Blog VEDETTE EN SELLE : Martin Langlotz


Zieleinlauf im Abendrot

Image Ecrit le 14.09.2021 de Martin Langlotz
Equipe: Offenes Team - Freinsheim
Municipalité: Freinsheim im Landkreis Bad Dürkheim

Tag 20, am vorletzten Tag des Stadtradelns zieht es mich mal wieder in die „alte Welt“, die irgendwo hinter Schallodenbach beginnt und laut Überschrift eines älteren Artikels der Rheinpfalz „Ein Geheimtipp für Entdecker ist“. So ist diesem Artikel zu entnehmen, dass „sich dort bewaldete Hügel mit Tälern abwechseln, in denen beschauliche Dörfer und reizvolle Städtchen verstreut liegen. Es ist eine abwechslungsreiche „bucklige Welt“, wie geschaffen zum Entschleunigen und Genießen.“ Und womit lässt sich diese Welt wohl am besten erkunden? Richtig, mit bzw. auf zwei Rädern, muskelbetrieben selbstverständlich. Zum Holbornerhof hinauf muss ich auch prompt mal wieder anhalten und Bilder machen. Immer wieder beeindruckend diese Landschaft!
Bereits auf der Anfahrt entdecke ich aber auch auf dem Radweg zwischen DÜW und Frankenstein, dass der Herbst sich ankündigt. Die ersten Anhäufungen brauner, verwelkter Blätter sind zu erkennen. Genießen wir noch die verbleibenden schöne Tage, wobei auch der Herbst durchaus seine reizvollen Seiten hat.
Tag 21, am letzten Tag des Stadtradelns trete ich zur Königsetappe an: 262 km über die Südpfalz nach Bitche im Elsass und über Wörth am Rhein, am Rhein entlang nach Speyer und zurück. In Annweiler stoße ich auf auffällig viel Verkehr, wohl wieder mal durch eine Straßensperrung verursacht. Selbst die Polizei hat mit Blaulicht Schwierigkeiten durch den Autostau zu kommen. Autofrei hingegen der Radweg von Pirmasens nach Bitche. Sehr zu empfehlen. Es geht durch Wald und über Wiesen bis plötzlich einem aus der Ferne die mächtige Festung von Bitche in den Bann zieht. Auf dem Rückweg geht es dann Richtung Wissembourg erst einmal durchs Militärgebiet mit zahlreichen Hinweisen die Straße nicht Richtung des schönen Waldes zu verlassen. Auch das Elsass hat beschauliche Dörfer zu bieten, natürlich zusätzlich mit über die Grenzen hinweg bekannten Verpflegungsmöglichkeiten, die in der Vergangenheit den einen oder anderen bekannten Politiker bereits herbeigelockt haben. Für mich sind diese heute keine Option, da sie mit Sicherheit mit vollem Bauch dann Endstation für mich bedeutet hätten. Ach ja … und buckelig ist diese „Elsasswelt“ auch.
Von Wissembourg aus steuere ich Kandel an und bin mal wieder erstaunt, wie nah eigentlich unser Nachbarland Frankreich liegt und warum es gleich mehrere Kriege gebraucht hat, bis wir endlich zu einer friedlichen, schönen Freundschaft mit unseren Nachbarn gefunden haben.
Über Wörth geht es dann Richtung Rhein und ich freue mich schon, meine Gänsefreunde wieder zu sehen. Die Freude wird jedoch etwas getrübt. Der Asphalt ist weg bzw. aufgeraut. Mit stark eingeschränktem Tempo rüttelt es mich gen Germersheim. Meine Freunde waren übrigens da. Der raue Asphalt störte sie nicht im Geringsten.
Am Ende meines kleinen Tagesausflugs empfängt mich eine wunderschöne Abendsonne in Freinsheim. Die Haardt und der Friedhof sind in rotes Licht getaucht. Ein schöner Ausklang meiner Stadtradelzeit 2021!

Mein Fazit dieses Jahr: Es bleibt noch viel zu tun und für alle Verkehrsteilnehmer vor Allem auch noch viel zu lernen. Und mit alle meine ich auch wirklich alle. Radfahrer aller Couleur, Motorradfahrer, Autofahrer und auch Fußgänger schließe ich mit ein. Zu lernen gilt es aufmerksam zu sein, mitzudenken im Sinne von Verkehrsfluss, entspannter zu sein, nicht immer gleich andere mittels Hupe oder Gestikulieren belehren zu wollen, sondern besser durch eigenes Verhalten Positives vorzuleben.
Parkende Autos auf Radwegen müssen nicht immer sein, kann man aber auch im Einzelfall als Radfahrer mal gelassen umfahren. Mit dem Abstand beim Überholen gibt es jedoch meiner Meinung nach, keine Toleranz, schon gar nicht, wenn belehrend und hupend kein Blatt mehr zwischen Auto und Radfahrer passt. Das ist teils sehr grenzwertig und lebensgefährlich! Besonders irritiert es mich, als mich ein Auto, das es offensichtlich sehr eilig hat, mit sehr geringem Abstand überholt, am Heck ein Fahrradträger montiert, huckepack ein Rennrad. Dazu fällt mir nichts ein …
Und was bleibt zu tun? Radwege, Radwege, Radwege! Dabei ist mir aber auch bewusst, dass das abgesehen von den Kosten, kein einfaches Unterfangen ist. Das fängt schon damit an, dass Radfahrer ja nicht gleich Radfahrer ist. So ist der Rennradfahrer an sich ja grundsätzlich auf maximal schnelles Vorankommen programmiert. Es darf da auf keinen Fall etwas in den Weg kommen. Schon gar nicht, wenn er auf der Jagd ist. Zu jagen gibt es nämlich so einiges, z.B. imaginäre Bestzeiten, diverse Social Media Trophäen in der Zweit/Onlinewelt, überholende, schwergewichtige E-Bikefahrer, Traktoren, Triathleten mit Zeitfahrrad, etc.. Im Ernst, was ich meine ist, dass man durchaus nicht nur Autostraßen zum ungehinderten Vorankommen konzipiert, sondern auch mal bei der Konzeption von Radwegen an ein optimales Vorankommen der Radfahrer denkt. Keine unnötigen Schleifen, kein ständiger Wechsel von der einen auf die andere Seite, Zufahrmöglichkeiten nicht nur am Anfang und Ende des Radwegs, keine versteckten Radwege … es gäbe noch einiges aufzuzählen. Als Beispiel, wie es nicht sein sollte: Ortseingang Ungstein ist vielleicht maximal 3 Meter ein Radweg aufgezeichnet und das wars. Fährt man dann um die Ecke, sind rechts Parkplätze eingezeichnet. Was jetzt? Radweg oder Parkplätze?
Zum Schluss noch eine Anmerkung zur Werbung für das Stadtradeln. Während mich die Anzahl an Wahlplakaten unterschiedlichster Parteien fast erschlägt, erscheint mir die Werbung fürs Stadtradeln 2021 etwas lustlos zu sein. Ich habe auf meinen Touren so gut wie keine Werbeplakate für das Stadtradeln entdecken können, und wenn dann an unübersichtlichen Stellen. Auch die bunt bemalten dekorierten Räder, üblicherweise an den Ortseingängen, können mich nicht wirklich begeistern. Da bin ich von unseren französischen Nachbarn anderes gewohnt.
So jetzt aber genug genölt! Stadtradeln ist und bleibt eine super Sache, die ich absolut gut finde und die maximal zu unterstützen ist. Ich werde jedenfalls weiterhin Werbung dafür machen und möglichst viele Menschen versuchen davon zu überzeugen, dass die Alternative zum Auto durchaus auch mal das Fahrrad sein kann. In diesem Sinne wünsche ich mir mal wieder möglichst viele Radkilometer, auch wenn nicht immer als Ersatz für das Auto, und verabschiede mich vom diesjährigen Stadtradeln.
Radelnde Grüße
Martin

