Zieleinlauf im Abendrot

Image Ecrit le 14.09.2021 de Martin Langlotz
Equipe: Offenes Team - Freinsheim
Municipalité: Freinsheim im Landkreis Bad Dürkheim

Tag 20, am vorletzten Tag des Stadtradelns zieht es mich mal wieder in die „alte Welt“, die irgendwo hinter Schallodenbach beginnt und laut Überschrift eines älteren Artikels der Rheinpfalz „Ein Geheimtipp für Entdecker ist“. So ist diesem Artikel zu entnehmen, dass „sich dort bewaldete Hügel mit Tälern abwechseln, in denen beschauliche Dörfer und reizvolle Städtchen verstreut liegen. Es ist eine abwechslungsreiche „bucklige Welt“, wie geschaffen zum Entschleunigen und Genießen.“ Und womit lässt sich diese Welt wohl am besten erkunden? Richtig, mit bzw. auf zwei Rädern, muskelbetrieben selbstverständlich. Zum Holbornerhof hinauf muss ich auch prompt mal wieder anhalten und Bilder machen. Immer wieder beeindruckend diese Landschaft!
Bereits auf der Anfahrt entdecke ich aber auch auf dem Radweg zwischen DÜW und Frankenstein, dass der Herbst sich ankündigt. Die ersten Anhäufungen brauner, verwelkter Blätter sind zu erkennen. Genießen wir noch die verbleibenden schöne Tage, wobei auch der Herbst durchaus seine reizvollen Seiten hat.
Tag 21, am letzten Tag des Stadtradelns trete ich zur Königsetappe an: 262 km über die Südpfalz nach Bitche im Elsass und über Wörth am Rhein, am Rhein entlang nach Speyer und zurück. In Annweiler stoße ich auf auffällig viel Verkehr, wohl wieder mal durch eine Straßensperrung verursacht. Selbst die Polizei hat mit Blaulicht Schwierigkeiten durch den Autostau zu kommen. Autofrei hingegen der Radweg von Pirmasens nach Bitche. Sehr zu empfehlen. Es geht durch Wald und über Wiesen bis plötzlich einem aus der Ferne die mächtige Festung von Bitche in den Bann zieht. Auf dem Rückweg geht es dann Richtung Wissembourg erst einmal durchs Militärgebiet mit zahlreichen Hinweisen die Straße nicht Richtung des schönen Waldes zu verlassen. Auch das Elsass hat beschauliche Dörfer zu bieten, natürlich zusätzlich mit über die Grenzen hinweg bekannten Verpflegungsmöglichkeiten, die in der Vergangenheit den einen oder anderen bekannten Politiker bereits herbeigelockt haben. Für mich sind diese heute keine Option, da sie mit Sicherheit mit vollem Bauch dann Endstation für mich bedeutet hätten. Ach ja … und buckelig ist diese „Elsasswelt“ auch.
Von Wissembourg aus steuere ich Kandel an und bin mal wieder erstaunt, wie nah eigentlich unser Nachbarland Frankreich liegt und warum es gleich mehrere Kriege gebraucht hat, bis wir endlich zu einer friedlichen, schönen Freundschaft mit unseren Nachbarn gefunden haben.
Über Wörth geht es dann Richtung Rhein und ich freue mich schon, meine Gänsefreunde wieder zu sehen. Die Freude wird jedoch etwas getrübt. Der Asphalt ist weg bzw. aufgeraut. Mit stark eingeschränktem Tempo rüttelt es mich gen Germersheim. Meine Freunde waren übrigens da. Der raue Asphalt störte sie nicht im Geringsten.
Am Ende meines kleinen Tagesausflugs empfängt mich eine wunderschöne Abendsonne in Freinsheim. Die Haardt und der Friedhof sind in rotes Licht getaucht. Ein schöner Ausklang meiner Stadtradelzeit 2021!

