Brötchen holen oder fahn fahn fahn auf der Autobahn….

Bild Geschrieben am 05.09.2021 von Christian Szyska
Team: Auf dem Leinpfad
Kommune: Bonn

Sonntag morgen. Rauf auf’s Rad und ab zum Bäcker. Nun ja, nicht so direkt: der gerade zurückgekehrte Sommer lockt zu einer kleinen Tour. Während die aufgehende Sonne den Nebel vertreibt, radele ich Richtung Witterschlick. Kurz vor Ramelshoven treffe ich Dietmar, gleichfalls Mitglied des Bonner Teams „Auf dem Leinpfad“ beim diesjährigen Stadtradeln.
Wir vier sind eingefleischte Radpendler, die sommers wie winters auf den MIV pfeifen und #mdRzA fahren. „Heute war ich auf der A 61“ strahlt er mich an und somit ist es entschieden: Das probiere ich auch.
Über die B 56 lenke ich mein Rad zur Anschlussstelle Miel. Mit einer angenehmen Steigung geht es hinauf zur Autobahn. Ich muss kaum runterschalten. Ganz anders, als wenn es gilt, mit über 10 % Steigung die Schnecke zur Nordbrücke hinaufzuschnaufen. Die Strecke ist frei. Kein Wunder. Bekanntlich ist sie seit dem Hochwasser in RP und NRW gesperrt. Fast lautlos gleite ich über den Asphalt. Er ist wunderbar glatt. Keine Schlaglöcher, keine Unterwurzelungen, keine lästigen Asphaltflicken. Ohne große Anstrengung werde ich schneller, der leichte Rückenwind unterstützt dabei. Auf den ersten beiden Kilometern erhöht sich mein Schnitt um gut einen km/h.




Nun, bei 10 Millionen Euro, die der Autobahnbau in Deutschland pro Kilometer kostet, sollte das so sein. 17 Millionen Euro will NRW in 2021 in neue Radwege investieren. 56 Kilometer sollen dabei herauskommen
Dann nähere ich mich dem Grund des seltenen Radelglücks. Hier hat der Schießbach bei Miel die A 61 unterspült und „abgeschossen.“ Seit knapp zwei Monaten beschert dieser Vorfall der Region phantastische Ruhe und saubere Luft.
Zwei Betonsperren schützen die Baustelle. Einige Bagger und Baustellenfahrzeuge stehen herum. Ansonsten herrscht sonntägliche Stille. Ich wechsele die Spur und fahre zurück. Es sind es noch fünf Kilometer bis zur Raststelle Peppenhoven. Die Autobahn ist zweispurig ausgebaut mit einem ziemlich breiten Standstreifen. Zwei Drittel einer Spur ergäben einen guten Zweirichtungsradweg. Zwei Spuren könnten geschottert werden und mit Gleisen versehen. An den Kreuzen intelligente hubs. Dann würde der Verkehr ruhig und emissionsfrei bleiben. Den Rest lassen wir entsiegeln um der Natur ihren Raum zurückzugeben. Wäre wohl die vernünftigste Lösung. Leider will es niemand einsehen. Aber ein bisschen wage ich doch zu träumen: vielleicht werden die Oberflächen der zu bauenden Radschnellwege in und um Bonn annähernd so gut wie diese Autobahn.
An der verwaisten Raststätte Peppenhoven wechsele ich auf den asphaltierten Landwirtschaftsweg. Ein kleiner Kaffeestop in Rheinbach, dann noch zur Tomburg, ein Blick in das ebenfalls flutgeschädigte Ahrtal bei Dernau und schließlich mit den letzten Sonntagsbrötchen zurück zum Frühstück.

BildBildBildBildBildBildBild

Teilen: Facebook | Twitter