Ein schweißtreibender Sonntag mit Erinnerungen

Bild Geschrieben am 21.06.2021 von Richard Hackländer
Team: Christen mit Schwung
Kommune: Kaiserslautern

Meine Mutter hat mir mit ihrer Einladung nach Mannheim einen Floh ins Ohr gesetzt. Der freie Sonntag ist der einzig mögliche Termin, am Wochenende danach stehen Bezirkssynode und zwei Jubelkonfirmationen an. Also nehme ich den Hörer in die Hand und melde mich zum Mittagessen an. Die Wetter-Nachrichten bringen mich dann doch ins Nachdenken. Die ganze Woche war es heiß und trocken, doch für den Sonntag sind 60% Regenwahrscheinlichkeit angekündigt.
Als Jugendlicher habe ich mit dem Radwandern angefangen. Es hat mir Spaß bereitet, mit großem Gepäck tage- oder wochenlang quer durch Deutschland radeln. Inzwischen komme ich kaum mehr dazu, nehme aber in den Urlaub das Fahrrad mit, um Land und Leute vom Sattel aus kennenzulernen. Die Zeiten haben sich geändert: Früher habe ich mit einem Textmarker die beabsichtigte Streckenführung auf Karten im Maßstab 1:150.000 eingezeichnet. Einige Stadtradler haben mir nun ein Navi fürs Radeln empfohlen. Damit will ich die Tour bewältigen. Die App., frisch auf dem Smartphone installiert, hat in Nullkommanichts die Tour geplant und führt mich über Frankenstein, Bad Dürkheim, Maxdorf und Ludwigshafen zum Stadtteil Lindenhof in Mannheim.
Bis Frankenstein kenne ich die Strecke, nachdem ich dort letztes Jahr ein Taufgespräch hatte. Zwischen Hochspeyer und Frankenstein führt ein Fahrradweg mit glattem Asphalt an der Straße entlang und ich bin flott unterwegs. Das unangenehmste Teilstück kommt dann, denn ich muss auf der B37 hochfahren zum Ruheforst. Viele lassen ihre Verstorbenen inzwischen im Grünen unter einem Baum beisetzen und genießen den Wald, wenn sie zur Grabstätte gehen. Ich kenne aber auch Gemeindeglieder, die nicht mehr so mobil sind und zu ihrem Leidwesen den Weg zum Grab nicht mehr schaffen. Gut, dass es hier immerhin einen Bus gibt, der zum Parkplatz auf 347 m über NN fährt.
Die Abfahrt macht Spaß, ab dem Isenachweiher begleitet wieder ein Radweg die Strecke. In der Vorderpfalz treffe ich vermehrt auf Radelnde. Alles ist topfeben, asphaltierte Wirtschaftswege führen abseits der Straßen über Wiesen und Felder – kein Wunder, dass hier das Radfahren für viele zum Alltag gehört. Seit Frankenstein begleitet mich das Geläut der Glocken, die zum Gottesdienst oder zum Vaterunser einladen. Ausnahmsweise radle ich weiter. In Ludwigshafen holen mich bei der Musikschule die Erinnerungen ein. Zweimal in der Woche fuhr ich mit dem Rad die 10 km vom nördlichsten Stadtteil Pfingstweide in die Innenstadt, um in der Musikschule Oboe zu spielen. Und auf der anderen Rheinseite komme ich an der JH Mannheim vorbei, wohin ich früher radelte, damit mein blauer Jugendherbergsausweis um ein weiteres Jahr verlängert wurde.
Überrascht stelle ich um 11 Uhr fest, dass ich schon am Ziel bin. Frischgeduscht und mit Ersatzklamotten genießen meine Mutter und ich auf dem Balkon Spargel mit Schinken und Salzkartoffeln. Wir lassen uns Zeit und trinken später noch einen Tee zu leckeren Muffins, bevor ich mich wieder auf den Rückweg mache. Das Wetter ist trocken, und so verzichte ich auf die Schlechtwetter-Option Zug. Eigentlich wollte ich mir auf den Rückweg ja Zeit nehmen, um für den „Artenfinder Rheinland-Pfalz“ Naturbeobachtungen am Wegesrand zu dokumentieren, aber für den Abend sind Gewitter gemeldet. Nur eine Rast am Herzogweiher unterhalb der Klosterruine Limburg gönne ich mir und fotografiere dort Graureiher, Kormoran und diverse Libellen.
Der Pfälzerwald umfängt mich mit frischer Luft und angenehmer Kühle. Ab Frankenstein gibt es vereinzelt Regentropfen, die aber an solch einem heißen Tag dankbar begrüßt werden. Ich komme nach 123 km wieder zu Hause in Kaiserslautern an und werde mit großem Hallo begrüßt. Eigentlich müsste ich noch im Garten die Blumen gießen, aber kurze Zeit später nimmt mir der einsetzende Regen diese Arbeit ab. Ich danke Gott für diesen schönen Sonntag!

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