Drei Wochen Stadtradeln für den Landkreis Kulmbach - Was nun ?

Bild Geschrieben am 30.07.2021 von Jürgen Tesarczyk
Team: ADFC Team Kulmbach
Kommune: Landkreis Kulmbach

Drei Wochen mit dem Fahrrad über 1560 Kilometer kreuz und quer unterwegs in der Stadt Kulmbach, im Landkreis Kulmbach und darüber hinaus. So konnte ich die über mehrere 10.000 Kilometer gesammelten Erfahrungen vor allem in den letzten elf Jahren, aber auch schon gelegentlich seit 1980, aktualisieren. Die wunderschöne Landschaft bietet viele Abwechslungen auf flachen Flusslauf-Strecken und anspruchsvolleren Mittelgebirgs-Routen.
Da ich mich als ADFC-Aktiver besonders für die Nutzung des Fahrrads und deren Voraussetzungen einsetze, schaue ich natürlich, zumindest mit einem kritischen Auge, auf die Qualität des Radwegenetzes. Da bin ich auch gleich bei einem Mangel; von „Netz“ kann leider überhaupt nicht die Rede sein! Auch muss klar sein, dass es sich nicht immer um spezielle, bauliche Radwege handeln kann, sondern vor allem die zahlreich vorhandenen Wirtschaftwege möglichst sinnvoll eingebunden werden müssen. Damit ist natürlich die Notwendigkeit einer gegenseitige Rücksichtnahme, für die verschiedenen Nutzergruppen, selbstverständlich. Das gilt ebenso auf schmalen Straßen, was auch einmal dazu führen kann, dass ein Auto sich zunächst einmal hinter dem Fahrrad einreiht, bis ein gefahrenloses Überholen, z.B. an einer Ausweichstelle oder durch ein anderes Entgegenkommen des Zweirads, möglich ist. Bei anderen Begegnungen, z.B. mit Traktoren auf Bundesstraßen, ist dies ja auch möglich – wenn auch nicht unbedingt angenehm. Ebenso zur Vernetzung gehört die Verknüpfung durch Mobilitätsstationen, angefangen mit Bushaltestellen auf dem Land, Park & Bike-Parkplätzen, bis hin zu den Eisenbahnstationen im Landkreis.
Noch bis vor kurzer Zeit war es üblich, isolierte Radrunden einzurichten, die man in der Regel mit dem Auto anfährt. Ich kann hier keinen Überblick über das Angebot an Radfahrende liefern und verweise hierzu vor allem auf die Online-Quellen vom Landkreis Kulmbach und vom Bezirk Oberfranken. Im Online-Auftritt der Stadt Kulmbach finden sich nach intensiver Suche einige wenige Links zu anderen Quellen – das ist sehr, sehr bescheiden, auch im Vergleich zu anderen deutschen Städten ähnlicher Größe. Generell geht es fast ausschließlich um Freizeitangebote, deren Trassen sich nur in wenigen Fällen auch im Alltagsradverkehr sinnvoll nutzen lassen. Verantwortliche verweisen meist auf die raren Taten aus der Vergangenheit und einige wenige Projekte des Staatlichen Bauamts an Bundesstraßen. Grundsätzliche Versuche, die Situation zu verbessern, sind seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts immer im Sand verlaufen. Die traurige Situation des Radverkehrs in unserer Region in all seinen Facetten, ist auch an den letzten Plätzen im deutschlandweiten ADFC-Fahrradklimatest der letzten acht Jahre abzulesen !
Erwähnt werden soll aber auch ein „Highlight“ in der Werbung fürs Radeln mit seinen zahlreichen positiven Aspekten. Seit 2009 führt der Landkreis Kulmbach alle zwei Jahre, mit der Unterstützung der teilnehmenden Gemeinden und zahlreicher Organisationen, den „Autofreie Sonntag im Weißmaintal“ durch, der in diesem Jahr leider der Corona-Pandemie zum Opfer fiel.
Für die fachlichen Anforderungen (z.B. im Umweltschutz), und Finanzierungmöglichkeiten gibt es Lösungen, die allerdings entsprechende Expertise in den Planungsbehörden, hier zunächst einmal vor Ort erfordern. Der Landkreis hat hier gegenüber seinen Kommunen eine besondere Verantwortung. Allerdings sollten die einzelnen Gemeinden auch Eigeninitiative ergreifen und die Radweg-Vernetzung, an der Landkreisgrenze auch mit den Nachbarlandkreisen, vorantreiben. Zahlreiche Interessen verschiedenster Gruppen sollten frühzeitig in die Planungen einbezogen werden, um Verzögerungen und unnötige Kostensteigerungen zu vermeiden.

Seit mehreren Jahren, auch durch das wachsende Bewußtsein für den Klimaschutz, zahlreiche Förderprogramme übergeordneter politischer Ebenen und das Engagement vieler Einzelner in der Verwaltung und im Ehrenamtlichenbereich, sowie Entwicklungen wie ISEK und Uni-Campus u.a., tut sich allmählich doch Einiges. Die beiden Radverkehrskonzepte auf Landkreis- und Stadtebene, die um das Jahresende 2021 von Verkehrsplanungsbüros fertiggestellt werden, bieten die Grundlage, um bei der Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten durch die politischen Entscheidungsträger und kompetente Fachleute in der Verwaltung, große Fortschritte zu machen und damit die Attraktivität dieses gesunden und umweltfreundlichen Verkehrsmittel im Alltag und der Freizeit zu steigern. Diese Mobilitätsform ist ein wichtiger Baustein zur Steigerung der Lebensqualität in unserer durch Bevölkerungsrückgang bedrohten Region. Feste Posten in den jährlichen Haushalten, klare Zuständigkeiten in den Verwaltungen und regelmäßige Radverkehrsberichte sollten in der Zukunft eine Selbstverständlichkeit sein.

Somit bin ich also nach dem Stadtradeln 2021 doch (leicht) optimistisch, was die Zukunft des Radverkehrs in der Stadt und im Landkreis Kulmbach angeht !

Jürgen Tesarczyk

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