3 Wochen autofrei mit Kleinkind - Was ich gelernt habe

Image Written on 22.09.2021 by Frauke Beckert
Team: #Offenes Bezirksteam Marzahn-Hellersdorf
Municipality: Berlin

Das Wichtigste zuerst. ES GEHT. Nicht ganz ohne Überwindung, und auch nicht ganz, ohne auf Komfort zu verzichten. Im Regen fährt es sich eben doch besser in einem warmen Auto... das gilt nicht einmal in erster Linie für mich selbst, aber für mein Söhnchen. Der soll ja das Fahrradfahren als etwas Schönes, Erstrebenswertes kennenlernen, und nicht als eine Last und einen Ort, an dem ihm ständig kalt ist.
Nach drei Wochen, in denen ich keinen Fuß ins Innere eines Autos gesetzt habe, fühle ich mich auf jeden Fall energetischer als vorher. Das Radfahren als Mittel der Fortbewegung ist mir auch wieder präsenter. Wenn ich darüber nachdenke, wo es morgen hingehen soll, dann denke ich das Radfahren mit.
Einige Umstellungen waren notwendig: Ich musste lernen, mit Kleinkind UND Gepäck TROTZDEM noch einkaufen zu gehen. Gar nicht so leicht... und ich werde wohl in einen anderen Fahrradständer investieren. Immer noch eine kleine Investition im Vergleich dazu, was ich sonst an Benzin verfahren hätte! Und deshalb auch voll im Rahmen.
Es hätte noch mehr Spaß gemacht, wenn die Radwege besser wären. Radverkehr muss nicht nur mitgedacht werden, er braucht einfach manchmal Vorrang. Wenn ich mit dem Rad an JEDER. VERDAMMTEN. AMPEL. anhalten muss, dann macht das keinen Spaß. Radfahrer brauchen grüne Wellen, genau wie man sie sich im Auto wünscht. Marzahn hat ein massives Problem mit parkenden Autos. Das Zuparken von Kreuzungen und Wegen macht das Radfahren unnötig gefährlich, weil man sehr oft nichts sehen kann, oder nicht gesehen wird. Dieses Problem kann nur gelöst werden, indem Möglichkeiten geschaffen werden, wo man legal und praktisch sein Auto abstellen kann. Tiefgaragen zum Beispiel, oder Parkhäuser anstelle unendlich riesiger Parkplätze. So, wie man Menschen in Wohnhäusern stapelt, weil der Platz eng ist, muss man auch anfangen, Autos zu stapeln! Und natürlich muss Parken was kosten - es kann doch nicht sein, dass wir 1500 Euro Miete für 90m² Wohnung bezahlen, aber gleichzeitig könnten wir 100 Autos einfach so kostenfrei herumstehen lassen.
Außerdem gibt es hier, außerhalb der Ringbahn, viel weniger Möglichkeiten, wie ich mein Fahrrad auch über längere Strecken in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen kann. Busse fahren zu selten (oder nicht weit genug), um sie wirklich effektiv zu nutzen. Sobald ich einen Fuß nach Brandenburg setze, ist sowieso alles anders. Was total merkwürdig ist, denn Brandenburg beginnt literally auf der anderen Straßenseite...
Berlin braucht beides, bessere Möglichkeiten für Autos UND bessere (und mehr) Radwege. Wenn beides gemeinsam geplant wird, entsteht ein Gesamtbild einer zukunftssicheren Mobilität. Eine Vision von einem Berlin, das 2030 autofrei ist, klingt zwar super - aber let's be honest, es wird nicht passieren. In einer Stadt, die 12 Jahre braucht, um einen Flughafen zu bauen, wird ein solcher Schritt doch nicht in 9 Jahren realisiert. Also bitte, Politiker von Berlin - guckt mal über die Ringbahn hinaus, baut Öffis auch in den Außenbereichen aus. Bindet Brandenburg besser an, sodass Pendlern mehr Möglichkeiten gegeben wird. Schafft mehr Radwege und auch mehr Möglichkeiten, Autos effizient zu fahren UND abzustellen. Dann kriegt ihr das mit dem autofreien Berlin bestimmt irgendwann hin.

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