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Von Schnaken verfolgt …

Image Ecrit le 14.09.2021 de Martin Langlotz
Equipe: Offenes Team - Freinsheim
Municipalité: Freinsheim im Landkreis Bad Dürkheim

Tag 13, wie bereits angekündigt startet die neue Woche abends erstmal mit einem platten Hinterrad. Also erst mal Hinterrad raus, mit dem Mantel kämpfen – warum muss das eigentlich immer sein, am Ende verliert er ja doch, also könnte er doch gleich von der Felge gehen. Oh, Schlauch passt nicht, Ventil zu kurz. Gut, dass ich jetzt nicht schon unterwegs bin. Nicht, dass ich genau diesen Schlauch schon kilometerweit als Ersatzschlauch mit mir geführt habe. Wir lernen mal wieder 2 Dinge: Alles Schlechte hat auch etwas Gutes und überprüfe sehr genau Dein Material!
Mit Verspätung mache ich mich schließlich auf den Weg und kreise um Freinsheim. Es fängt an zu regnen und ich werde nass. Es wird dunkel. Licht an. Mein Akku des Rücklichts macht noch kurz vor Freinsheim in Herxheim am Berg schlapp. An der roten Ampel macht mich ein freundlicher Autofahrer darauf aufmerksam. Ich verstehe erst mal nicht, was er mir vom Fahrersitz aus über die geöffnete Scheibe der Beifahrerseite sagen will. Erwische mich aber schon dabei, wie ich im Hirn zunächst mal auf negativ programmiere, ehe ich dann auch kapiere, dass das doch sehr positiv ist … Meine Lupine auf volle Leistung, Freinsheim vor mir im Scheinwerferlicht, rolle ich bergab mit positivem Adrenalin im Blut nach Hause.
Tag 14, Heute starte ich zu einer längeren Tour mal wieder über Wörth am Rhein. Gleich zu Beginn an der Eisenbahnbrücke Freinsheim, ein Autoerlebnis. Im Gegensatz zu gestern Abend aber eins eher zum Aufregen … was ich natürlich nicht tue. Ich denke mir nur meinen Teil. Außerdem bin ich eh der Schwächere von Beiden. Ich frage mich allerdings, warum fahren 4 Autos infolge durch die enge Brücke, ohne auch nur im Ansatz darüber nachzudenken, dass Ihnen ja ein Fahrrad mit Vorfahrt entgegenkommt. Umgekehrt werde ich nur wenige Tage zuvor angehupt, weil ich von der anderen Seite kommend, den Schwung nutzend noch schnell durch die Brücke fahre.
Nach einer dann sonst schönen Fahrt, komme ich am Rhein an und will eine kurze Pause auf einer Bank einlegen. Kaum, dass ich sitze, fallen die Schnaken über mich her und fluchtartig sitze ich wieder auf meinem Rad und esse mein Brot lieber im Fahren, als dass ich von den Schnaken aufgefressen werde. Das sollte diese Woche nicht mein letztes Erlebnis mit Schnaken bleiben …
Tag 15, meine Wege heute führen mich um Maxdorf. Dabei fahre ich auch von Ellerstadt nach Fußgönheim und entdecke einen neuen Radweg. Gleich mal testen. Test bestanden. Schöner, auch mit dem Rennrad fahrbarer Radweg. Im Gegensatz dazu breche ich mal wieder meinen Versuch ab, den Rad-/Wirtschaftsweg von Maxdorf nach Lambsheim zu nutzen. Zu sehr verschmutzt von landwirtschaftlichen Fahrzeugen und noch dazu sehr uneben. Schade auch. Denke dieses Problem lässt sich nur durch getrennte Wege lösen.
Als ich schon auf dem Rückweg nach Freinsheim bin, treffe ich auf die Jungs vom Radtreff der Triathleten von Maxdorf und fahre ein kurzes Stück mit ihnen mit. Uff, ist das anstrengend … früher ist man da auch leichter mitgerollt. Man wird halt älter ?. An der Abbiegung kurz vor Ungstein, von Erpolzheim kommend verabschiede ich mich aus der Gruppe und fahre Richtung Freinsheim weiter. Dies ist übrigens auch für Radfahrer eine schwierige Passage. Denn man hat hier die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder man fährt noch ein kurzes Stück bis Ungstein, um auf den Radweg auf der anderen Seite zu kommen oder man muss noch bis Höhe Wasserwerk auf der Straße fahren, um dann auf den Radweg gegenüber zu wechseln. Wie auch immer Herr „Oberschullehrer“ hat mich hier auch schon angehupt, bevor ich auf den Radweg wechseln konnte.
