Tag 12

Image Ecrit le 04.06.2021 de Ingolf Fix
Equipe: Tiger Team Kattanek
Municipalité: Eberswalde

#Tag 12 Stadradeln 03.06.2021

Gestern habe ich euch eine spannende Runde versprochen und hier ist sie: Die heutige Strecke folgt den Spuren keines Geringerem als den, des ältesten Klassiker des deutschen Straßenradsports „Rund um Berlin“. Dieses Rennen wurde 1896 gegründet und fand bis zum Jahr 2000 einmal jährlich im Sommer statt. Während dieser Zeit wurde es nur durch die zwei Weltkriege unterbrochen und dann noch einmal nach dem Jahr 2000 für sieben weitere Jahre, bis es dann letztmalig im Jahr 2008 veranstaltet wurde. Ich höchstpersönlich bin dieses Rennen ganze viermal gefahren. Zweimal zu DDR-Zeiten, wo du jede Ortsdurchfahrt am Kopfsteinpflaster gespürt hast, und zweimal nach der Wende. Stolz bin ich darauf, dass ich alle vier Rennen beendet habe. Mein bestes Ergebnis war der 36. Platz. Den Rad-Marathon hingegen bin ich sechsmal „rund um gefahren“, wie man so sagt. Übrigens ist bei diesem Rennen Klaus Ampler mit fünf obersten Podestplätzen Rekordsieger.
Ich startete um 3 Uhr nachts und bin von Eberswalde aus quasi im Uhrzeigersinn gefahren. Meine Route führte mich über Grüntal nach Bernau bei Berlin, wo ich einen herrlichen Sonnenaufgang genießen konnte. Weiter ging es über Blumenberg, Mehrow und Hönow. Dort kam ich heute das erste Mal mit der Berliner Stadtgrenze in Berührung. Es folgten zwei Stopps, am Neuenhagener Rathaus und am Bergwerkmuseum in Rüdersdorf. Ich erinnere mich, dass in dieser Gegend zu DDR-Zeiten stets ein grauer Staubschleier vom Zementwerk auf allem lag. Heute zum Glück nicht mehr. Begleitet wurde ich auf dieser Tour nur von meinem eigenen Schatten. Den konnte ich, egal was ich auch probierte, einfach nicht abschütteln. Ziemlich hartnäckig dieser Kerl. Aber genau wie bei Lucky Luke, war ich schneller als er. In Erkner fuhr ich an einer Sportsbar mit dem Namen „Paris-Rom-Erkner“ vorbei. Sehr kreativ und dennoch musste schon ein wenig schmunzeln. Zum Beweis habe ich dies, wie ihr sehen werdet, in einem Foto festgehalten. In Niederlehme kam es mir so vor, als hätte ich einen Knick in der Optik. Der Wasserturm an der Autobahn wirkte so schief, wie der schiefe Turm von Pisa. Naja, die ersten warmen Tage und schon sehe ich eine Fata Morgana. Das kann ja noch heiter werden. Weiter ging es nach Königs Wusterhausen, genauer gesagt zum Schloss. Es war die bevorzugte Residenz des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I. und als Ort seiner Tabakskollegien bekannt. Mein Streckenverlauf führte mich weiter über Mittenwalde, Zossen, Glienicke, Groß Schenkendorf, Blankenfelde zum Schloss Diedersdorf. Über Großbeeren ging es dann nach Potsdam zur Glienicker Brücke - Halbzeit. Wenn man bedenkt, dass hier mal alles zu Ende war und man als Normalbürger der DDR nicht einmal in die Nähe gekommen ist - es sei denn man war ein Agent der Gegenseite und wurde ausgetauscht -, berührt es mich in solchen Momenten immer wieder. Daher diente die Brücke schon oft als Filmkulisse und die Stars, sie standen schon alle hier, da wo ich jetzt stehe. Zuletzt glaube ich Tom Hanks in „Bridge of Spies“. Nun gut, weiter ging’s und da ich keine Lust darauf hatte auf Günther Jauch oder Wolfgang Joop zu treffen, ließ ich die Berliner Vorstadt links liegen und fuhr an der Havel entlang zum Neuen Garten mit Schloss Cecilienhof. In dem im englischen Landhausstil von Kaiser Wilhelm II. errichteten Gebäudeensemble fand im Sommer 1945 die Potsdamer Konferenz der Siegermächte des 2. Weltkrieges statt. Mittlerweile hatte ich also den westlichen Abschnitt meiner heutigen Tour erreicht. Ich passierte im Folgenden Falkensee, Schönwalde sowie Hennigsdorf und machte dann vor der Himmelspagode in Hohen Neuendorf den nächsten kurzen Zwischenhalt. Anschließend kam ich in Wandlitz voll in die Rush-Hour. Also hieß es ab durch die Mitte bis nach Groß Schönebeck, um bei einem Kollegen für ein Stündchen bei Kaffee und Kuchen von meinen neuesten Heldentaten zu berichten. Danach nahm ich die letzte Etappe für heute in Angriff. Nach Eichorst und kurz vor Finowfurt sah ich mir noch den Stand der Bauarbeiten an der Havel-Oder-Wasserstraße an - es wird so langsam. Einen kurzer Abstecher zum Finower-Wassserturm in der Messingwerksiedlung musste sein und dann nichts wie nach Hause. Nach 15 Stunden und 300 Kilometern war „Rund um Berlin“ geschafft. Nun hieß es ausruhen, denn sonst gibt es morgen „Laktatbeine“.

Bleibt aktiv, Euer Fixi

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