Mein Fazit dieses Jahr: Es bleibt noch viel zu tun und für alle Verkehrsteilnehmer vor Allem auch noch viel zu lernen. Und mit alle meine ich auch wirklich alle. Radfahrer aller Couleur, Motorradfahrer, Autofahrer und auch Fußgänger schließe ich mit ein. Zu lernen gilt es aufmerksam zu sein, mitzudenken im Sinne von Verkehrsfluss, entspannter zu sein, nicht immer gleich andere mittels Hupe oder Gestikulieren belehren zu wollen, sondern besser durch eigenes Verhalten Positives vorzuleben.
Parkende Autos auf Radwegen müssen nicht immer sein, kann man aber auch im Einzelfall als Radfahrer mal gelassen umfahren. Mit dem Abstand beim Überholen gibt es jedoch meiner Meinung nach, keine Toleranz, schon gar nicht, wenn belehrend und hupend kein Blatt mehr zwischen Auto und Radfahrer passt. Das ist teils sehr grenzwertig und lebensgefährlich! Besonders irritiert es mich, als mich ein Auto, das es offensichtlich sehr eilig hat, mit sehr geringem Abstand überholt, am Heck ein Fahrradträger montiert, huckepack ein Rennrad. Dazu fällt mir nichts ein …
Und was bleibt zu tun? Radwege, Radwege, Radwege! Dabei ist mir aber auch bewusst, dass das abgesehen von den Kosten, kein einfaches Unterfangen ist. Das fängt schon damit an, dass Radfahrer ja nicht gleich Radfahrer ist. So ist der Rennradfahrer an sich ja grundsätzlich auf maximal schnelles Vorankommen programmiert. Es darf da auf keinen Fall etwas in den Weg kommen. Schon gar nicht, wenn er auf der Jagd ist. Zu jagen gibt es nämlich so einiges, z.B. imaginäre Bestzeiten, diverse Social Media Trophäen in der Zweit/Onlinewelt, überholende, schwergewichtige E-Bikefahrer, Traktoren, Triathleten mit Zeitfahrrad, etc.. Im Ernst, was ich meine ist, dass man durchaus nicht nur Autostraßen zum ungehinderten Vorankommen konzipiert, sondern auch mal bei der Konzeption von Radwegen an ein optimales Vorankommen der Radfahrer denkt. Keine unnötigen Schleifen, kein ständiger Wechsel von der einen auf die andere Seite, Zufahrmöglichkeiten nicht nur am Anfang und Ende des Radwegs, keine versteckten Radwege … es gäbe noch einiges aufzuzählen. Als Beispiel, wie es nicht sein sollte: Ortseingang Ungstein ist vielleicht maximal 3 Meter ein Radweg aufgezeichnet und das wars. Fährt man dann um die Ecke, sind rechts Parkplätze eingezeichnet. Was jetzt? Radweg oder Parkplätze?
Zum Schluss noch eine Anmerkung zur Werbung für das Stadtradeln. Während mich die Anzahl an Wahlplakaten unterschiedlichster Parteien fast erschlägt, erscheint mir die Werbung fürs Stadtradeln 2021 etwas lustlos zu sein. Ich habe auf meinen Touren so gut wie keine Werbeplakate für das Stadtradeln entdecken können, und wenn dann an unübersichtlichen Stellen. Auch die bunt bemalten dekorierten Räder, üblicherweise an den Ortseingängen, können mich nicht wirklich begeistern. Da bin ich von unseren französischen Nachbarn anderes gewohnt.
So jetzt aber genug genölt! Stadtradeln ist und bleibt eine super Sache, die ich absolut gut finde und die maximal zu unterstützen ist. Ich werde jedenfalls weiterhin Werbung dafür machen und möglichst viele Menschen versuchen davon zu überzeugen, dass die Alternative zum Auto durchaus auch mal das Fahrrad sein kann. In diesem Sinne wünsche ich mir mal wieder möglichst viele Radkilometer, auch wenn nicht immer als Ersatz für das Auto, und verabschiede mich vom diesjährigen Stadtradeln.
Radelnde Grüße
Martin

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