Jazz Folk Bike und der Lockruf der Hirten: Über Free Jazz und die Suche nach dem Ziel

Image Written on 07.06.2021 by Gerd Harthus
Team: Fahr Rad in Stuhr
Municipality: Stuhr

Jazz is dead lautet der Titel der ersten CD, die ich beim Radeln höre. Eine Anspielung auf Frank Zappa, einen der kreativsten Stimmen amerikanischer Musik des 20. Jahrhunderts. Die Musik weckt Assoziationen. Wo will ich heute hin? Jazz? Bike? Syke? Und dann? Mal sehen, ich weiß es einfach nicht. Mehr in Richtung Weser? Oder irgendwie nach Harpstedt, wo ich überhaupt noch nicht war. Oder die Syker Rundtour. Ich lande irgendwie Am Winkeler Felde und fahre bei unserem Sponsor Avacon vorbei. Samstag haben sie uns ein Konzert beschert, dass wir gestreamt haben. Das Festival ist in diesem Jahr ausgefallen.
Aus den In-ear-Kopfhörern tönen afrikanische Stimmen und eine Hardanger Fidel: Das Erlend Apneseth Trio aus Westnorwegen spielt mit nomadischen Traditionen, den Ursprüngen der Musik in der frühbäuerlichen Kultur. Die kurvenreiche Strecke durch Henstedt-Hoope reizt mich. Bassum ist gedanklich abgehakt, spontan drehe ich nach Heiligenfelde ab. Klar, Wachendorf soll's sein. Es läuft rund, Musik und der Rhythmus der Pedale, die Hügel der Syker Geestlandschaft. Faszinierend, wie Apneseth Folk und Jazz und den Sound der norwegischen Almkultur zusammenbringt.

In Wachendorf kommt Joshua Redman um die Ecke: Come what may! Der amerikanische Saxophonist beamt mich nach Norwegen, wo ich 1983 seinen Vater mit Old and New Dreams hören durfte: in Molde. Nein, nicht nach Osterholz, es zieht mich nach Schnepke. Statt einer Rundfahrten mache ich vielleicht eine Acht. Redman singt und groovt: Nach der Wahl sagte gestern eine Journalistin, die Demokratiefeindlickeit vererben sich in den Familien. Empörte Kommentare! Das Saxophonspiel, die Einstellung zur Musik jedenfalls kann von Vätern an ihre Söhne weitergegeben werden. Ein blöder Anruf auf dem Handy verhindert, dass ich bei der Deutschen Eiche in Richtung Okel abbiege. Es war unwichtig, aber ich fahre durch Syke. Gesseler Straße, kürzester Weg nachhause?

Da steht ein Klavier aufm .... Hof. Ich halte an und mache ein paar Fotos. Es erinnert mich an JFB, unser Festival. Und Stanisław Kulawiak, einen Fotografen aus Ostrzeszow, der Stuhrer Partnerstadt in Polen. Er schenkte mir vor vielen Jahren ein Foto, das seinen Vater in der Ortschaft Bobrowniki in meditativen Haltung beim Fahrradflucken zeigt. 1979, schwarz-weiß. Doch, ich will noch über den Hohen Berg.

Fotos, Musik, Improvisation. Intuitives Verständnis, nicht wissen, was als nächstes kommt. Der Weg ist das Ziel. Loslassen, spontan entscheiden, wie es weiter geht. Freiheit. Immer dem Vorlauf des Vorderrades folgen. Das ist doch etwas, für das es sich lohnt zu leben.

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