Tag 16, zur Erklärung meiner heutigen Tour muss ich einen kurzen Ausflug in das Jahr 2008 machen. Damals habe ich mit einigen Freunden in 7 wunderschönen Tagen (im Großen und Ganzen auch wettermäßig) mit dem Mountainbike die Alpen überquert. Und in Erinnerung daran bin ich heute mit einigen der „Alpenjungs“ gemeinsam unterwegs, allerdings im Pfälzer Wald. Keine Alpen, aber zweifelslos auch schön. Auf dem Rückweg kommen wir durch Neustadt und ich stelle fest, dass hier zwischenzeitlich ein neuer Radweg aufgemalt wurde. Die Farbe glänzt noch ganz frisch. Gut so! Im weiteren Verlauf geht er zwar auf den alten Radweg auf dem Bürgersteig über, aber wenn man schon auf dem Radweg ist, fährt man hier dann auch weiter. Das Sahnehäubchen wäre noch gewesen, wenn auch die Büsche, die in den Radweg reingewachsen sind geschnitten worden wären.
Ein grasser Unterschied zu den Alpen noch zum Schluss auf den letzten Metern Richtung „Autobahn und Stadt“. Autos ohne Ende. Vermutlich durch eine Umleitung ausgelöst reißt die Kette der Autos die uns überholen nicht ab.
Tag 17, nach nunmehr 1,5 Jahren coronabedingter Abstinenz, bin ich mal wieder zu einem Volkslauf, dem Flugplatzlauf in Speyer angemeldet. Mit dem Fahrrad anzureisen hat hier den Vorteil bereits aufgewärmt zu sein und man kann zusätzlich die verbleibende Zeit bis zum Start mit ein paar Schleifchen am Rhein verbringen. Bewegung ist allemal angesagt, denn Stillstand heißt geballte Schnakenattacke. So viele Hände hat man gar nicht um die Angriffe abzuwehren. Da der Lauf erst gegen 20 Uhr startet, ist für den Rückweg mal wieder Licht gefragt. Dieses Mal mit ausreichend Akkuleistung.
Tag 18, am Samstag geht es nochmal in den schönen Pfälzer Wald. Über Rotsteig am Kurpfalzpark vorbei hinter Lambrecht ins Elmsteiner Tal abgebogen. Den Weg zur Rotsteig hinauf zähle ich die mit Verbrennungsmotor angetriebenen Fahrzeuge. 36 an der Zahl. Echt wenig für sonst, was ich hier schon an Überholvorgängen erlebt habe. Ein einziges E-Auto kommt mir entgegen. Immer wenn ich hier fahre, habe ich die Vision einer auto- und motorradfreien Straße und einer alternativen elektrobetriebenen Transportmöglichkeit für die ganzen Wald- und Kurpfalzparkbesucher, die ich ja auf keinen Fall um ihr Walderlebnis bringen möchte. In Wachenheim würde sich doch sicher ein ausreichend großer Parkplatz finden, von wo aus mit Bus oder Bergbahn verschiedene Punkte im Wald anzusteuern wären. Vielleicht wird meine Vision ja mal irgendwann in der Zukunft Wirklichkeit. Schön wäre es.
Ganz anders die Straße Richtung Waldleiningen. Nur sehr wenige Autos und Motorräder. Sehr naturbelassen, eine Wohltat, man weiß gar nicht wo man überall hinschauen soll. Einmal muss ich einfach anhalten und ein Bild machen. Prompt kommt eines der wenigen Autos um die Ecke und hält sogar an, um nachzufragen, ob alles in Ordnung ist oder man helfen kann. Das passt perfekt in die positive Stimmung hinein.
Tag 19, vom Sonntag ist relativ schnell berichtet. Unser wunderbares Enkelkind Julia ist heute den ganzen Tag bei uns. Radfahren deshalb nur zu 2 Spielplätzen hin und wieder zurück.

