein Fahrrad dem Auto Platz zu machen hat. (Dies passiert aus meiner Sicht öfter, wenn ich mit Abstand zu parkenden Autos jenseits der Dooring-Zone fahre.)
Das sind Kommentare, die wohl viele Menschen kennen, die mit dem Fahrrad in der Stadt fahren.

Dann gibt es da noch das "Mansplaining" - Männer, die Frau mit Fahrrad die Welt erklären. Wie z.B. der Rennradfahrer heute morgen, der nicht mehr von mir sah, als eine Frau, die ein T-Shirt anhat und in der Morgensonne Fahrrad fährt.
Ein schönes Beispiel für Mansplaining hatte ich diese Woche von einem mir entgegenkommenden Radfahrer: "Sie haben Gegenwind." Gut, dass der mir das erklärt hat, ich hatte mich schon gefragt, warum das so anstrengend war und der Wind von vorne kam...
Eine gute Quelle für Mansplaning (und die eigene Übung in Schlagfertigkeit) ist es auch, Mann mit E-Bike zu überholen (ganz besonders perfide: dies mit einem schnellen Start an der Ampel mit dem Faltrad zu tun). Meistens höre ich es dann, wie hinter mir die Schaltung klickt. Und wenn sie dann wieder überholen, kommt garantiert ein mehr oder weniger intelligenter Spruch à la "Sie sollten sich ein Ebike kaufen", "Na, schon aus der Puste?", "Mit dem Rad kommen Sie auch nicht weit."

Ich komme gerne mit fremden Menschen ins Gespräch und mit dem Fahrrad unterwegs zu sein bietet dafür zahlreiche Gelegenheiten.
Doch ich finde, zum Smalltalk gehört auch Respekt gegenüber den anderen. Es ist doch egal, was für ein Fahrrad der andere Mensch fährt, was Mensch dabei anhat oder trinkt, solange es ihm gefällt und er damit niemand anderes gefährdet.
Radeln und radeln lassen.

Ich hätte dem Herrn gestern an der Trogbrücke auch gerne erzählt, dass ich beim Radfahren an heißen Tagen sehr gerne abgekühlten Minztee trinke.

Teilen: Facebook | Twitter