Vom Faltradeln

Bild Geschrieben am 25.06.2021 von Christine Böckmann
Team: Radeln gegen Rassismus
Kommune: Magdeburg

In den ersten Tagen dieses Stadtradelns bin ich rund 120km mit dem Faltrad gefahren, meinem geliebten und geschätzten Zweitrad. Warum Faltrad?

Was offensichtlich ist: Eine Faltrad lässt sich relativ klein zusammenfalten und kann daher ohne Fahrradkarte in Zügen und Bussen mitgenommen werden. (Laut Beförderungsbedingungen braucht man oft eine Hülle dafür, aber die meisten Verkehrsbetriebe sind kulant, solange man auf Inventar und fremde Personen und Gepäckstücke achtet. Aber für den Fall der Fälle sollte eine Hülle dabei sein.) Es ist dadurch ideal für die Kombination von Zug und Fahrrad. Auch wenn sich z.B. am Tag der ADFC-Sternfahrt nach Berlin im RE1 die Fahrräder stapeln, falte ich meines einfach zusammen und finde immer noch einen Platz.

Das Faltrad ist sehr wendig. Durch die kleinen Räder und den kürzeren Radstand ist es wendiger als viele andere Fahrräder. Das ist im engen Stadtverkehr oder auf stark frequentierten gemeinsamen Fuß- und Radwegen sehr praktisch.

Das Faltrad ist schneller als viele denken. Denn auch mit kleinen Rädern kann man schnell fahren, auch ohne irrsinnig hohe Trittfrequenzen. Eine ordentliche Schaltung und Übersetzung machen es möglich.
Die Geschwindigkeit des Faltrades überrascht oft andere Verkehrsteilnehmer*innen - was allerdings dazu führt, dass es eine besondere Freude ist, damit andere Radler*innen zu überholen oder sich bei der Berliner Sternfahrt auf der AVUS auf die Überholspur zu begeben und mit manchen Rennrädern mitzuhalten :-)

Man kann mit dem Faltrad auch längere Strecken fahren. Ich mache mit meinem auch längere Tagestouren oder auch mal Mehrtagestouren. Etwas mehr nachdenken muss man vorher über den Gepäcktransport, aber Mensch ist erfinderisch und Menschen mit Faltrad teilen ihre Tipps gerne im Internet.

Es gibt leider auch Nachteile beim Faltradeln:
Man wird gerne unterschätzt (vermutlich weil das Faltrad schneller ist als vermutet).
Aufgrund der kleinen Reifengröße merkt man stärker Schlaglöcher, Kanten, Kopfsteinpflaster etc. Das braucht bei der Eingewöhnung ein Umdenken. Gleichzeitig steigert es den Respekt gegenüber Kindern, die ja auch mit kleinen Reifengrößen (und dazu noch kurzen Beinen) unterwegs sind.
Leider haben auch Fahrraddiebe die wunderbare Technik von Falträdern schätzen gelernt und es gibt leider immer wieder Orte, wo man das Faltrad trotz Hülle und kleinem Packmaß doch nicht mit reinnehmen darf. (Warum eigentlich?) Darum ist meine Standardantwort auf die Frage "Was wiegt das Faltrad?" - "Ohne Schloss rund zwei Kilo weniger."

Und noch eine oft gestellte Frage: Kann man mit dem Faltrad auch Steigungen fahren? Diese Frage beantwortet dieser Herr ganz gut: https://www.brompton.com/news/posts/2020/the-commuter-georges-bore

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