Bielefeld mit dem Rad ERFAHREN (Abschlußbericht als Stadtradel Star)

Geschrieben am 24.06.2021 von Stefan Mielke
Team: Fahrräder bewegen Bielefeld
Kommune: Bielefeld

Fahrräder bewegen Bielefeld e.V., Stefan Mielke, Schillerstr. 73a, 33609 Bielefeld

Liebe Freundinnen und Freunde des Stadtradelns,

drei Wochen als Stadtradel-Star der Stadt Bielefeld sind für mich vorbei. Vorweg: Es waren in der Retroperspektive drei tolle Wochen und es war tatsächlich alles ohne Auto möglich, wenn gleich ich mir ab und an mein Auto gewünscht hätte.

Dies betraf zum Beispiel das Einkaufen:

Wir wohnen in der Hanglage in der Sieker Schweiz. Einkäufe mit dem normalen Fahrrad zu transportieren, ist sicherlich möglich, aber erfordert einige Zugeständnisse an die Einkaufsmenge und Gebindegröße. Positiv ist, dass es in Bielefeld mittlerweile viele Möglichkeiten wie die Sattelbar oder Transiston Town gibt, wo man sich Lastenräder leihen kann. Wir haben in der Zeit konkret darüber diskutiert, ob wir uns selbst ein Lastenrad zulegen möchten. Der Preis ist natürlich ambitioniert und der Trageweg in den Keller von unserem Haus aus den 1960er Jahre durchaus anspruchsvoll – hier gibt es jedoch gute Möglichkeiten mit verkürzten Lastenräder wie zum Beispiel dem Tern oder dem i.S.Y..


Anbei ein Kontakt für Interessierte, die ein solches Rad testen oder leihen möchten https://awo-bielefeld.social/s/sattelbar/space/space/home (((Kontakt schwierig, soll aufs Viertel beschränkt sein)))

Um diese Transportmöglichkeit in Bielefeld dauerhaft noch interessanter zu gestalten, sind noch einige Investitionen in Fahrradwege (vor allem ohne eine übermäßige Anzahl von Schlaglöchern) und sichere Fahrradabstellmöglichkeiten notwendig. Eine staatliche Förderung dieser teuren Räder wäre– analog E-Autos – insbesondere für Familien sinnvoll.


Fahrten zur Arbeit:

16 Kilometer Arbeitsweg und 400 Höhenmeter pro Weg sind machbar. Der Zeitmehraufwand gegenüber dem Auto mit ca. 20 Minuten bei der Nutzung des E-Bikes und 35 Minuten mit dem herkömmlichen Fahrrad pro Weg sind akzeptabel. Meinem Fitnesszustand hat dies auf jeden Fall sehr gut getan und auch meine angesammelten Corona-Pfunde wurden abgebaut.


„Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muss sich vorwärtsbewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.“.

Albert Einstein am 5. Februar 1930 in einem Brief an seinen Sohn Eduard.


Qualität der Straßen:

Der Rütli stellt auf jeden Fall eine Herausforderung dar. Die Straße ist an vielen Stellen – auch an den Banketten – äußerst stark beschädigt. Die Fahrt auf der Straße erfordert viel Toleranz von allen Beteiligten. Der parallel laufende Wanderweg ist bei der Auffahrt sehr anstrengend und auch nur bei trockenem Wetter eine Möglichkeit. Die Abfahrt nach Lämershagen und die anschließende Auffahrt nach Oerlinghausen entschädigen für die Mühen mehr als genug und mitunter kommt durchaus ein Urlaubsgefühl auf.

Natürlich gibt es die Alternative über den Lipper Hellweg. Dort wäre ein stringenter Fahrradweg angenehmer als der Wechsel zwischen Parkraum für PKWs und Streifen für die Fahrradfahrer.

Für Fahrten nach Brackwede stellt die Steigung der Bodelschwinghstr. bis zur Habichtshöhe und der fehlende Fahrradweg eine Erschwernis dar.

Der Weg aus den südlichen Stadtteilen wie Sennestadt, Senne, Windelsbleiche und Brackwede zur Stadtmitte ist – trotz des großen Umwegs – am besten über die Artur-Ladebeck-Str. möglich. Dieser Weg hat aufgrund seiner günstigen geografischen Lage dazu beigetragen, dass die Stadt im Mittelalter durch die Handelsroute entstehen konnte und bietet sich deshalb für Fahrradfahrer an.

Bezüglich der Infrastruktur für Fahrradfahrer über den Teutoburger Wald besteht eindeutig Nachholbedarf. Hierauf machte auch der Radentscheid am 19. Juni aufmerksam: https://radentscheid-bielefeld.de/grund-zum-feiern

Bei meinen Fahrten durch das Stadtgebiet fielen mir durchaus die Bemühungen der Stadt auf, Alternativen zum motorisierten Individualverkehr zu entwickeln. Ich freue mich auf die geplante Umsetzung des einen oder anderen Lückenschlusses und auf den weiteren Ausbau des Radwegesystems. Ebenso spannend wie auch zielführend sehe ich die zunehmenden Möglichkeiten und Planungen für ein Nutzungssystem der verschiedenen Verkehrsmittel. Eine tolle Alternative der mixed mobility ist sicherlich dadurch gegeben, dass man mittlerweile im ÖPNV Falträder kostenfrei mitnehmen darf.

Erlebnisse:

Die drei Wochen haben mir sehr viel Spaß gemacht und mir das Vertrauen gegeben, dass man auch ohne Auto gut zurechtkommen kann. Der Arbeitsweg über die Bielefelder Berge, Oerlinghausen nach Stukenbrock ist einfach fantastisch und hat hohen Erholungswert.

Besondere Erlebnisse waren meine Termine in Osnabrück zur Laufstilanalyse und zu der Vorstellung von Peter Lohmeyer, der gemeinsam mit dem Syndikat Gold für gute Unterhaltung im Kloster Dalheim sorgte.


Für die Fahrt nach Osnabrück konnte ich den gutausgebauten Fahrradweg in Brackwede nutzen und dann in die Bahn nach Osnabrück problemlos umsteigen. Die Fahrradfahrt von Osnabrück zurück nach Bielefeld war landschaftlich einfach traumhaft und zeigt auch den hohen Freizeitwert der Region.


Auch die Fahrt nach Dalheim führte über ein gut ausgebautes Fahrradwegsystem aus Teuto-Senne-Radweg, Almeradweg und den Alfteradweg nach Bad Wünnenberg. Das Hotel Tannenhof in Bad Wünnenberg ist sehr gut auf meine Bedürfnisse als Fahrradfahrer eingegangen und wir werden es bestimmt noch einmal besuchen. Ebenso konnte mich auch das Serviceangebot des LWL-Landesmuseums Kloster Dalheim überzeugen.

Ein erfreulicher Nebenaspekt war die Teilnahme an der Aktion „Bie a Hero“ der Stadtwerke Bielefeld. In der dreiwöchigen Phase des Stadtradelns konnte ich durch Nutzung des Fahrrades und durch Hinweise aus der App zur CO2 Vermeidung insgesamt 2.797 kg CO2 sparen und damit nach den Wettbewerbsbedingungen 13 Bäume pflanzen.


Fazit:

Ich habe in den drei Wochen viel über mich und die Umwelt gelernt. In Zukunft werde ich noch mehr darauf achten, wie ich mit meiner Umwelt umgehe und auch, wie ich das Fahrrad oder den ÖPNV als Alternative nutzen kann.

Mit fahrradfreundlichen Grüßen

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