Tag 21 Finaltag

Image Ecrit le 13.06.2021 de Ingolf Fix
Equipe: Tiger Team Kattanek
Municipalité: Eberswalde

#Tag 21 Stadtradeln 12.06.2021

„Einmal entlang auf dem Berliner Mauerweg“, so würde ich die heutige Tour kurz umschreiben. Und um das Ganze nochmal herausfordernder sowie zu einem echten Finale des diesjährigen Stadtradelns werden zu lassen, habe ich mich für das MTB entschieden. Ich habe diese Tour schon seit einigen Jahren auf dem Plan und so einigen Respekt vor dieser Runde. Schnell kann man vom Weg abkommen, es erwarten einen die verschiedensten Untergründe und diverse enge Streckenabschnitte, teils mit vielen Menschen, erfordern vollste Aufmerksamkeit.
Um kurz nach drei Uhr nachts ging es dann los. Der Wetterbericht versprach kühlere angenehmere Temperaturen als an den Vortagen und vereinzelte Schauer. Von Eberswalde aus fuhr ich durch den Wald nach Melchow, anschließen nach Bernau Waldfrieden und dann nach Schönow zum Denkmal Friedrich II. Weiter ging es über Mühlenbeck, Schönfließ, Glienicke-Nordbahn nach Frohnau zur Berliner Stadtgrenze, dem s.g. Entenschnabel. Im Lübarser Freizeitpark hatte ich von der Lübarser Höhe einen tollen Blick auf das Märkische Viertel, welches im Gangster Rapper Jargon auch kurz „MV“ genannt wird. Rapper Sido beschrieb es in seinem Song „Mein Block“ so: „meine Straße, mein Zuhause, mein Block, yeah, du in deinem Einfamilienhaus lachst mich aus, weil du denkst du hast alles, was du brauchst, doch im MV scheint dir die Sonne aus'm A…..“ Tja, heute schien leider keine Sonne und außerdem musste ich weiter auf dem Mauerweg.
Schnell stellte sich ohne Navigation eine Sucherei nach dem Weg ein. Berufsbedingt komme ich in Berlin viel rum, aber die ein oder andere neue Abkürzung kennenzulernen, machte es heute wieder spannend. Letztlich kam ich unten vor der „Boesebrücke“, den meisten besser bekannt als „Bornholmer Brücke“, an. Ja, das ist der Ort, wo die Mauer als Erstes fiel. An diesem historischen Ort musst ich kurz innehalten und dann ging es auch schon weiter in Richtung Mauerpark. Vorbei an den Erinnerungstafeln für die Mauertoten und erkennbaren Schlafplätzen von Obdachlosen. Ich spürte, wie all diese Orte selbst noch 32 Jahre nach dem Mauerfall bei mir eine spürbare Achterbahn der Gefühle auslösten.
Obwohl diese Stadt niemals schläft, war mein früher Start von Vorteil. Insofern war auf den Straßen noch nicht all zuviel los. Um halb acht war ich bereits am Hauptbahnhof, weiter ging es dann über die Friedrichstraße zum Reichstag und das Brandenburger Tor. Dann fuhr ich über den Potsdamer Platz zum Check-Point-Charlie. Nun kam ich vom Weg ab und fuhr so ein wenig kreuz und quer bis Treptow, anschließend durch Kreuzberg, um dann in Neukölln die Sonnenallee entlang zu radeln. Schmunzelnd musste ich mich in diesem Moment an den gleichnamigen Film, in dem auch der Eberswalder „Schorty“ Scheumann in einer Nebenrolle zu sehen ist, denken. Einfach nur herrlich, wie Schorty einen sächsischen FDJ-ler spielt, der vom Ost-Berliner Privileg des tadellosen Westfernseh-Empfangs vor der Flimmerkiste einfach nicht wegzukriegen ist.
Jedenfalls war ich nun wieder auf dem Mauerweg. Kurz danach hatte ich die ersten 100 Kilometer geschafft und legte in Päuschen ein. Über Rudow und Steglitz fuhr ich zum ehemaligen Grenzübergang Dreilinden. Ab hier hatte ich dann für kurze Zeit einen Begleiter. Ein anderer Radler mit Hundeanhänger und Hund drin „wuff“.
Über den Grunewald, Stahnsdorf, Teltow und den Filmpark Babelsberg kam ich zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit zur Glienicker Brücke. Hier musste ich dieses Mal unbedingt noch eine extra Runde durch den „Düppeler Forst“ einlegen, um mir das im bayerischen Stil errichtete Wirtshaus „Moorlake“, mit Blick zur Pfaueninsel, einmal anzusehen. So ergab es sich dann auch, dass den „Kilometerberg“ von Wannsee in Richtung Potsdam heute gleich zwei Mal fuhr.
Weiter ging es im großen Bogen um die Havel nach Sacrow. Jetzt zogen dunkle Wolken auf und es begann wie aus Eimern zu regnen. Ich suchte und fand zum Glück einen Unterstand. Es war schon später Nachmittag und ich hatte noch einen weiten Weg vor mir bis nach Hause. Ich durfte nicht schlappmachen und musste mein Ziel vor den Augen behalten. Zum Glück erhielt ich in diesem Moment motivierende Nachrichten vom „Tiger-Team“ auf mein Mobiltelefon. Und tatsächlich es half. Es überkam mich neue Kraft und für einen Moment war es so, als bekäme ich Flügel, wie ein Adler. So erreichte ich nach einer gefühlten Ewigkeit, aber mit frischer Energie, Groß Glienicke und danach Spandau. Hier kam ich wiederholt vom Weg ab und erst nach Falkensee und Schönwalde fuhr ich wieder auf dem Mauerweg weiter. Vorbei am noch erhaltenen Grenz-Wachturm in Nieder-Neuendorf, wo mich ein zweiter Schauer überraschte, ging es weiter nach Hohen Neuendorf. Hier verließ ich den Mauerweg und fuhr weiter nach Birkenwerder, Lehnitz, Wandlitz, Stolzenhagen, Klosterfelde, Ruhlsdorf, Marienwerder und zum Abschluss noch über die Clara-Zetkin-Siedlung. Um 23.35 Uhr kam ich nach 20 Stunden und 10 Minuten sowie 322,5 Kilometer und 1.859 Höhenmeter zu Hause an. Mir war kalt und ich war froh vom Rad zu steigen.
Insgesamt habe ich 4.084,6 Kilometer erradelt und damit mein Ziel von 3.500 Kilometer weit überschritten. Ich habe in den 21 Tagen alles gegeben und mir nur einen wirklichen Ruhetag gegönnt. Letztlich bin zufrieden und ich glaube, ich darf auch ein kleines bisschen stolz auf mich und meine Leistung sein.
Allen Teilnehmern am Stadtradeln, insbesondere aber den Mitgliedern vom Tiger-Team Kattanek, gilt meinen Respekt und meine Anerkennung. Ihr alle, habt euch wacker geschlagen.
Abschließend möchte ich allen Mitstreitern und Lesern noch eines meiner Lebensmottos mit auf den Weg geben:
„Das Leben ist nicht zwingend hart, wenn du dich entscheidest dabei glücklich zu sein.“

In diesem Sinne, bleibt aktiv
Euer Fixi

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