Achterbahn der Gefühle

Geschrieben am 20.09.2021 von Linda Frey
Team: Förderverein Traisa e.V.
Kommune: Mühltal im Landkreis Darmstadt-Dieburg

Gestern war ein Tag mit einer Achterbahn von Gefühlen: überschäumende Freude, emotionale Rührung, Todesangst, Nervenkitzel und Erschöpfung. Die Woche selbst war durch zwei große Radtouren eine gute Ausbeute in den Kilometern. Durch kranke Kinder und viel Arbeit habe ich aber im Alltag fast keine Kilometer gemacht.

Samstag sind wir mit den Kindern fast von Mühltal nach Frankfurt gefahren. Ich bin mit dem Baby die komplette Strecke gefahren und die Kinder ab Nordbahnhof über die Großeltern in Wixhausen zum Goetheturm und dort zum Lokalbahnhof. Wir sind also Teile des neuen Radschnellweges gefahren und das war sooooo toll! Ich hab mich auch total gefreut über die durchdachten Mülleimer, die so schräg stehen, dass man beim langsamen vorbeifahren zielsicher was wegwerfen kann! Leider sind da noch viele Baustellen und wir mussten dann Umwege fahren, die durch Städte (Langen?) gegangen sind und nicht so kinderfreundlich waren. Insgesamt bin ich 50 km gefahren und die Kinder jeweils 41 km.

Am Sonntag war morgens die Kidical Mass (von mir organisiert), die ein durchschlagender Erfolg war! Über hundert Leute waren da und es war so toll! Das Ordnungsamt und die Polizei hat uns die Bundesstraße gesperrt und wir haben laut in fast Dauerschleife das neue Lieb von Böhmermann gehört: Warum hört der Fahrradweg einfach hier auf? Das waren die Gefühle überschäumende Freude und emotionale Rührung. Es war so schön zu sehen, wie die Kinder auf der Straße fahren und sich soooo darüber freuen. So müsste es immer sein, die Straße soll den Menschen gehören! Übrigens: in Mühltal gibt es über 14.000 Einwohner, aber „nur“ 9.000 Autos. Auch im Durchschnitt in Deutschland ist es so, dass etwa ein Drittel der Menschen keinen Zugang zu einem Auto haben. Soziale Teilhabe ist also NICHT, wenn viel Platz für Autos da ist.

Nach der Kidical Mass wollte ich zum Hoffest von „unserer“ Solawi in Hoxhohl. Ich bin also mit dem Fahrrad nach Hoxhohl gefahren und musste leider zwischen Waschenbach und Frankenhausen und zwischen Ernsthofen und Hoxhohl das Gefühl Todesangst erleben. Obwohl sich die Autofahrer vorbildlich verhalten haben und immer genügend Abstand gehalten haben. Es ist einfach sehr beängstigend, wenn mit 2,5 m Abstand ein riesiges Auto mit 70 km/h an einem vorbei brettert. Wann sind eigentlich die Autos so riesig geworden? Leider war mein Handy Akku schon fast leer beim losfahren (altes Handy…) und so konnte ich keine Schleichwege durch die Wälder fahren. Fahrradwege gibt es nicht und die Schleichwege sind nicht ausgeschildert (die Grünen haben das in Mühltal vor einem Jahr beantragt, aber nichts ist beschildert worden). In Hoxhohl angekommen wurde uns gesagt, wir müssen wo ganz anders hin, sind dann also nochmal eine Weile weiter gefahren. Als meine Reichweitenanzeige nur noch 10 km gezeigt hat, hab ich dann nochmal mit dem Handy meines Mannes (er fuhr mit dem Auto und wir trafen uns bei Hoxhohl) und dann herausgefunden, dass das Hoffest noch viel weiter weg ist. Dahin hätte ich es nicht mehr geschafft und ich habe sowieso schon gebangt, ob ich mit meinem Akku überhaupt noch nach Hause komme (Nervenkitzel). Wir haben uns dann von Mühltalern, die im Modautal spazieren waren, den Modau Radweg empfehlen lassen. In Ernsthofen haben wir uns im Biergarten nochmal gestärkt und dann bin ich an der Modau entlang über Ober-Ramstadt nach Hause gefahren. Dort war alles wunderbare ausgeschildert und die meisten Wege waren sogar asphaltiert! So wünsche ich es mir auch für Mühltal! Zuhause war ich dann nach 40 km (und gefühlten 1000 Höhenmetern, realistisch vielleicht ein paar hundert) Fahrradfahren sehr erschöpft.

Bild

Teilen: Facebook | Twitter