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Weiter geht die gute Fahrt …

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Equipe: Offenes Team - Freinsheim
Municipalité: Freinsheim im Landkreis Bad Dürkheim

Tag 6, die neue Woche beginne ich mit einer morgendlichen Fahrt Richtung Neustadt/Haßloch mit der Aussage ich bin spätestens 12.30 Uhr wieder zurück … suche den Fehler… In Haßloch angekommen überlege ich, den Blick immer auf die Uhr gerichtet, wie ich den Rückweg gestalten könnte. Die Entscheidung fällt auf die Variante Abkürzung!!! der Radwegbeschilderung folgend, auf direktem Weg wieder nach Mußbach. Hm … aus schnell zurück wurde eine Zick Zack-Fahrt durch die Weinberge auf verschmutzen, teils nicht asphaltierten Wirtschaftswegen. Was lernen wir daraus? Traue keiner Radwegbeschilderung der du noch nicht erfolgreich gefolgt bist oder habe Zeit und Bereitschaft schlechte Wege zu fahren oder gar zu schieben. Am Ende war ich dann doch schon 13.15 Uhr zu Hause … Stimmung „perfekt“ …
Am Nachmittag dann noch eine Fahrt ins Altleininger Tal mit Abzweig hoch nach Wattenheim. Schönes Tal unterhalb der Burg, aber leider fängt es an zu regnen, was aber auch keine Überraschung ist.
Tag 7, heute die Vortour für die morgige Fahrt mit meinem Freund Mirko. Ziel ist Wörth am Rhein, mit Rückfahrt am Rhein entlang bis Speyer. Ich lasse mich von meinem Garmin navigieren und entdecke neue Wege abseits der stark befahrenen Weinstraße von DÜW nach Forst. Allerdings auch Scharen von E-Bike-Touristen, die die volle Breite der Wege ausnutzen, um nebeneinander fahrend ihr Schwätzchen zu halten. Alles okay, wenn behelmt und trotzdem noch auf andere Verkehrsteilnehmer geachtet wird. Wenn ich dann allerdings „Oberschullehrekommentare“ wie: KLINGEL!!! zugerufen bekomme, weil ich mit einem „Achtung“ anstatt der Klingel auf mich aufmerksam mache, muss ich schwer an der Wahrung meiner Toleranz arbeiten … Jedenfalls werde ich zukünftig dann doch wohl wieder die stark befahrene Weinstraße bevorzugen.
Auf meinem weiteren Weg treffe ich dann noch auf andere Formen der scharweise Zusammenrottung …allerdings nicht als Hindernis auf meinem Weg, sondern elegant erhoben in der Luft. Störche gleiten filigran dahin, offensichtlich auf der Suche nach Nahrung für den Nachwuchs. Auch der Nachwuchs der Raubvögel macht sich hörbar bemerkbar und die Eltern stehen am Himmel in Nichts an Eleganz den Störchen hintenan. Als ich dann später am Rhein entlang Richtung Germersheim fahre, treffe ich doch noch auf ein tierisches Hindernis auf dem Boden. Gänse lümmeln auf dem Weg und sehen gar nicht ein, warum sie diesen zweibeinigen Wesen auf zweirädrigen Ungetümen Platz machen sollen. Schließlich waren sie schon immer hier am Rhein!
Tag 8, mit Mirko fahre ich heute die alt bekannten Wege ab DÜW. In Neustadt übernimmt Mirko dann die Führung, da er das kurze Stück Bundesstraße meiden will. Er entdeckt eine Radwegbeschilderung und wir folgen ihr … wie wird das wohl ausgehen … richtig, es fängt damit an, dass der Asphalt verschwindet und wir auf Waldboden unterwegs sind … "das ist nur ein kurzes Stück" „Zitat Mirko“ … na ja am Ende kommen wir auf Umwegen und wieder mal Zick Zack fahrend in Kirrweiler an.
In Herxheim bei Landau angekommen halten wir an, um den weiteren Weg zu entscheiden, da wir aufgrund des Umweg's durch den Wald aus dem Zeitplan gelaufen sind. Prompt erhalten wir ein sehr nettes Hilfsangebot einer jungen Frau, die uns behilflich sein möchte den richtigen Weg zu finden. Das Gegenteil an Freundlichkeit erfahren wir dann kurze Zeit später auf der Weiterfahrt. Kaum dass Mirko bemerkt hat, dass wir heute ja noch gar nicht angehupt wurden, überholt uns ein wild hupender SUV. Schön, danach auf dem Rheindamm zu landen und ohne lauten Straßenverkehr und hupende Zeitgenossen dahin zu gleiten. In Speyer wollen wir unseren Unterzucker mit Leckereien vom Bäcker wieder auffüllen. Doch der hat bereits ab 17 Uhr geschlossen. Gut, dass nebenan eine uns noch von unserer letztjährigen Rheinland-Pfalz-Rundfahrt bekannte Tankstelle ist. Bewährtes ist halt immer eine gute Alternative.
Auf der anderen Rheinseite kommen wir in Mannheim Rheinau in einen Stau, an dem wir aber entspannt auf dem Radweg vorbeifahren können. Einer der wenigen Fälle mit Vorteil für das Rad!
Tag 9, bin mal wieder in Haßloch gelandet und will eigentlich zur Straße von Böhl-Iggelheim nach Speyer fahren. Biege jedoch falsch ab und lande an der Aumühle. Mal wieder spät dran, entscheide ich mich erneut (wie der Affe im Disney Tierfilm, der schon mehrfach in Ohnmacht gefallen ist, nachdem er die Schlange unter dem Topf entdeckt hat, unter den er jedes Mal neugierig geschaut hat) für einen Radwegweiser, dieses Mal nach Speyer. Mit dem Auto wäre das wohl auch kein Problem, da die Autowegweisschilder sowie die Straßen in der Regel ja gut erkennbar sind. In meinem Fall leider jedoch wieder eine weitere Enttäuschung. Das Übliche, irgendwann mal keine Schilder mehr und die Krönung dann ein verwahrloster, mit Büschen zugewachsener und verwurzelter Weg. Natürlich bin ich auch in diesem Fall irgendwann in Speyer angekommen, aber entspanntes Reisen geht anders. Ich bin übrigens an diesem Tag auch nicht der einzige orientierungslose und wegsuchende Radler. Einem älteren Ehepaar (unterstelle einfach mal, dass sie verheiratet waren ?) geht es ähnlich wie mir.
Tag 10, nachdem ich nun schon mehrfach die Radwegbeschilderungen kritisiert habe will ich auch mal von einem positiven Erlebnis berichten. Die gibt es nämlich durchaus auch! Und zwar nicht zu wenig! Von Haßloch komme ich ohne Probleme nach Meckenheim, dem Radweg und dessen Beschilderung folgend.
Tag 11, am Samstagmorgen entscheide ich mich kurzfristig um und fahre keine größere Runde von Freinsheim weg, sondern kreise in Runden um Freinsheim, um dann zur Frühstückszeit Brötchen beim Bäcker für ein gemeinsames Frühstück zu Hause zu holen. Ich weiß nicht, wie oft ich auf meinen Runden beim Bäcker vorbeikomme, aber jedes Mal steht eine Menschenschlange vor dessen Tür. Samstags Morgen ist offensichtlich Brötchenholzeit.
Nach dem Frühstück und einer kurzen Arbeitseinlage, fahre ich dann nachmittags nochmal ins Altleininger Tal und treffe dort zufällig Mirko, der mich vor dem Regen „hintenraus“ warnt. Ich wähle daher alternativ den Weg über Höningen und die Lindemannsruhe, werde aber trotzdem ordentlich nass.
Tag 12, am Sonntagmorgen mal eine andere sportliche Bewegung. Ein entspanntes Läufchen durch die Weinberge mit meiner lieben, „Rennradgeduligen“ Frau. Anschließend wieder eine Fahrt zum Rheindamm. Dort treffe ich einen netten Rennrad-Fahrer aus Lingenfeld, der verständlicher Weise zu Hause eine Dusche einer regennassen Weiterfahrt vorzieht. Ich werde noch ab Haßloch so richtig nass und lande mal wieder auf unbefestigten Wegen mit ordentlich vielen Steinen. Die Quittung werde ich dann am Montag erhalten. Reifen Hinterrad platt!

