#mdRzA: Schweizer Ausblick in Widdig, der Perle am Rhein

Bild Geschrieben am 07.09.2021 von Christian Szyska
Team: Auf dem Leinpfad
Kommune: Bonn

Mein Arbeitsweg führt mich über den Leinpfad. Sicher der wichtigste Fernradweg Deutschlands, fast immer entlang des Rheins. Von Koblenz kommend die erste Steigung lässt die Radelnden den „Schweizer Ausblick“ erklimmen. Hier hat eine Gruppe von Widdigern einen Rastplatz gestaltet: zwei Bänke laden zum Verweilen ein, zum Blick auf den meist ruhig dahinfließenden Strom. Ein paar Blumenarrangements und eine Art Hecke umfassen die aufgeschotterte Fläche, für die Fahrräder gibt es einen Ständer.
Der Platz wird gut angenommen. Frühmorgens halten die RadpendlerInnen kurz an, um ein Bild vom Sonnenaufgang über dem Strom zu knipsen. So wie die junge Radfahrerin, die ich dort treffe. Sie blickt auf ihr handydisplay und erklärt: „Ich zeige das gleich meinen Kollegen, damit sie mir endlich glauben, dass ich den schönsten Arbeitsweg der Welt habe.“ JoggerInnen machen den Schweizer Ausblick zum Wendepunkt und immer wieder stoppen Radreisende und PedelecfahrerInnen um zu verschnaufen oder die Aussicht und die Ruhe am Strom zu genießen. Zuweilen ereignen sich internationale Treffen, der Leinpfad als beliebter Radwanderweg zieht Menschen aus allen Ländern und Kontinenten an.

Natürlich mache auch ich hier oft ein Bild, einige Jahre war es sogar täglich ein Triptychon für die sozialen Netzwerke, so dass eine ganze Sammlung von Bildern mit allen Farben des Lichts und jedem Wetter entstanden ist.
Abends und Nachts steigt hin und wieder eine Party; ob es die Anwohner schätzen? Keine Ahnung.

Über der Idylle schwebt ein Damoklesschwert. Die Rheinspange, die A 553 soll zwischen der A 59 und der A 555 eine Verbindung schaffen. Inklusive einer Autobahnbrücke. Eine – und wohl die wahrscheinlichere Trasse soll kurz hinter dem Schweizer Ausblick geführt werden. Es wäre ein ungeheurer Eingriff in die Natur und widerspricht jeglicher Bemühung zur Abwendung des Klimakollapses.
Einige Bürgerinitiativen beiderseits des Rheins kanalisieren den Protest. Teils ganz gegen die Rheinspange, teils gegen eine bestimmte Trasse. Ich kann nur an alle appellieren, hier den Widerstand zu unterstützen.
https://weact.campact.de/petitions/keine-neue-autobahn-im-kolner-suden-nein-zur-rheinspange-a-553
https://www.rheinspange.org/

Aber warum eigentlich „Schweizer Ausblick?“ Die Schweiz ist von diesem Punkt aus beim besten Willen nicht zu sehen. Allein die Gipfel des Siebengebirges erscheinen am Horizont. Die Erklärung erhielt ich vom ehemaligen Widdiger Ortsvorsteher Herrn Velten: Der Rastplatz liegt am Ende der Schweizer Straße. Die hat ihren Namen vom „Schweizerhaus“, welches einmal dort stand. In diesem Haus wohnten vor vielen vielen Jahren Schweizer, die sich zeitweise zum Kühehüten und -melken bei den örtlichen Bauern verdingten. Anscheinend wenn die Almen im Winterschlaf waren.

BildBildBild

Teilen: Facebook | Twitter