Wie man den inneren Schweinehund in seine Schranken weist

Bild Geschrieben am 03.09.2021 von Frauke Beckert
Team: #Offenes Bezirksteam Marzahn-Hellersdorf
Kommune: Berlin

Wer kennt ihn nicht, den inneren Schweinehund. Vor der Geburt unseres Sohnes war ich leidenschaftliche Radlerin. Ich habe erst einen Gang runtergeschaltet (Pun intended), als es am Ende meiner Schwangerschaft nicht mehr anders ging. Und oh boy, war das schwierig. Ich war es einfach gewohnt, jede Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen. Ich hatte die richtige Kleidung, das richtige Fahrrad und - das wichtigste - die richtige Einstellung dazu. Ja, manchmal war es langsamer. Ja, manchmal habe ich Ersatzkleidung mitgenommen und mich am Zielort umgezogen. Das war es mir wert, denn dafür bekam ich: Freiheit. Zeit für mich. Energie. Dann war unser Sohn da, mitten im Coronajahr. Wo man einfach sowieso nirgendwo hinfahren konnte (und wollte). Wo man vor allem mit neuem Baby einen Radius hatte, der auf der einen Seite vom Supermarkt und auf der anderen Seite von der Drogerie begrenzt wurde. Das Fahrrad stand derweil im Keller - und setzte Staub an. Mit dem Fahrradanhänger haben wir zwar schon früh kleinere Touren zurückgelegt, aber es fehlte eben die Routine. Hinzu kam, dass unser Sohn einfach nicht gern irgendwo drinsaß. Im Fahrradanhänger schlief er zumindest kurz ein, aber nach einer halben Stunde wollte er dann doch lieber wieder raus. Ich lief also, Kilometer um Kilometer, und fuhr immer weniger Fahrrad.
Und dann waren da die Stimmen - "Heute geht es nicht, heute müssen wir schnell sein". "Es könnte regnen, und das Söhnchen sollte nicht nass werden"... der innere Schweinehund machte sich so richtig breit. Mein Mann hat ein Auto, das ich bis zur Geburt nur ungefähr dreimal selbst benutzt hatte. Auf einmal war ich ständig mit dem Auto unterwegs - zum Einkaufen hier, zur Krabbelverabredung dort. Aus Zeitgründen. Wegen des Wetters. Weil... ach keine Ahnung. Einfach nur, weil es immer schwieriger wurde, wieder aufs Fahrrad umzusteigen, weil es ja irgendwie doch echt anstrengend ist (und ich ja auch 12 kg mehr Gepäck dabeihatte, in Form eines zuckersüßen kleinen Jungens... und SO. VIEL. KRAM. Wirklich, Babys brauchen einfach so viel Zeug!). Ich hatte ein schlechtes Gewissen, und es wurde immer schlechter. Doch dann belauschte ich auf einem der unzähligen Spielplatznachmittage ein Gespräch zweier Mütter neben mir. Sie unterhielten sich über Notwendigkeiten, und die eine sagte: Manchmal macht man eben etwas, das man eigentlich nicht mag. Ich kann mich darüber jetzt tagelang beschweren und mich schlecht fühlen, oder ich nehme es halt einfach hin. It happens. So what.

Genial. Einfach sagen - ja, ich benutze auch das Auto. Hier in Marzahn, wo wir wohnen, fährt nicht alle 2 Minuten irgendeine Bahn. Bis zur Bushaltestelle laufe ich 10 Minuten und dort warte ich auch gern mal 10 oder mehr Minuten auf den Bus. Der fährt dann auch nur in eine einzige Richtung. Ja, manchmal nutze ich das Auto. Gleichzeitig möchte ich wieder mehr Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen. Im letzten Jahr haben wir uns an das Leben mit Kind gewöhnt, und jetzt ist es Zeit, dass ich mir die Welt auf dem Rad zurückhole. Deshalb habe ich es mir selbst zur Challenge gemacht, während des Stadtradelns komplett auf das Auto zu verzichten. Ich werfe mich quasi selbst ins kalte Wasser - und freu mich schon wahnsinnig drauf. Let's go, mal sehen, ob das alles so klappt. Und wenn nicht - eben nicht. Der Weg ist das Ziel, nicht wahr? Ich nehm euch auf jeden Fall mit auf diese Reise!

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