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Und los geht es …

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Municipalité: Freinsheim im Landkreis Bad Dürkheim

Tag 1, mein erster Weg mit dem Rad führt mich zum Einkaufen nach Frankenthal. Läuft, es rollt ganz gut. Voller guter Vorsätze gleich mal den Radweg kurz vor Frankenthal ausprobieren … es läuft nicht mehr … zu viele Wurzeln … gleich wieder runter. Schade. Dann die nächste Euphoriebremse: Maske vergessen, liegt ja sonst im Auto … blöd. Okay auch das lässt sich lösen. Eine nette Dame, die ich anspreche (versteht mich wohl erst falsch und lehnt mein Anliegen erst laut und empörend ab), kauft mir (dann doch) in der Apotheke eine Maske … in schwarz, passend zu meinem Outfit (schwarze Radhose und schwarzes Radtrikot) … „darth vader“ kann dann doch noch einkaufen gehen.
Am Nachmittag dann nach DÜW zur Eröffnungsveranstaltung. Hinter Erpolzheim gibt es ja einen neuen Radweg, den doch gleich mal ausprobieren … hm, auch hier gleich wieder runter. Die Sandberge auf die ich treffe gefallen meinen Rennradreifen und mir überhaupt nicht. Schließlich will ich ja nicht auf der Nase, sondern heil in DÜW landen.
Am späten Nachmittag, dann noch zu einem Termin nach Mannheim … es hat sich nichts geändert … spätestens ab Oggersheim ist ein flüssiges Rad fahren unmöglich. Zu viele Ampeln und sonstige Hindernisse der Stadt. Auf dem Rückweg am Abend mit Licht, dann die Entschädigung: wenig Verkehr gestattet ein angenehmes dahinrollen.
Ach ja, die App, die hatte ich natürlich auch im Einsatz … voller Erwartung einer gegenüber dem Vorjahr verbesserten Version. Was soll ich sagen … um es mal in Anlehnung an Janosch (sollte jemand Janosch nicht kennen, ist ein Kinderbuchautor und sehr zu empfehlen) zu sagen: „Bruchstückstrecken“ der App gelöscht, Strecke von Garmin eingetragen, Sense aus!
Tag 2, heute einkaufen in Freinsheim … verdammt, schon wieder die Maske vergessen. Zurück Maske holen. Zweiter Anlauf: Okay dieses Mal Schlüssel für das Fahrradschloss und ein Eurostück für den Einkaufswagen vergessen. Letzteres lerne ich dann beim gelungenen Einkauf braucht man als radfahrender Einkäufer ja gar nicht, weil man ja einen Fahrradkorb oder einen Rucksack dabei hat, in den man gleich während des Einkaufs die Einkäufe platzieren kann.
Auf meiner Abendrunde dann meine ersten Erlebnisse mit Autofahrern. Zwischen Erpolzheim und Feuerberg steht mitten auf dem Radweg (den ich übrigens grundsätzlich fahre, weil er von der Bodenbeschaffenheit durchaus fahrbar ist) ein Auto, und gerade als ich daran vorbeifahren will, geht die Beifahrertür auf, wird aber auch gleich wieder geschlossen, als man mich wohl bemerkt hat. Einen Kommentar, dass es sich hier um einen Radweg handelt, kann ich mir nicht verkneifen. Hätte ich vielleicht aber auch etwas freundlicher zum Ausdruck bringen können. Später, als ich am Feuerberg vom Radweg runterfahre, biegt genau dieses Auto in Richtung Birkenheide ab und die Fahrerin gestikuliert entschuldigend in meine Richtung. Entschuldigung angenommen. Es gibt Gott sei Dank nicht nur Aggressionen zwischen 2- und 4-Rädern.
Ein weiteres „Autobegegnung-Erlebnis“ dann auf meiner weiteren Fahrt. Ein Erlebnis, das mir - man kann schon fast sagen regelmäßig - passiert. Kommen ein Radfahrer und ein Auto sich entgegen. Jeder hat ein Hindernis auf seiner Seite. Offensichtlich aus dem Recht des Stärkeren abgeleitet, fährt das Auto grundsätzlich als erstes ungebremst in die Engstelle rein. Da man nun halt auch tatsächlich der Schwächere (Klügere?) ist, gibt man halt klein bei.
Tag 3, früh morgens eine wunderschöne Fahrt durchs Zellertal und Kraft für den Tag getankt. Am späten Nachmittag, dann noch Lindemannsruhe. Hier allerdings sehr viel Verkehr. Ich frage mich, wo die vielen Autos im Altleininger-Tal hinwollen. Dazwischen eine Kiste Mineralwasser (allerdings nur die Flaschen) mit dem Rucksack nach Hause transportiert.
Tag 4, am Samstag dann die erste etwas längere Fahrt. Bei schönem, warmen Wetter fahre ich über Speyer nach Wörth am Rhein. Von dort suche ich den Weg an die Haardt, wobei ich feststellen muss, dass mein Garmin-Navi zwar durchaus schöne, mir noch unbekannte Wege findet, aber leider halt auch nicht immer. Und so landet man auch mal auf Schotterwegen oder fährt unnötige Schleifen in einen Ort hinein, um dann geradewegs wieder heraus zu fahren.
An der Tankstelle, wie gesagt, es war sehr warm an diesem Tag, dann noch eine nette Begegnung mit jungen Wandersleuten, die ebenfalls eine Erfrischung an der Tanke suchen. Wir philosophieren darüber, ob wirklich jedes E-Bike notwendig ist oder vielleicht in dem einen oder anderen Fall etwas Muskelkraft doch alternativ eher angebracht wäre.
Tag 5, heute die ersten Regentropfen auf meiner Fahrt, dieses mal „nur“ bis Lingenfeld. Regen und sandige Wirtschaftswege muss ich mal wieder feststellen, machen einfach keinen Spaß …

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3 Wochen Rad (intensiv) statt Auto … ein Resumee

Ecrit le 15.09.2020 de Martin Langlotz
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Hallo zusammen,

heute mein letzter Blogeintrag zum Thema Stadtradeln. Ich will mal versuchen meine Erkenntnisse, Erfahrungen aus den 3 Wochen als Stadtradelstar festzuhalten. Zunächst aber noch zu den beiden letzten Tagen des Aktionszeitraums. Montag ist relativ schnell erzählt. Stramme 1,9 km, die geringste Tagesleistung in den 3 Wochen. Ich nehme mir den Altersbonus noch die Wunden von unserer Rheinland-Pfalz-Tour zu lecken. Mirko setzt das Komma am gleichen Tag mal eben 2 Stellen nach rechts und macht 190 km! Die Kraft der Jugend. Dienstag dann nochmal ein wunderschöner Radelabschluss. Mirko und ich hatten die Idee noch an der Stadtradel-Rallye teilzunehmen. Da es der letzte Tag war, mussten wir halt alle angebotenen Rallyes auf einmal absolvieren. Mirko hatte mal wieder die (perfekte) Planung übernommen und so ging es am frühen Morgen erst mal durch den Wald zum Ungeheuer See. Hätte ich auch nie gedacht, dass ich mal mit dem Rennrad durch den Wald zum Ungeheuer See fahren würde … Anschließend noch weiter durch den Wald zum Bismarckturm. Danach wieder der gewohnte Asphalt. Hat Spaß gemacht die verschiedenen Rätselpunkt zu suchen und zu entdecken (wenn auch nicht immer ganz einfach und mit Hürden versehen). Was mich besonders überrascht hat, es gibt auch noch mir unbekannte und durchaus auch reizvolle Punkte in der näheren Umgebung (kann z.B. empfehlen, nicht immer nur durch Lambrecht durchzufahren, sondern auch mal in den Ortskern rein zu fahren. Sehr nett dort. Leider konnte ich die Tour aus zeitlichen Gründen nicht bis zum Ende mitfahren und musste mich in Freinsheim von Mirko nach 164 km verabschieden. So haben mir am Ende Grünstadt und Leininger Land gefehlt. Klar, Mirko hat das durchgezogen. Jedenfalls war das ein sehr schöner Abschluss der 3 Wochen.

