Finale: Expedition zum Urwald von Unseburg

Bild Geschrieben am 27.06.2021 von Christine Böckmann
Team: Radeln gegen Rassismus
Kommune: Magdeburg

Es sollte ein fulminantes Finale meines Stadtradelns werden: Die Drei-Flüsse-Tour umgekehrt und dann noch ein unbekanntes Stück weiter bis zur nächsten Bahnstrecke. Am Ende wurde es eine Tour, die das "Fahrradland Sachsen-Anhalt" noch mal gut zusammenfasste.

Start Richtung Süden auf dem "Elberadweg alternativ". Noch nicht aus der Stadt raus, da hatten die Unterschenkel schon den ersten Kontakt zum Brennnesselbegleitgrün. In Schönebeck verließen mich zum ersten Mal die Schilder, aber zum Glück kenne ich mich aus. In Barby biege ich ab auf den Saaleradweg, doch von der Saale sehe ich erst einmal nichts, weil eine Umleitungsstrecke auf die Landstraße Richtung Calbe führt. Calbe hat die schöne Schiebestrecke zur Brücke rauf auf dem Foto zu bieten.

In Nienburg verlasse ich die Saale und zweige auf den Boderadweg ab. Der geizt noch mehr mir Aussschilderung. Ortskerne voller Kopfsteinpflaster, fehlende oder verpasste Schilder lassen mich mehr Landstraßen fahren, als ich ursprünglich vorhatte. Das Schloß Hohenerxleben sehe ich daher nur von weitem.

In Staßfurt fühle ich mich fit und beschließe, dem Boderadweg weiter zu folgen. Kurz vor´m Löderburger See zweigt der R1 ab - und das ist die letzte Radwegausschilderung, die ich sehe. Mit Karte und GPS finde ich die Wege. Diese werden allerdings abenteuerlicher: eng, zugewachsen, schlechter Untergrund. An einzelnen Stellen verfallen Bänke im Gebüsch. Kurz vor Unseburg dann der Brennnesselurwald (s. Foto) auf einem schmalen Deich neben der Bode. Gegenverkehr zwingt zum Anhalten (Immerhin! Man kommt irgendwo raus!), allerdings kommt man nur aneinander vorbei, wenn jemand in die Brennnesseln geht. Mit Jucken am Bein geht´s weiter.

Das nächste Wegstück hinter Unseburg sieht ähnlich aus. Das macht so keinen Spaß. Darum beschließe ich, die Expedition zu beenden und kehre um, also wieder durch den Brennnesselurwald und zurück nach Staßfurt. Dort setze mich in den Zug zurück und drehe noch eine Runde durch den Stadtpark und dann ist die Dusche fällig.

Dieser Tag hatte noch mal alles, was derzeit das "Fahrradland Sachsen-Anhalt" ausmacht: wunderbare Natur an den Flüssen, Strecken, die ideal sind zum Fahrradfahren. Dementsprechend viele Tourist*innen und Gruppen waren mit Fahrrädern unterwegs.
Doch da sind auch die Ortsdurchfahrten mit Kopfsteinpflaster und buckligen Landstraßen, die Radwege, an denen die Beschilderung an entscheidenden Stellen fehlt oder die gar nicht mehr gepflegt (aber noch beworben) werden. Die viel frequentierten Radwege, die zu eng sind, so dass man stop-and-go-radelt und jedes "Aah!" und "Oh, schau mal!"-Bremsen der Tourist*innen vor einem mitmacht.
Manche Radwege enden im Nichts, an Bordsteinen oder auch mal auf einem Fußweg in der Warteschlange vor einer Eisdiele (Staßfurt!). Am Boderadweg verwitterten Schilder, die auf eine EU-Förderung hinwiesen. Brücken an Landstraßen bieten auch manch Förderhinweise. Erkennbar ist das auch oft daran, dass vor der Brücke ein Radweg beginnt, der hinter der Brücke gleich wieder endet.

Ach, Sachsen-Anhalt.

Magdeburg passt da irgendwie als Landeshauptstadt. Doch da tut sich ja hoffentlich was mit dem Radentscheid. (https://www.adfc-sachsenanhalt.de/radentscheid-magdeburg/) Also fleißig Unterschriften sammeln!

Doch wie gesagt: Egal, wie die Infrastruktur für den Radverkehr aussieht: Es hält mich nicht davon ab, mit Freude im Alltag und in der Freizeit meine Fahrräder zu nutzen und es trotz allem zu genießen! Das Stadtradeln endet, doch der Sommer beginnt ja erst. Ride on!

Ach, da war ja noch was von wegen kein Auto und so. Ich habe gar nicht verzichtet. Ich habe - wie meist in meinem Leben - keines gebraucht.

BildBildBild

Teilen: Facebook | Twitter