Eine Familie ohne Auto - Woche 1

Bild Geschrieben am 22.06.2021 von Barbara Helmers
Team: Grüne Maisach & Freunde
Kommune: Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck

Als ich gefragt wurde, ob ich Stadtradelstar sein möchte, hab ich ohne lang zu überlegen ja gesagt.

Mir war schon klar, dass der Weg zur Arbeit eigentlich ein klein wenig zu weit ist um mit dem Rad zu pendeln, aber ich wollte mich unbedingt auf dieses Experiment einlassen.

Und wie es fast immer ist: Es kommen andere Erkenntnisse heraus, als man denkt.

Die Kondition
war sehr schnell wieder besser. Hinter Eresing ist ein fieser, langer Anstieg. Beim ersten Mal klang ich noch nach Hogwarts-Express, aber nach dem dritten Mal geht es schon ganz gut. Vielleicht so wie Berliner S-Bahn ungefähr.

Das Arbeiten
nach 46 km Radeln geht entgegen meiner bisherigen Vorstellung, danach völlig hinüber zu sein, sehr gut - wenn nicht
gar besser. Wach, konzentriert, Kopf frei, keinen Stress im Straßenverkehr im Hinterkopf -sondern lauter schöne Dinge gesehen: Hasen, Zugspitze, Blumenwiesen, Wald.

Früh aufstehen
Ist nicht mein Ding, schon gar nicht um 5 Uhr. Der Trick ist: Früher Schlafen. Das wird jedoch nicht immer funktionieren, Stichwort Gemeinderatssitzung.

Zeit
Damit zu einem Problem: der Zeit. Davon habe ich, wie viele, immer zu wenig. Da erscheint die Zeit, die man länger braucht wenn man radelt, als Nachteil. Ich stelle fest: mitnichten. Denn jetzt ist der Weg zur Arbeit gleichzeitig Sport, Zeit zum Nachdenken, Entspannung und Ausflug. Wenn ich abends heimkomme, ist das schon alles erledigt.

Alternativen
brauchte ich doch, denn bei Gewitteransage mag ich nicht Radeln. Also Zug gefahren. Das dauert tatsächlich länger, als mit dem Auto, aber ich konnte endlich mal richtig schön Zeitung lesen.

Die Familie
macht auch mit. Wir haben "nur" ein Auto und sehen das Ganze auch als Testlauf, ob es nicht wirklich auch ganz ohne eigenes Auto geht. Bisher gab es keinerlei Probleme. Alles war mit Bus oder Bahn zu machen und zur Bandprobe mit schwerem Instrument könnte es mit dem Carsharing Auto gehen.

Einkaufen
machen wir schon länger mit dem Lastenrad, jetzt jedoch konsequent immer. Überhaupt, der Knackpunkt ist, nicht lang zu überlegen: Auto oder nicht? Denn da gewinnt oft der innere Schweinehund und der behauptet, es ginge schneller, es sei schon spät, man könne ja morgen usw. Das ist das Beste am Stadtradeln: diese Diskussionen mit Herrn Schweinehund entfallen einfach. Kein Auto, Punkt.

Fazit
der ersten Woche ist: ich bin total begeistert. Ich bin 300 km in einer Woche gefahren, es hat riesigen Spaß gemacht, mancher Kilometer war auch eine Quälerei (hinter Eresing...) - aber danach ging es weiter.

Ich freue mich sehr auf die nächste Woche!

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