Am schönsten ist Ostfriesland…

Bild Geschrieben am 06.09.2021 von Philip Giertz
Team: Spaß mit Sport
Kommune: Leer im Landkreis Leer

…an den Schnittstellen zwischen Land und Wasser. Ob an der Ems, am Großen Meer, an der Nordseeküste oder an den zahlreichen Kanälen, eine Radtour am Wasser ist immer ein Erlebnis.

Der Weg führt uns heute an der Unterems Richtung Emden, von Leer aus immer am Deich entlang. Ab Terborg könnte man theoretisch den gut ausgebauten Deichverteidigungsweg abseits der vielbefahrenen Landstraße nutzen ….. ja wenn man denn dürfte. Denn die Moormerländer Deichacht hat diesen Weg zwischen Terborg und Gandersum gesperrt. Sie begründet dies damit, dass man bei Öffnung zusätzliche Schafsperren als Durchlässe einrichten müsse. Ob dieses Argument in Zeiten, in denen man nachhaltigen Tourismus und Fahrradverkehr stärken möchte, noch belastbar und verhältnismäßig ist, möge jeder für sich bewerten. Jedenfalls ist es schade, dass man dem guten Vorbild der Rheider Deichacht auf der anderen Seite der Ems nicht folgt.

An der Landstraße (alte B 70) erwartet uns zumindest der in 2020 frisch sanierte Radweg, dem wir über Oldersum bis Gandersum folgen. In Oldersum machen wir einen kurzen Abstecher zum alten Hafen, der an der Mündung der Flumm liegt. Gegenüber auf der Werft liegen einige Behördenschiffe, die dort zur Wartung und Reparatur festgemacht haben sowie ein Frachtschiff-Neubau zur Versorgung der Insel Baltrum.

In Gandersum begegnet uns das mächtige Emssperrwerk, das seit 2001 in Betrieb ist. Einerseits dient es dem Küstenschutz, um die bei Sturmflut in die Ems eindringenden Wassermassen der Nordsee abzuriegeln. Andererseits wird damit die Ems aufgestaut, um die notwendige Wassertiefe bei Schiffsüberführungen der Papenburger Werft herstellen zu können ohne übermäßig baggern zu müssen. Das Aufstauen der Ems ist an strenge naturschutzfachliche Auflagen gebunden. Ebenfalls aus Gründen des Naturschutzes darf der ab dem Sperrwerk stromabwärts führende Teekabfuhrweg – der an der Unterems praktisch die einzige Möglichkeit darstellt, auf der Seeseite des Deiches zu radeln – größtenteils nur von Juli bis September benutzt werden.

Vorbei am kleinen Fährhafen Petkum sehen wir hinter Borssumersiel eine große Windenergieanlage, die in einigen Metern Abstand vom Ufer in die Ems hinein gebaut wurde – damals die erste Windenergieanlage Deutschlands mit „nassen Füßen“.

Kurz vor Ende des Weges passieren wir den Emder Südkai, an dem die letzte Massengut-Umschlagbrücke an die 1970-er Jahre erinnert, als dort jährlich mehrere Millionen Tonnen Eisenerz umgeschlagen wurden. Am Emder Außenhafen verlassen wir den Lauf der Ems durch das Deichgatt und fahren über die Große Seeschleuse und die Nesserlander Straße am Borkumkai vorbei. Dem historischen Flussverlauf der Ems folgend erreichen wir den Ratsdelft und genießen maritimes Flair bei einer Tasse Kaffee.

Ein Hingucker im Ratsdelft ist das knallrote Feuerschiff Amrumbank direkt am Rathaus gelegen. Früher, als die terrestrische Navigation auf See noch eine größere Rolle spielte, waren mehrere bemannte Feuerschiffe auf Seepositionen in der Deutschen Bucht verankert. Durch die hohen Feuertürme waren die Feuer weithin sichtbar, die Schifffahrt wurde so bereits weit vor Erreichen der Flussmündungen und Untiefen gewarnt. Heute beherbergt das Schiff ein Museum sowie ein Restaurant und wer sich traut, kann dort auch heiraten. Das Feuerschiff Amrumbank hat es sogar bis ins Rheinland geschafft - in Bonn kann man es nämlich als Modell bewundern.

Und weil es uns so gut gefallen hat, nehmen wir denselben Weg zurück an der Ems entlang. Denn Ostfriesland ist am schönsten, wo Land und Wasser einander berühren.

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