So und was sind nun meine Erkenntnisse. Zunächst ganz klar: das Auto ist eindeutig gegenüber dem Rad bevorzugt wenn man die Gegebenheiten der Verkehrsinfrastruktur betrachtet. Die Verkehrsplanung hat eindeutig das Auto im Fokus. Das ist besonders an den Radwegen zu merken, soweit diese überhaupt vorhanden sind (schlechter, oft verschmutzter Belag, leider auch oft Glasscherben, oft keine direkte Linie parallel zur Straße, nur in eine Richtung vorhanden, schlechte bzw. schlecht ausgewiesene Zufahrtmöglichkeiten). Und am Fluss der Fortbewegung. Mit dem Auto gibt es deutlich weniger Unterbrechungen und Wartezeiten an Ampelanlagen. Dass es anders und besser geht hat mir der kurze Ausflug nach Luxemburg gezeigt. Sicher auch nicht das Optimum, aber schon deutlich besser. Ich will aber nicht nur negativ der Sache gegenüberstehen. Es gibt durchaus auch positive Ansätze hier etwas deutlich zu verbessern. Und mit dem Stadtradeln hoffe ich, dass sich das Bewusstsein zum Thema Rad fahren auch positiv verändern wird. Schön wäre auch, wenn die Zahl der aggressiven Autofahrer (und leider auch Radfahrer) abnehmen würde. Gefährlich wird es leider immer wieder, wenn der Autofahrer meint den Radfahrer belehren zu müssen. Durch wildes Hupen und grenzwertiges schneiden der Fahrlinie. Auch die neue Abstandsregel beim Überholen ist offensichtlich noch nicht bei jedem Autofahrer angekommen.

Ach ja, noch eine Erkenntnis: habe heute morgen Verkehrsnachrichten gehört. Von Hermeskeil und Zerf war da die Rede. Mit dem Auto bestimmt schon öfters dort vorbeigekommen, aber nicht markant in Erinnerung geblieben. Jetzt fällt mir sofort der abendliche Aufstieg nach Zerf und die abenteuerliche Suche nach einer Schutzhütte in Hermeskeil ein. Radfahren schafft auch andere Blickwinkel als Auto fahren.

Die Frage, ob man dauerhaft komplett auf das Auto verzichten kann … klar geht, wenn man will. Mehr oder weniger schwierig je nach persönlicher Lebenssituation. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mir das für mich auf Dauer nicht vorstellen kann. Aber man kann es besser machen. Z.B. öfter mal mit dem Rad zum Bäcker oder Einkaufen fahren. Falls man die Möglichkeit hat, mit dem Elektroauto (ja ich weiß, auch nicht die perfekte Alternative) fahren oder aber auch mal das Abenteuer einer Bahnfahrt auf sich nehmen, falls man weiter weg verreist und schließlich das Flugzeug tatsächlich nur wohl dosiert als Reisemittel einzusetzen.

So ich hoffe, ich habe mit meinen Blogeinträgen nicht allzu sehr gelangweilt und wünsche allen noch viel Spaß beim Radeln. Nutzt den schönen Spätsommer noch aus!

Radelnde Grüße
Martin

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„Grenz“erfahrungen Rheinland-Pfalz … ein weiteres schönes Radabenteuer mit meinem Freund Mirko … in 3 Tagen entlang der Landesgrenze

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Municipalité: Freinsheim im Landkreis Bad Dürkheim

Tag/Nacht 1:

Frei nach dem Motto, das Beste zum Stadtradeln-Schluss, sind Mirko und ich vergangene Woche Mittwochmorgen gegen 7 Uhr in Kirchheim - bezeichnender Weise am Sternelokal (Luxus sollte uns die nächsten Tage ja nicht gerade erwarten … obwohl das für uns schon Luxus der besonderen Art war) zu einer Umrundung von Rheinland-Pfalz gestartet. Ziel war es, möglichst nah der Grenze zu folgen. Zunächst ging es im morgendlichen Berufsverkehr auf Mirkos täglicher Route zu den Toren der BASF und zum Rhein. Dann immer am Vater Rhein entlang über Worms, Mainz, Bingen bis St. Goarshausen. Alles relativ flach und unspektakulär (natürlich abgesehen von den schönen Aussichten auf den Rhein und die Burgen). Einrollen eben. Nach dem ersten „Streusel“-test (Note sehr gut!) dann zur Fähre, die natürlich gerade zur anderen Seite fuhr, als wir angekommen sind. Wie ist das, das Butterbrot fällt immer auf die Butterseite! Auf der anderen Rheinseite dann die ersten Anstiege und ein Fototermin in Limburg. Ach so, apropos Luxus, die goldene Badewanne durften wir nicht testen, dazu sind wir wohl zu ungläubig und zu weltlich… Ehrlich gesagt fahre ich dann auch lieber leicht verschwitzt ohne diesen Luxus weiter. Nach einem weiteren bescheidenen Mahl bei einem Bäcker, geht es dann langsam in die Nacht hinein. Betzdorf soll unsere nächste Labstation sein. Es wird kälter und kälter und Betzdorf will ums Verrecken nicht kommen. Frierend kämpfen wir uns voran. Dann endlich Betzdorf. Es ist allerdings schon kurz vor 24 Uhr in der Nacht! Und keine 24 h Tanke in Sicht. Die Rettung heißt einmal mehr mc donalds. Offen bis 1 Uhr morgens. So profitieren wir vom mc donalds Luxus für die Nachtschwärmer. Warme Stube, USB-Steckdose, Cola, Kaffee, Burger und Kartoffeln. Die Lebensgeister kehren langsam zurück. Dann die Kälteschocktherapie mit dem Tritt vor die Tür. Die folgenden Anstiege des Westerwalds wärmen uns jedoch schnell wieder auf. Dann das Highlight dieser Nacht. Eine unüberwindbare Baustelle durchzogen von einem größeren Bachlauf. Es folgt eine Umleitung mit Höhenmetern und unser Nachtlager rückt wieder ein Stück weiter weg von uns. Allerdings ist unsere Schutzhütte im Wald kurz vor Bad Honnef rund um die Uhr offen, so dass wir auch kurz nach 4 Uhr morgens dort noch willkommen sind. Isomatte und Schlafsack ausgepackt und unsere ersten mehr oder weniger Schlafstunden stehen an.

