„Ich bin stolz auf mich!"

Bild Geschrieben am 08.09.2021 von Lara-Luna Wojtkowiak
Team: Fahrradi
Kommune: Berlin

Woche 1: 05.09.2021, 04:15 Uhr

Wow, wow, wow! Ich komme gerade von einem aufregendem Tag auf dem Rad.
Heute habe ich meinen persönlichen Tagesrekord aufgestellt: 132,5 Kilometer. Und ich bin stolz auf mich.

Mein Team-Captain Patti hat eine wundervolle Fahrradtour rund um den Liepnitzsee im Norden Berlins geplant. Treffpunkt: 10.30 Uhr S-Blankenburg. Für mich hieß das, dass ich um 09.00 Uhr den Fahrradhelm schloss und losgeradelt bin. Aus Neukölln hatte ich einen Anfahrtsweg von 23 Kilometern. Für solche langen Strecken in unbekannte Ortschaften nutze ich einfach Google Maps, um navigiert zu werden. Das klappt meistens sehr gut. Heute jedoch, führte die App mich in ganze vier Sackgassen. Da heißt es: Nerven bewahren! Aber mit dem motivierenden Gedanken, dass ich durchs viele Wenden und Pfadfinder-Spielen weitere Kilometer sammle, blieb ich gut gestimmt.
Am Treffpunkt angekommen, sah ich in die vielen lächelnden Gesichter meiner Freunde. Wir radelten zu sechzehnt durch Feld und Wald. Während des Fahrens genossen wir viele schöne Unterhaltungen. Sobald der Boden lockerer wird, muss ich mich allerdings sehr auf den Weg konzentrieren. Mein Fahrrad hat relativ schmale Reifen, die zwar Profil haben aber bei sandigem Waldboden oder groben Schotter für nicht all zu viel Stabilität sorgen. Da merke ich den Unterschied zwischen Stadtverkehrfahrten und Erlebnisfahrten im Umland deutlich. Ich möchte nicht ausrutschen und mich verletzen, weshalb meine Körperspannung und mein mentaler Fokus enorm beansprucht werden. Das gibt mir aber gleichzeitig den Kick. Ich bin stolz auf mich, wenn ich alle Hürden heil bewältigt habe. Nach der Hälfte der Strecke gönnten wir uns am See eine Frisbee-,Fußball-, Essens-, Badepause. Im Wasser schwelgten wir in schönen Erinnerung einer Wochenendstour der Stadtradelnzeit 2020 und hielten diesen Moment mit ein paar Fotos und Videos fest. Gemeinsam verbrachten wir 6 erlebnisreiche Stunden und fuhren dabei 55 Kilometer.

Im Anschluss ging es für mich weiter nach Siemensstadt, in den Westen Berlins. Mit den Tickets für einen unvergesslichen, achtstündigen Theaterabend in der Fahrradtasche radelte ich die nächste Stunde durch die Stadt. Zugegeben, meine Beine fingen an zu schmerzen. Aber nicht wegen Muskelerschöpfung. Es fühlt sich eher wie erste Entzündungssymptome am Schienbein und den Achillessehnen an. Trotzdem fuhr ich weiter. Ich habe keine Fahrkarte für die Öffis und für Personen- plus Fahrradticket bin ich zu geizig. Ich zog also durch.
Die Vorstellung endete um 02.00 Uhr nachts. Der Himmel war dunkel und klar. Die Straßen kaum befahren. Ich liebe es, nachts mit meinem Fahrrad durch die Straßen zu fahren. Die Stadt sieht schön aus, keine in der zweiten Reihe parkenden Autos versperren den Radweg, die Luft ist kühl aber rein und ich bin allein mit meinen Gedanken. Meine Mutter macht sich häufig sorgen, wenn ich so spät alleine unterwegs bin, doch auf meinem Fahrrad fühle ich mich sicher. Es ist wie mein personal Space, an den keiner rankommt. Ich selbst habe noch nie beobachtet wie irgendwelche Banden oder so eine*n Fahrradfahrer*in ernsthaft belästigt haben. Zu Fuß jedoch fühle ich mich um ein vielfaches machtloser als junge Frau nachts in Berlin. Der Fahrtwind gib mir ein gutes Gefühl.

Jetzt liege ich in meinem Bett, schreibe diesen Blogeintrag, freue mich wie ein Kullerpfirsich darauf, gleich die 132,5 Kilometer in die Stadtradeln-App einzutragen und mich im internen Teamranking nach oben wandern zu sehen.

Gute Nacht. :)
— Lara-Luna

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