Flußradwege

Bild Geschrieben am 27.06.2021 von Michael Korn
Team: Offenes Team - Kreis Ostallgäu
Kommune: Kreis Ostallgäu

Diesmal habe ich das Wochenende dazu genutzt, fürs Stadtradeln ein paar Kilometer zu sammeln. Die Tour ging entlang der Wertach nach Norden ins Unterallgäu, dann weiter über den Kammeltalradweg bis zur Donau. Der Rückweg führte dann entlang der Mindel und Wertach dann wieder ins Ostallgäu. Gute 200km durch drei Landkreise, aufgeteilt auf zwei Tage. Obwohl ich die Strecke schon öfter mit dem Rad gefahren bin, habe ich sie diesmal etwas bewusster erlebt, da ich mich auf die Suche nach etwas gemacht habe, das gerade in aller Munde ist und teils heftig diskutiert wird: die Verkehrswende. Um eines vorwegzunehmen. Ja, es gibt sie, sogar hier im ländlichen Raum, auch wenn man manchmal etwas genauer hinsehen muss.
Erstes Etappenziel war Bad Wörishofen. Gleich am Ortseingang wird man von einer Fahrradstraße begrüßt. So geht es dann weiter, praktisch durch den ganzen Ort reiht sich eine Fahrradstraße an die Nächste. Dann auf einmal etwas Ungewohntes. Eine Straße wurde kurzerhand zum Biergarten umfunktioniert. Wo normalerweise Autos fahren oder parken, gehört die Strasse auf einmal den Menschen. So lebenswert können Straßen sein!

Weiter gehts es auf bestens asphaltierten Wirtschaftswegen durchs Unterallgäu. Bei Rammingen quert man die neu elektrifizierte Bahnstrecke zwischen München und Lindau, hier tut sich also tatsächlich was. Vorbei an Pfaffenhausen wechsle ich vom Wertach- ins Kammeltal. Mal abgesehen von kleineren Unterbrechungen, könnte man die Wege problemlos als Radschnellweg durchgehen lassen. Kein Autoverkehr, ausreichend breit und oftmals sogar im Winter geräumt. Im Kammeltal hat man manchmal das Gefühl, die Zeit wäre stehen geblieben. Wenn man aber genauer hinsieht, hat sich auch hier Einiges geändert. Es gibt einen Flexi-Bus, die Mittelschwabenbahn zwischen Mindelheim und Günzburg ist für den Personenverkehr immer noch in Betrieb und wurde zuletzt sogar modernisiert. Früher wurde hier Erdöl, das bei Bedernau gefördert wurde, per Bahn abtransportiert. Immer entlang der Kammel geht es weiter nach Krumbach. In Krumbach gibt es wohl einen der schönsten Radwege überhaupt. Er verläuft einmal längs durch die ganze Stadt, teilweise durch Parkanlagen, teilweise als Steg über dem Krumbach. Die Realität holt mach dann aber an einer unübersichtlichen Kreuzung an der vielbefahrenen Hauptstraße ein. Keine Ahnung, wie ich mich hier als Radfahrer richtig verhalten soll. Ist der breite Gehweg für Radfahrer nun freigegeben oder nicht? Irgendwo war da doch ein Schild, aber gilt das hier noch? Kein Ahnung, am besten schnell hier weg und wieder auf den beschaulichen Kammeltal-Radweg. Wem es bis hierher zu wenige Höhenmeter waren, der kann noch einen Abstecher zu Schloss Neuburg machen. Ich spare mir das diesmal und statte dafür dem Kloster Wettenhausen noch einen Besuch ab. Ab hier sind es nur noch wenige Kilometer, bis die Kammel dann kurz vor Offingen in die Mindel mündet.

Am nächsten Tag geht dann entlang der Mindel wieder nach Süden. Heute kommen die Fans von Schotterwegen voll auf Ihre Kosten, denn die guten asphaltierten Wirtschaftswege aus dem Kammeltal gibt es im Mindeltal deutlich seltener. Dafür sind die ersten Kilometer erstmal geprägt von Autobahn, Gewerbegebieten, imposanten Straßenbauwerken und unzähligen Baggerseen. Die Mindel verläuft weitestgehend kanalisiert, ganz im Gegensatz zur Kammel, welche bereits vor vielen Jahren renaturiert wurde und sich seit dem durch das Tal mäandert. Ab Thannhausen wird es landschaftlich wieder schöner. Ich passiere Kloster Ursberg, wo ich das dritte (und letzte) Lastenfahrrad auf dieser Tour entdecke. Weiter geht es auf Schotterwegen wieder ins Unterallgäu. Hier wechsle ich dann ins Wertachtal und fahre schließlich entlang der Wertach zurück nach Marktoberdorf.

Neu war für mich, daß ich die Tour zum ersten mal mit dem E-Bike gefahren bin. Überrascht hat mich am Ende, daß eine 500Wh-Akkuladung für die gesamte Strecke von 220 km gereicht hat, was sicherlich daran liegt, daß es fast keine Steigungen gab und ich oft über der Unterstüzungsgrenze von 25km/h fahren konnte.
Für die gleiche Strecke hätte ich mit dem Auto etwa 100kWh (ca. 12 Liter Benzin) benötigt, also 200 mal so viel Energie wie mit dem E-Bike. Bei der Zeit ist dagegen "nur" der Faktor 3 zwischen Auto und Fahrrad. An diesen Zahlen kann man gut sehen, wie dringend wir eine Verkehrswende benötigen.

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