Tag/Nacht 2:

Ich habe die Worte von Mirko noch genau im Ohr: Das wird heute einfacher als gestern, weil die Höhenmeter viel besser verteilt sind. Wir werden auf alle Fälle früher an der Schutzhütte sein. Soweit die Theorie. Die Praxis: ja wir waren früher (ca. 2. 30 Uhr), aber nicht an der geplanten Hütte, sondern noch gute 100 km davon entfernt. Aber der Reihe nach. Morgens kurz vor Sieben ist die Nacht vorbei. Raus aus dem warmen Schlafsack ... bibber, bibber, bibber, frier, frier, Rad packen und weiter geht es. Erst mal Berg ab nach Bad Honnef. Dann zum zweiten Mal in den morgendlichen Berufsverkehr. Nicht schön. Viel befahrene Bundesstraße, an den Resten der historischen Rheinbrücke bei Remagen vorbei (gut, dass wir hier in friedlichen Zeiten vorbeikommen!) bis zur Rheinfähre. Und was soll ich sagen: „Butterbrot“ natürlich ... Auf der anderen Seite nach kurzer Fahrt in Bad Neuenahr-Ahrweiler der heiß ersehnte Kaffee beim Bäcker ... und? richtig, der nächste „Streusel“-test. Bestanden. Guter Dinge machen wir uns auf den Weg in die Eifel. Dann die ersten Tropfen von oben, die sich langsam immer mehr zur sehr konstanten Größe, genannt Regen ausbauen. Wieder einmal ist Mirko meine Rettung. Kunstvoll verpackt er meinen Schlafsack mit meiner Regenjacke und ich lerne: in der Eifel regnet es eigentlich immer, auch wenn trocken vorhergesagt ist. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass wir von Anfang an Gegenwind haben. Der Wind dreht sich lustig mit uns mit. Und Mirko immer im Wind, danke dafür Mirko. Ausgefroren und durchnässt schleppen wir uns zum nächsten Bäcker und sind überglücklich über einen warmen Heizkörper neben unserem Tisch. In der Eifel gibt es offensichtlich keinen Sommer! Unsere Glückssträhne reißt nicht ab, es hört tatsächlich auf zu regnen. Ohne Regen rollt es zunächst recht gut und wir haben die Hoffnung, etwas von unserer verlorenen Zeit wieder aufzuholen... doch manchmal kommt es anders, als man denkt ... eine zweispurige Bundesstraße!!! Anstatt auf der Bundesstraße von Autos gejagt zu werden, entscheiden wir uns für einen kleinen Umweg über Schotter durch den Wald und an sehr beeindruckenden Windkrafträdern vorbei. Ach so, hoch ging es natürlich auch, was sonst. Irgendwann sind wir mal wieder auf unserer Originalroute und verlassen allmählich die Eifel. An der Grenze zu Luxemburg wechseln wir die Seite und fahren ein Stück an der Sauer entlang durch Luxemburg bis Wasserbillig. Unsere Erkenntnis: vorbildliche Radwege, hier können Planer etwas lernen. Beim Grenzübergang lernen wir dann noch eine nette Polizistin kennen, die derart von uns begeistert ist, dass sie sogar unseren Ausweis sehen möchte. Schließlich landen wir in Konz, holen uns in einem Supermarkt etwas zu essen und zu trinken und lassen uns beim Essen an einem kleinen öffentlichen Platz mit Bänken von der örtlichen, pubertierenden Jugend zwangsbeschallen. Wie angenehm dagegen die folgende Ruhe der Nacht im Hunsrück. Da es bereits 20.00 Uhr ist, wollen wir ab 22.00 Uhr nach einer Schutzhütte Ausschau halten und die Etappe nicht bis zur geplanten Schutzhütte zu Ende fahren. Sollte ja kein Problem sein. Nach einem langen Anstieg hoch nach Zerf, fängt ein langer Radweg immer durch den Wald an, Kilometer um Kilometer schauen wir uns die Augen aus, aber es will und will keine Schutzhütte kommen. Schließlich landen wir leicht entnervt am alten Bahnhof in Hermeskeil und Mirko entdeckt auf einer Hinweistafel, dass es hier wohl einen Grillplatz mit Schutzhütte gibt. Nix wie hin. Nach gefühlt 1.000 Höhenmetern und 20maligem Verfahren, finden wir sie endlich nach ca. 45 Minuten. Großer Holzpavillon wäre die zutreffendere Bezeichnung gewesen! Egal wir schlafen hier von 2.30 Uhr wieder bis kurz vor Sieben in der Früh. In Hermeskeil gibt es übrigens einen Hund mit Namen Mia. Hört aber wohl nicht so gut! Miiiaaa, Miiiaaa, Miiiaaa Rufe des Herrchens beim morgendlichen Spaziergang gegen 6 Uhr in der Früh, lassen dies vermuten.

