Einkaufen per Fahrrad

Bild Geschrieben am 12.09.2021 von Peter Laffin
Team: Critical Mass Bonn
Kommune: Bonn

Viele werden sich fragen, wenn es ums Leben ohne Auto geht, wie man denn überhaupt für eine ganze Familie einkaufen soll. Ich bin schon mit vier Einkaufstüten durch viel zu enge Gassen geradelt. Mir sind die Beutel auch schon unterwegs gerissen, ein Joghurt dank Wildwuchs der Sträucher am Radweg ausgelaufen oder auch einiges vom Gepäckträger gefallen.

Mit ein paar Spanngurten oder abnehmbaren Körben vorn und hinten lässt sich vorausschauend viel Platz auch auf normalen Fahrrädern organisieren. Mit meinem Trekkingrad für die Stadt kann ich im Rucksack, mit zwei Beuteln am Lenker, bzw. in Körben (eher leichtes Zeug rein!) und ggf. dem Stauraum auf dem Gepäckträger auch schon einiges mitbringen. Der bisherige Rekord im Lastenrad liegt allerdings bei zwei Bierkästen und vier Beuteln inklusive Rucksack sowie Windelkarton hinten. Dann aber ohne Kids.

Mit etwas weniger Beladung lassen sich übrigens auch zwei Kinder unterbringen. Im Supermarkt gibt es ja manchmal auch etwas für die beiden, was dann während der Rückfahrt für Ruhe vorn sorgt. Das alles funktioniert sehr gut, bis der Faktor Auto im Straßenverkehr hinzukommt. Bundesstraßen mit aufgemalten Radstreifen sind ebenso zu meiden wie gemischte Rad- und Fußwege. Hier entstehen leider immer wieder Situationen, wo mit soviel Zuladung das Manövrieren echt schwierig wird.

Wenn ich mit dem Lastenrad einkaufen will, muss ich beim Kauf neben der Kindertauglichkeit auch darauf achten, dass ausreichend Zuladung möglich ist (bei uns sind es 100kg). Mit dem restlichen Rad und Fahrer*in kommen da schnell knapp 190kg zusammen. Das zu Manövrieren ist in oben genannten Situationen nicht immer leicht.

In jedem Fall sollte man einen ausreichend starken Elektromotor auswählen, damit man das Schlachtschiff auch gut in Gang bekommt, wenn man z.B. an der Ampel losfährt und einige leistungsstarke Autos hinter einem warten. Entsprechende Beratung gibt es in den Radläden eures Vertrauens.

Mit den richten Wegen, die ich meist abseits der Hauptstraßen finde, bringt das Einkaufen auch viel Spaß mit sich. Wenn wir mit dem Lastenrad voll Einkauf und Kids unterwegs sind, erhalten wir immer wieder ein freundliches Lächeln bei Passanten.

Auch der Baumarkt wurde von unserem Lastenrad bereits öfters besucht. Ob nun mehrere Säcke Erde, Blumen, Spielsand oder auch Bretter und kleine Kommoden: all das passt leicht ins Lastenrad.

Ebenfalls wichtig ist der Innenraum. Hier kann ich Ecken für z.B. Kisten nutzen. Auf der anderen Seite ist er rund. Die Sitzbänke sind bei unserem Babboe City nicht leicht demontierbar. Das stellt aber kein grüßeres Problem dar. Wenn es mal regnet, ist das Dach echt hilfreich beim Einkaufen. Wenn aber mal wieder eine Kommode von 80cm Länge transportiert wird, kommen beide beim nächsten Mal bestimmt raus.

Besonders leicht ist übrigens das Parken beim Einkaufen. Ich finde eigentlich auf jedem Parkplatz eine Lücke für das Rad. Bei den normalen Radständern sollte man aufgrund der Länge des Rades allerdings darauf achten, nicht andere Radler*innen oder Fußgänger zu blockieren. Ich habe übrigens keine Skrupel, auf einem "normalen Parkplatz" meine Lastenkutsche abzustellen. Von der Länge kann ich mit einem Kleinwagen mithalten und im Zweifel haben die benachbarten SUVs endlich mehr Platz zum Aussteigen. In jedem Fall besser, als auf engem Gehweg auch noch das Rad als Behinderung aufzustellen. Und sind wir wieder daheim, fahre ich mit dem Rad durch den Garten bis an die Haustür, was das Ausladen sehr erleichtert.

Alles in allem also ein klares Votum dafür, den Schritt zu wagen. Klar ist das Auto bequemer. Aber in einer Zeit, in der die Städte von zuviel Autos verstopft sind, ist es eine Alternative für viele junge Familien. Glücklicherweise sehe ich immer mehr Lastenräder in der Stadt und hoffe, dass auch bald die Infrastruktur sich entsprechend entwickelt. Deshalb freuen wir uns schon auf die nächste Kidical Mass am 18.9.. Mehr dazu nächstes Mal.

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