Rund um die Leybucht

Geschrieben am 17.09.2021 von Philip Giertz
Team: Spaß mit Sport
Kommune: Leer im Landkreis Leer

Die Leybucht stellt die dritte große Meeresbucht auf der ostfriesischen Halbinsel dar, die durch Sturmfluten entstanden ist. Die Leybucht liegt zwischen Greetsiel und Norden und ist bereits über 1000 Jahre alt, ihre größte Ausdehnung erreichte sie im 14. Jh. An der Leybucht gab es in 1991 auch die bislang letzte größere Eindeichungsmaßnahme in Ostfriesland. Den ursprünglichen Plan, die Leybucht ganz einzupoldern und die Deichlinie erheblich zu verkürzen, hatte man zu Gunsten des Naturschutzes aufgegeben. Dadurch erklärt sich auch der auf den ersten Blick etwas seltsam anmutende Verlauf der Deichlinie.

Auf dem Weg zur Leybucht fahren wir ab der Knock teilweise auf der Seeseite des Deiches. Zunächst begegnet uns der Radarturm der Verkehrszentrale Ems. Von hier aus wird der gesamte Schiffsverkehr auf der Ems überwacht. Der kugelförmige Aufsatz überdeckt ein Wetterradar des Deutschen Wetterdienstes. An der Gasanlandestelle Rysumer Nacken, wo Erdgas aus Norwegen ankommt, müssen wir binnendeichs weiterfahren. Hinter dem Leuchtturm Campen, der mit 65 m der höchste Leuchtturm Deutschlands ist, wechseln wir wieder auf die gut ausgebaute Seeseite des Deiches, doch die Fahrt wird jäh unterbrochen. Denn die seit einer gefühlten Ewigkeit andauernden Bauarbeiten zur Deicherhöhung zwingen uns auf einen Umweg über Groothusen und Manslagt. Den Empfehlungen der Umleitungsschilder folgend wollen wir ab Manslagt wieder am Deich weiterfahren.
Denkste! Denn der Weg zum Deich ist verschlossen. Als Radfahrer fühlt man sich hier zum Narren gehalten. Erst ab dem Pilsumer Leuchtturm, der einer der bekanntesten Leuchttürme Deutschlands ist und auch schon als Filmkulisse diente, können wir wieder über auf die Seeseite des Deiches fahren.

Als nächstes erreichen wir den ehemaligen ostfriesischen Häuptlingssitz Greetsiel, heute auch bekannt als historisches Fischerdorf, welches sich immer mehr zum Touristenmagnet entwickelt. Durch die Eindeichung der Leybucht wurde Greetsiel vom unmittelbaren Zugang zur Nordsee abgeschnitten, der Fischerhafen ist jetzt tidefrei. Die Greetsieler Fischer müssen auf dem Weg zu ihren Fanggründen auf der Nordsee jetzt durch die Schleuse Leysiel fahren. Der östliche Teil des Deichgebietes zwischen Leysiel und Greetsiel ist übrigens streng geschützt. Damit niemand auf die Idee kommt, dort zu radeln, bleibt die Brücke über die Schleuse Leysiel grundsätzlich hochgeklappt. Hinter Greetsiel wollen wir am gut ausgebauten Radweg entlang des Störtebekerkanals in Richtung Norddeich weiterradeln. Doch auch hier versperren Verbotsschilder den Weg, so dass wir auf die weniger gut befahrbare Seeseite des Deiches ausweichen müssen. Mehrere Blicke über die Deichkrone hinterlassen zudem die Frage, weshalb der Radweg am Störtebekerkanal gesperrt ist? Denn von Baustelle oder Baufahrzeugen ist weit und breit keine Spur zu sehen. Man fühlt sich hier erneut zum Narren gehalten…

Am östlichen Ende der Leybucht entdecken wir die Reste der ehemaligen Empfangsstelle Utlandshörn der Küstenfunkstelle Norddeich Radio. Zu meiner Seefahrtzeit, als es noch keine Satellitenkommunikation gab, war Norddeich Radio für deutsche Seeleute auf allen Weltmeeren die einzige Verbindung zur Heimat. Über Kurzwelle konnte man von hier aus jedes Schiff in jedem Winkel der Erde per Telefon erreichen. Seefunkgespräche waren für damalige Verhältnisse sündhaft teuer. Für jedes Kurzwellentelefonat musste man eine Mindestgebühr von DM 10,70 für drei Minuten Gesprächsdauer berappen. Und wenn man Pech hatte, meldete sich am anderen Ende der Leitung ein Anrufbeantworter und das Geld war futsch…
Die Sendeanlagen von Norddeich Radio standen aus technischen Gründen einige Kilometer entfern in Osterloog. Norddeich Radio ging Ende 1998 vom Äther.
In den Räumen der Sendeanlagen befindet sich heute das Waloseum, in dem u.a. ein Walskelett ausgestellt ist.

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