Tag/Nacht 3

Am Morgen fahren wir zunächst den restlichen Anstieg zum Erbeskopf hoch (wie schön, kein Berufsverkehr, nur Vogelgezwitscher und ein Frauchen mit Hund), um dann im Wellenritt durch den Hunsrück rauf und runter zu reiten, bis unsere Wasserflaschen keinen Tropfen Flüssigkeit mehr hergeben und wir lechzend im Supermarkt in Kusel landen. Hier dann der ultimative Streuseltest: ein kompletter Kuchen für uns beide. Am Potzberg vorbei fahren wir weiter bis zur A6 bei Bruchmühlbach-Miesau, wo wir am Nachmittag im folgenden Anstieg an unserer eigentlich geplanten Schutzhütte vorbei Richtung Martinshöhe fahren. Weiter geht es über die Rosenstadt Zweibrücken nach Hornbach zum nächsten Streuseltest beim Supermarktbäcker. Durch den Wald an der Französischen Grenze entlang, neben Anstiegen auch mal mit einer zur Abwechslung sehr schönen langen Abfahrt und durch eine frisch eingerichtete Mammutbaustelle (Vorteil Rad gegen Auto) überschreiten wir mal wieder die Landesgrenze und erreichen Wissembourg. Ursprünglich war hier Nachmittagskaffee geplant. Jetzt ist es schon gegen 19 Uhr und die Menschen flanieren durch die Straßen und über die Plätze dieser schönen Stadt. Ohren anlegen und durch. Mirko macht nun Druck und gibt Gas bis zur Landesgrenze bei Scheibenhard. Es läuft aber auch gut in Frankreich. Bei Neuburg am Rhein, treffen wir wieder auf unseren Vater Rhein, der uns nun mehr oder weniger zum Ausgangspunkt unserer Umrundung zurückbringen wird. Licht an, Armlinge und Beinlinge an und los geht es. Mirko macht weiterhin Tempo und so brettern wir durch die Partymeile am Rheinufer bei Wörth am Rhein hindurch (was bitteschön war nochmal Corona?) auf Speyer zu. Dort muss ich nochmal an die Tanke um Brennstoff nachzulegen, nein dieses Mal kein Streusel. Ein Hähnchenbrötchen und eine Cola sollen mich nach Hause ins Ziel bringen. Ein kurzes Stück den Altrhein entlang über Altrip, Ludwigshafen schließlich der Rückweg über Frankenthal, bis wir uns in Großkarlbach trennen. Mikro muss noch durchs Tal nach Carlsberg und ich bin nach einem letzten Anstieg um 2 Uhr Morgens wieder zu Hause in Freinsheim. 1.021 km, 7.836 Höhenmeter zeigt mein Garmin an. Danke Mirko nochmal für die tolle Planung und diese weitere tolle Radabenteuertour. Freue mich schon auf die nächste.

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Vogelgezwitscher

Ecrit le 31.08.2020 de Martin Langlotz
Equipe: Offenes Team - Freinsheim
Municipalité: Freinsheim im Landkreis Bad Dürkheim

Hallo zusammen,

so die erste komplette Woche und knapp die Hälfte meines Kilometerziels sind geschafft. Die Fahrten nach Ludwigshafen und Mannheim waren unproblematisch. Allerdings muss ich sagen, dass Radfahren in der Stadt keinen Spaß macht. Das liegt an den vielen Autos und auch daran, dass Fahrräder leider nicht im Fokus bei der Infrastrukturplanung standen. Autos sind ganz klar immer bevorzugt. Sei es bei den Ampelschaltungen oder bei der Ausrichtung und Ausgestaltung der Radwege. Was Radwege betrifft, gilt dies auch außerhalb der Stadt. Was mir besonderes aufgefallen ist, die Hinweise auf einseitige Radwege sind entweder nicht oder schlecht einsehbar vorhanden. Dann kann es durchaus auch sein, dass zwar auf der anderen Seite ein Radweg beginnt, es aber keine Zufahrmöglichkeit gibt. Was auch nervt sind die ständigen Bogen, die man auf Radwegen fahren muss. Aber es gibt auch schöne Momente auf Radwegen, die man als Autofahrer nicht erleben kann. So hat man zwischen Erpolzheim und Feuerberg, kurz vor dem Feuerberg aus dem Bruch heraus ein Feuerwerk an Vogelgezwitscher im Ohr. Natur pur, einfach schön. Gestern hatte ich allerdings auch eine unschöne Begegnung mit der Natur. Eine Wespe ist mir in den Helm geflogen und hat mich in die Stirn gestochen. Aber auch hier gibt es Positives zu berichten. Da das mitten in Ramberg passiert ist und eine nette Dame das mitbekommen hat, hat sie mir gleich einen Kühlakku gebracht. Fand ich sehr nett und hat mir mal wieder gezeigt, dass die Menschheit doch noch nicht ganz zu Egoisten mutiert ist. Eine Empfehlung für Nachtradler hätte ich noch. Zusätzlich zur Lenkerlampe kann ich nur wärmstens eine Helmlampe empfehlen. Das hat den Vorteil, dass man nach vorne besser die Kurven ausleuchten kann. Das erspart einem die Tests der Grasstreifen, den ich noch ohne Helmlampe ungewollt Montag Abend absolviert habe. Ich hatte glücklicherweise gewonnen. Ach ja, von meiner Akquise kann ich leider noch von keinem finalen Erfolg berichten, aber ich bleibe dran und gebe nicht auf. So, dann verabschiede ich mich mal bis zur nächsten Woche, in der ich ab Mittwoch mit Mirko eine kleine Tour geplant habe. Ich werde berichten.
Radelnde Grüße
Martin

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Die ersten 5 Tage sind geschafft!

Ecrit le 24.08.2020 de Martin Langlotz
Equipe: Offenes Team - Freinsheim
Municipalité: Freinsheim im Landkreis Bad Dürkheim

Guten Morgen zusammen,
so mein erster Blogeintrag. Die ersten 5 Tage und 466 Kilometer sind geschafft. Verzicht auf das Auto bisher leicht gefallen. Selbst größere Mengen einzukaufen unproblematisch. Im Zweifelsfall halt 2 mal fahren. Morgens gegen 5 Uhr lässt es sich am angenehmsten fahren, was den Autoverkehr betrifft. Kommt man jedoch in die Nähe eines Autobahnanschlusses sieht es gleich wieder anders aus. Unangenehme Begegnungen gab es keine, abgesehen von zahlreichen Sonntagsausflüglern, die beim Überholen nicht wirklich Abstand halten und dem Lärm (hauptsächlich Motorräder) und Gestank im Wald. Sehr gefreut habe ich mich meinen Neffen überzeugen zu können für sich und seine Frau einen Helm zu kaufen, was er auch prompt am Samstag umgesetzt hat. Meine Akquise fürs Stadtradeln könnte auch erfolgreich werden. Werde das nächste Mal berichten, ob es geklappt hat. So dann bin ich mal auf die nächste Woche radeln gespannt. Es stehen Fahrten nach MA und LU an, die ich normalerweise mit dem Auto absolviert hätte. Wünsche allen einen guten Start in die Woche. Radelnde Grüße Martin

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